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Glaube - Leben - Popkultur

“Neues vom Leben an sich”

Wir sitzen in einem Kleinkunsttheater im schwäbischen Esslingen und warten auf den Beginn des Kabaretts von Fabian Schwarz. Bisher kenne ich den Protagonisten des Abends nur aus meiner Gemeinde, wo wir zusammen Jugendliche auf dem Weg zur Firmung begleiten. Als ich von seinem Kabarettprogramm mit dem Titel „Neues vom Leben an sich“ hörte, wurde ich neugierig. Fabians erster Satz auf der Bühne überrascht mich allerdings sehr. „Ich bin Katholik“, sagt der Student selbstbewusst, er wolle das gleich mal klarstellen. Es folgt allerdings keine Predigt oder Volksmission, sondern Kabarett, das augenzwinkernd auf die kleinen und großen Fragen des Lebens blickt. Eine kleine Kritik der (allzu platten) Kirchenkritik gibt es dabei ebenso wie ein herrliches Stück über die tragende Rolle der Frauen in der Geschichte des Christentums. Dabei ist Religion keineswegs das Hauptthema des Programms. Ein guter Schuss politisches Tagesgeschäft und kleine Alltagsepisoden sind der Plot an dem Fabian sich mit dem jedem gutem Kabarett eigenen nachdenklich-philosophischen Blick durch die Analyse unseres Lebens hangelt.

Als ich einige Tage später in der schönsten Gasse Tübingens mit Fabian in der Sonne sitze, gesteht er, dass das Statement vom Anfang des Programms vor allem als Eisbrecher dienen soll. „In der Regel hat man dann schon mal ein paar Lacher auf seiner Seite.“ Ich frage ihn, woher seine Leidenschaft für das Kabarett eigentlich kommt. „Ich habe schon immer gern Theater gespielt, als Kind auch Märchen im heimischen Wohnzimmer, mit mir in den tragenden Rollen“. Sein jetziges Programm versteht er als eine Mischung aus Kabarett und Comedy, wobei die eher nachdenklichen und tiefgründigeren Stücke den Klamauk deutlich überwiegen. Ich finde es ungewöhnlich, dass ein Künstler den eigenen Glauben so offen und unverkrampft ins Spiel bringt. Vielleicht erlebe ich aber einfach insgesamt zu wenig Menschen, die so sympathisch über Religion, Glaube und Kirche sprechen können ohne gleich wahlweise zu jammern, zu missionieren oder alles Moderne zu verurteilen. Fabian will sein Programm jedoch auch nicht missverstanden wissen. „Ich habe ja auf der Bühne nicht das Ziel die Leute in die Kirche zu ziehen. Aber mein Glaube ist wie vieles andere Teil meines Programms, weil es einfach meiner Lebensrealität entspricht“.

Nicht alle haben Verständnis für seine Verbindung von Glaube und Humor. Das Duo Besenreim, dessen eine Hälfte Fabian ist, sang ein Lied, in dem Gott sich bei den Menschen für die Sintflut entschuldigte. Es sei doch nur lieb gemeint gewesen, meinte der Schöpfer darin. Ein Besucher des Auftritts fand das weniger lustig und bekannte, dass er über Witze über Gott nicht lachen könne. Fabian nimmt es gelassen: „Wenn jemand Witze über sich aushalten kann, dann doch wohl Gott. Ich kann mir jedenfalls keinen Gott vorstellen, der dadurch irgendwie eingeknickt oder beleidigt wäre.“ Warum fühlen sich trotzdem viele Gläubige schnell in ihren religiösen Gefühlen verletzt? Warum denken viele religiös Distanzierte, in der Kirche dürfe nicht gelacht werden? Zeichen gegenseitigen Unverständnisses? „Viele Menschen denken, dass Religion eine bierernste Sache ist. Deswegen finde ich es gut, dass die Leute im Publikum auch wissen, das ist ein gläubiger Mann und der kann trotzdem mit Humor über seinen Glauben reden. Die müssen deshalb ja nicht gläubig werden, aber ich hoffe schon, dass das zu einer gewissen Toleranz beiträgt“. Eine solche Offenheit wünscht sich Fabian aber auch von seiner eigenen Kirche. Auf der Bühne sagt er augenzwinkernd: „Hoffentlich kommen nicht nur die Katholiken in den Himmel“. Ja, hoffentlich.

 

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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