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Glaube - Leben - Popkultur

Da brennt was

© photoshaker – Fotolia.com

Der Tag nach Pfingstmontag. Ein christliches Hochfest ist vorüber, das irgendwie so gar nicht mit „Brausen und Getöse“ (Apg 2) daherkam. Pfingsten – was gibt es da zu feiern?

Die Kirche hat an diesem Tag Geburtstag. Anlass zur „Pfingstparty“ um das Jahr 30 nach Christi Geburt war der Heilige Geist, der auf die Jünger Jesu in Jerusalem herabkam. Das ist für viele Zeitgenossen wahrscheinlich nun doch eine kräftige Spur zu spirituell. Zumal in einer Welt, in der der Mensch oftmals auf seine Materie reduziert wird. Der Geist – lediglich ein Relikt aus frommen Zeiten. Unser Handeln – nur Folge von synaptischen Schaltungen in unserem Gehirn, wie Skeptiker behaupten. Eine „Neurodämmerung“ zieht herauf, die allerdings- so glaube ich – zu geistiger Umnachtung führt.

Denn ich bin überzeugt: Es gibt diesen kraftvollen Geist. Einen Geist, den die Bibel in dem Bild der „Zungen wie von Feuer“ (Apg 2,3) umschreibt. In den Jüngern brennt etwas. Hell wie Feuer.

Wenn ich in unserer Zeit an „beGEISTerte“ Menschen denke, dann fällt mir zum Beispiel Nelson Mandela ein. Jener südafrikanische Friedensnobelpreisträger, der sich unermüdlich für eine gerechtere Gesellschaft und das Ende der Apartheid eingesetzt hat. Und 27 Jahre lang dafür hinter Gittern saß. Mandela sagte einmal: „ Die Güte des Menschen ist eine Flamme, die zwar versteckt, aber nicht ausgelöscht werden kann. Wir sind alle bestimmt, zu leuchten […] Wir sind geboren worden, um den Glanz Gottes, der in uns ist, zu manifestieren.“ Diese Überzeugung war Mandelas „Manna“ – daraus lebte er Tag für Tag. Eine starke Hoffnung trotz aussichtsloser Haft.

Dabei könnten wir es ehrfurchtsvoll belassen. Doch dann hätten wir Mandela nicht verstanden. Er sprach davon, dass wir alle diese Flamme in uns tragen. Deshalb will ich Pfingst-Pfade suchen, wo man sie auf den ersten Blick vielleicht gar nicht vermutet. Denn: „Der Geist weht, wo er will“ (Joh 3,8).

Ich werde fündig: Im Kindergarten, wo Mahmud und Markus sich ohne Vorbehalte und über Sprachbarrieren hinweg zum Spielen verabreden. Und dabei Deutschland nicht abschaffen, sondern aufbauen. In der Firmgruppe, die einmal in der Woche einsame Menschen im Altenheim besucht. Und damit ein kleines Licht der Wärme weitergibt, das vom inneren Feuer entfacht wurde. Und in dem „geist-reichen“ Geschenk meiner Freunde, die mir eine Freude machen wollten, als sie mich zu einem Wiedersehen in meinem spanischen Lieblingsrestaurant einluden. Zu feuriger Flamenco-Musik spüre ich auch etwas vom Feuer der Freundschaft, die es nur da geben kann, wo es auch einen Geist gibt. Wo wir Person sind – und nicht nur Funktion.

Aber manchmal braucht es eben auch das Geschenk von Gottes gutem Geist, damit ich diese kleinen Pfingstwunder überhaupt erkennen kann. Und dann ist Pfingsten eben doch mehr als ein freier Brückentag. Pfingsten als Brücke zwischen Himmel und Erde – mitten im Alltag.

Christopher Hoffmann

Christopher Hoffmann ist Pastoralreferent im Rheinland. In seiner Freizeit macht er gerne Musik in einer Band und im Bonner Jazzchor. Neben musikalischen Manna-Momenten sucht er besonders auch in der Begegnung mit Menschen nach Gottes Spuren in unserer Welt.

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