Pages Navigation Menu

Glaube - Leben - Popkultur

Nächstes Jahr im Super Bowl

 

John harbaugh, Baltimore Ravens

(c) Keith Allison, flickr.com

Es ist der 15. Januar 2011. Die Baltimore Ravens sind in den Playoffs der National Football League an den Pittsburgh Steelers gescheitert. Ihrem großen Rivalen. Mal wieder. Obwohl sie zur Halbzeit bereits 21-7 führten. Wer sich nicht für Sport interessiert hat kein Gefühl für die Härte solcher Niederlagen, die sich fast wie körperlicher Schmerz anfühlen. 

John Harbaugh weiß es ganz sicher. Der Headcoach der Baltimore Ravens tritt an diesem Samstagabend im dritten Jahr hintereinander vor die Presse, die von ihm erwartet, dass er Worte findet für die Enttäuschung. Für seine und die seines Teams, das erneut als Titelkandidat gehandelt wurde. Weil es über eine der besten, erfahrensten Abwehrreihen der Liga verfügt und dieses Jahr auch in der Offense ordentlich nachgerüstet hat. Aber aus John Harbaugh spricht keine Frustration und keine Wut. “Ich bin dankbar für die Möglichkeit ein solches Footballteam coachen zu dürfen. Und ich glaube unsere Jungs sind dankbar für die Gelegenheit in so einem Spiel antreten zu dürfen.”

Klingt nach Dabeisein-ist-alles. Nach Verlierer-Rhetorik. Aber wenn man John Harbaugh in die Augen schaut, als er das sagt, verfliegt dieser Eindruck. So sieht keiner aus, der nach Ausreden sucht. Sein Blick ist wach und hell und irgendwie gelöst. Es ist die Gelassenheit eines Menschen, in dessen Leben Niederlagen auf und abseits eines Sportfeldes zwar schmerzlich sind, aber das Fundament nicht ins Wanken bringen.

Und dann sagt er einen Satz, der mich zu Hause vor dem Computer, auf der anderen Seite des Atlantiks tief beeindruckt. “All you can do in life is take a shot at being great. That’s all you can do.” Take a shot at being great. Gar nicht leicht zu übersetzen. Dazu muss man die Sportart wechseln. To take a shot. Ein Wurfversuch beim Basketball. Auf gut Glück. Von der Mittellinie. Jenseits aller Wahrscheinlichkeiten. Trotzdem muss man den Wurf nehmen. Das Spiel macht sonst keinen Sinn. Man würde sonst nur herumdribbeln, sich Pässe zuspielen, aber jeder Reiz wäre verloren.

Es steckt wohl in uns drin, dass wir versuchen etwas Großartiges, etwas Bleibendes zu erreichen. Nicht immer im Sport. Das Streben nach Großartigkeit kennt ganz verschiedene Experimentierfelder. Den Schulabschluss packen,die ganze Welt bereisen, den eigenen Kindern gute Eltern sein, eine eigene Firma aufbauen – oder einfach ein glücklicher Mensch zu werden. Im Mittelalter nannte man das die Memoria, das Gedächtnis an eine besondere Lebensleistung über den eigenen Tod hinaus. Footballspieler erhalten für jeden Super Bowl-Sieg einen ziemlich protzigen Ring, wer mehr als einen schafft, dem ist die Aufnahme in die Hall of Fame schon zu Lebzeiten praktisch sicher. Klar, dass jeder Profi dieses Ziel vor Augen hat. Auch der Headcoach der Baltimore Ravens. Aber wenn alles daran hängt?

“Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sich selbst verliert und Schaden nimmt?” (Lk 9,25), fragt Jesus im Lukasevangelium. Um John Harbaugh braucht man sich in dieser Hinsicht wohl keine Sorgen zu machen. Bei ihm steht auch in der Niederlage zuerst die Dankbarkeit, überhaupt eine Chance erhalten zu haben. Vielleicht die Grundvoraussetzung, um überhaupt großartig sein zu können. Und trotzdem: “We were just not great enough today. But that does not discourage us. It does not frustrate us. We’ll be back!”

In diesem Sinne: Have a shot at being great!

 

Das Video dazu gibt es hier. John Harbaugh spricht ab 1:28.

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

Letzte Artikel von Christian Schröder (Alle anzeigen)

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>