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Actionfilm als Moralapostel – Die Insel

 

Es ist die fiktive Zukunft, Mitte des 21. Jahrhunderts, als Lincoln Six-Echo und Jordan Two-Delta durch eine ihnen unbekannte Außenwelt flüchten, immer im Nacken ein Söldnertrupp, beauftragt von einem geheimen Forschungslabor. Was sich zunächst als ein schon mehrfach kopierter Plot eines banalen Actionfilmes anhört, birgt beim genauen Anschauen von Michael Bays “The Island – Die Insel” eine ethische und moralische Wertevermittlung über Problemstellungen des reproduktiven Klonens.

Klonschaf Dolly war der erste und wohl bekannteste künstlich reproduzierte Organismus. Ihm folgten geklonte Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Ratten, Pferde und viele mehr, bis hin zum geklonten Hund, dem besten Freund des Menschen. Stellt sich die Frage, wann die Technik soweit ist und den ersten Menschen klont. Doch grundsätzlich stellt sich die Frage – WOZU? Nun, auch bei fortgeschrittener Technik und den medizinischen Möglichkeiten, die wir heute bereits anwenden können, sind bei der Durchführung von Organspenden immer noch zwei Probleme gegeben: das Abstoßen von Spenderorganen und die Anzahl derer überhaupt. Und darin liegt die Chance des Klonens. Das schaffen von Organreserven, die blendende Aussicht auf Heilungschancen. Hier setzt der Film “Die Insel” an und degradiert geklonte Menschen für ihre Investoren zum Organsack und Lebensversicherung.

Dafür wird den Klonen eine Lebenswelt vorgespielt, in der die Außenwelt durch einen Unfall verseucht wurde, deshalb müssen Sie in einer unterirdischen Anlage leben. Außerhalb wurde nur eine einzige Insel verschont. Mittels einer Lotterie wird wöchentlich ein Gewinner ermittelt, der die Erde wieder bevölkern soll und aus der unterirdischen Anlage auf die Insel darf. Das Warten darauf verbringen sie mit dem Leben und Arbeiten in der unterirdischen Welt; Ihre Arbeit im übrigen dient paradoxerweise der Erzeugung neuer Klone. Die Gründer der Firma profitieren von den Investoren, die für einen exquisiten Lebensstil und ein längeres Leben ausreichend Geld bereit stellen und sich einen Klon erstellen lassen. Ob Organtransplantate oder das Austragen von Kindern, damit der eigene Körper sich nicht einer Schwangerschaft unterziehen muss, alles scheint möglich und erscheint genauso menschenunwürdig, betrachtet man die Vorgehensweise gegen die Klone. Denn diese werden für den Zweck der Organtransplantation oder der Geburt von Nachwuchs ausgenutzt und danach kaltblütig ermordet und hingerichtet und das auf eine Art und Weise die an eugenische Selektion im Dritten Reich erinnert. Die Klone, die ebenso wie das Original ein menschliches Individuum sind, werden nicht derart behandelt, sondern als eine Art Gegenstand, über den die Besitzer beliebig verfügen können.

Die Vorgehensweise, so drastisch und subtil sie auch im Film dargestellt sein mag, zielt genau auf das ab, worauf man etwas acht geben sollte: Sollte es gelingen, den Menschen zu klonen, so kann man ihn nicht zu dem Zweck der Ersatzteillagerstätte missbrauchen, so wenig wie man ihn zu anderen Dingen missbrauchen sollte, denn es ist schlicht und ergreifend ein Mensch. Schon Albert Schweitzer sagte: “Humanität besteht darin, dass niemals ein Mensch einem Zweck geopfert wird!”

Natürlich ist der Film auch ein Actionfilm, das will und kann ich ihm gar nicht absprechen, aber wie teilweise auf einfache und teilweise auf raffinierte Art und Weise, moralische und ethische Werte an den Zuschauer dringen, ist genau was gutes Entertainment ausmacht.

Hier der Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=ybmbN_4o__M

Manuel Rawer

Manuel Rawer ist Religionslehrer an der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues. Trotz eines Leben als bekennender Serienjunkie und Sport-TV-Anhänger, versucht er möglichst viel in der ganzen Welt herumzukommen und Manna-Momente zu erleben!

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1 Kommentar

  1. Gefaellt mir sehr die Seite. Gute Themenwahl.

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