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Glaube - Leben - Popkultur

Manna im Big Apple

© H. Kroh / pixelio.de

Serien, Filme und Musik erzählen Geschichten. Ich mag Geschichten. Ich höre sie gern und erzähle sie gern weiter. Und manchmal bleibe ich an einer guten Geschichte hängen, weil sie bei mir irgendeinen Nerv trifft. So zuletzt bei „How I met your Mother“.

Marshall Eriksen macht eine harte Zeit durch. Den Jura-Abschluss in der Tasche rennt er von einem Vorstellungsgespräch zum nächsten, aber im Haifischbecken New Yorks will ihn einfach niemand anstellen. Weil er mittlerweile dazu übergegangen ist, sich morgens nicht mal mehr eine Hose anzuziehen und nur noch antriebslos auf der Couch herumhängt, suchen seine Freunde nach motivierenden Erlebnissen aus früheren Krisen. Deswegen begeben sie sich auf die Suche nach dem “Besten Burger in New York”. Den hat Marshall schon einmal gegessen. Vor einigen Jahren, als es ihm auch schon mal dreckig ging. Damals hatte er seine Angst überwunden. Die Angst vor der unbekannten, riesigen Stadt. Das Essen dieses Burgers hat er immer damit verbunden. Aber New York ist groß, die Zahl der Restaurants, die als Heilsangebot den besten Burger der Stadt versprechen, auch. Und so suchen sie lange Zeit vergeblich. Seine Freunde sind schon der Meinung, dass Marshall ein wenig übertreibt, dass der Burger von damals in  Marshalls Erinnerung ein bisschen verklärt wird, weil er mit keinem Burger, den sie ihm anbieten, zufrieden ist.

Ein Burger gegen die Angst vor dem Versagen

Plötzlich fällt das Stichwort. „Nur ein Burger!“, sagt die skeptische Robin. Nichts besonderes also. Massenware, die man an jeder Ecke bekommt. Der Rest ist Einbildung. Mach mal nicht so ein Theater deswegen. Die Rede, die Marshall daraufhin hält, ist nicht einfach der Versuch sich zu rechtfertigen. Sie ist ein Bekenntnis. Sie erzählt von der Erfahrung, dass hinter manchen Dingen mehr steckt, als für das Auge sichtbar ist. Selbst wenn es sich um etwas scheinbar Triviales handelt. Für Marshall dreht es sich tatsächlich um mehr als nur einen Burger: “Das ist Gott, der mittels dieser Nahrung zu uns spricht”. Nicht zufällig ist Marshalls Rede mit derselben Musik unterlegt, zu der Salieri in „Amadeus“ die Musik Mozarts beschreibt. „Mir war als hörte ich die Stimme Gottes“, sagt Salieri. Ich selbst kann mit dem Genie Mozart nicht so viel anfangen. Schon eher mit der Figur des Marshall Eriksen. In einem ganz normalen Schnellimbiss erfährt Marshall etwas, von dem er länger zehrt, als die Kalorien brennen. Das könnte auch an andern ganz normalen Orten geschehen. Am eigenen Küchentisch, während einer schweißtreibenden Trainingseinheit, am Tresen meiner Lieblingskneipe. Etwas, das Hoffnung gibt und freier atmen lässt. Fast hätte ich gesagt: ein Sakrament.

“Kein simples Sandwich aus gegrilltem Fleisch und getoastetem Brot”

Wenn ich anderen von einer besonderen Erfahrung erzählen will, die ich gemacht habe, die mich begeistert hat, schaue ich auch oft in ungläubige Gesichter. Es ist eben gar nicht so leicht die Begeisterung überspringen zu lassen. Manches  muss man selbst erlebt haben. Marshall lässt sich trotzdem nicht beirren und wagt den mutigen Versuch das in Worte zu fassen, was eigentlich alle sprachlichen Möglichkeiten übersteigt. Beneidenswert, wem das gelingt. Nach seiner leidenschaftlichen Ansprache kann man zwar immer noch denken, dass der Burger von damals vielleicht genauso fettig, der Käse genauso pappig und das Brötchen genauso trocken war, wie sonst auch. Aber es lässt sich bestimmt nicht mehr bestreiten, dass für Marshall viel an diesem Burger hängt, dass dies mehr ist als eine lustige Geschichte von früher, die man in bierseliger Laune auf einer Party erzählt. Marshall hat beim Essen dieses Burgers nichts anderes erlebt als eine Offenbarung. Einen plötzlichen Einblick in das, was das Leben im Kern ausmacht. Der Burger ist schnell verdaut und der Moment der Klarheit vorbei. Aber wenn einer so etwas erlebt, dann lässt es ihn nicht los, dann kann er vielleicht gar nicht anders, er muss davon erzählen. Manche haben solche Erlebnisse, wenn sie Mozart hören, andere, wenn sie Burger essen und manche vielleicht sogar, wenn sie sich Fernsehserien ansehen.

 

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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