Pages Navigation Menu

Glaube - Leben - Popkultur

zweifelsfrei-fußballGOTT

Foto: Dirk Baltes

Nach 5 Tagen Fuballwallfahrt „Von Fußball, Tempeln und dem fußballGOTT“ stehe ich heute am 32. Spieltag vor dem Dortmunder Fußballtempel. In meinen Gedanken taucht das Bild einer Ausgabe der Stadionzeitschrift des BVB auf. Zu sehen ist der Signal Iduna Park und in einem blauen Punkt steht: „Auch Dortmund hat einen Wallfahrtsort.“ Diesen Wallfahrtsort betrete ich am 30. April 2011 gegen 14.30 Uhr. Um das Stadion herum: Menschenmengen. Dortmund hätte für dieses Spiel mehr als 400.000 Karten verkaufen können. Lediglich 80.720 Zuschauer passen in die größte Fußballarena Deutschlands. Meine Spannung steigt und mit ihr die Vorfreude.

Tribüne Südost, Block 89, Reihe 42, Platz 20 – mit bester Sicht auf die Südtribüne, die sogenannte „gelbe Wand“. Auf diese „Wand“ möchte ich als Spieler nur ungern zulaufen!

Mittlerweile, kurz vor 15 Uhr füllt sich das Stadion und Fangesänge hallen durch die Arena und sorgen für Stimmung. Unglaublich, als ob ein unsichtbarer Dirigent die Einsätze gibt. Ich und die Truppe der WallfahrerInnen sind begeistert, ganz gleich, ob sie Fans von Dortmund sind oder ihr Herz an diesem Spieltag für einen anderen Verein schlägt.

15.15 Uhr. Der Dortmunder “Fußballtempel” ist voll – ausverkauft. Plötzlich und unerwartet donnern die ersten Töne der Fußballhymne „You’ll never walk alone“ durch die Stadionlautsprecher. Alle erheben sich, auch ich! Das was jetzt passiert habe ich so bisher nur in Videos auf Youtube gesehen. Ich schaue ein letztes Mal durch das Rund, schließe die Augen. Gänsehaut, Tränen, der innere Gefühlsvulkan bricht aus. Von der Musik aus den Lautsprechern ist bald nichts mehr zu hören. 80.720 Zuschauer singen und lassen das Stadion für mich zu einem Meer der Gefühle werden. „You’ll never walk alone“! In meinen Gedanken entsteht direkt das Bild der Emmausgeschichte, die uns WallfahrerInnen in der Woche schon einmal begegnet ist. „Du wirst nicht alleine gehen“-ein Gefühl von Gemeinschaft, von einem gemeinsamen Ziel, bedingungsloser Einsatz, ganz gleich, wie es um dich oder im Spiel steht!

Ich frage mich: warum mein Gefühlsleben gerade jetzt, gerade hier im Fußballstadion, bei diesem Lied Kopf steht? Vielleicht, weil die ganze Wallfahrtswoche mit Emotionen gefüllt gewesen ist und nun das Gefühlsfenster durch diesen Sturm der Emotionen geöffnet wurde? Oder ist es doch etwas anderes? Etwas, was schon länger tiefer in mir verborgen gärt? Ein vier Minuten langer innerer Film beginnt abzulaufen. Inhalt: Momente meines Glaubenslebens! Inspiriert durch den Liedtext und die Atmosphäre. Ich sehe Nähe, Geborgenheit und Hoffnung. Aber auch Zweifel, Gottferne und Hoffnungslosigkeit. Ein ständiges Hin und Her, oftmals als Last empfunden und in besonders schweren Momenten an Verzweiflung grenzend. Die Textzeilen des Liedes lassen in mir eine Ahnung aufsteigen. Ein Gefühl, dass gerade dieses Hin und Her, diese scheinbar negativen, gottfernen Momente des Zweifelns mein „Glaubensleben“ eigentlich erst am Leben halten und mich weiter suchen lassen nach diesem Gott, der sich mir auch manchmal entzieht und nicht greifbar oder gar sichtbar oder beweisbar oder … ist. Mit dieser Ahnung kommt ein zweiter Gedanke: die Suche nach Gott wird immer (mehr) eine Suche nach Gottes Abbildern, den Menschen in der Welt. Den Menschen in meinem Tun, in meiner Arbeit, meinem Glaubensleben. Und diesem Menschen auf die Spur zu kommen.

Foto: Dirk Baltes

Das Lied endet in einem tosenden Applaus der Zuschauer. Aus meinen Gedanken gerissen öffne ich die Augen. Ich spüre Zufriedenheit. Ein gutes Gefühl. Und in mir die Hoffnung, dass mein weiteres Glaubensleben immer wieder von Stürmen und Zweifeln angefeuert und wachgehalten wird: Gott und den Menschen weiter auf der Spur sein zu dürfen.

Ein zweiter Wunsch ist mit dem erlebten Moment im Stadion verbunden: die Möglichkeit Menschen an dieser Erfahrung – und sei es im Fußballstadion, bei einem Rockevent oder sonstwo – teilhaben zu lassen und damit meiner Hoffnung mehr und mehr Nahrung zu geben, die Kraft der frohen Botschaft erfahrbar und spürbar werden zu lassen: bei all den Stürmen, all der Dunkelheit, all der Hoffnungslosigkeit, wie sie im Songtext von “You’ll never walk alone” vorkommt.

Wenn du durch einen Sturm gehst

Geh erhobenen Hauptes

Und habe keine Angst vor der Dunkelheit

Am Ende des Sturms

Gibt es einen goldenen Himmel

Und das süße, silberhelle Lied einer Lerche

Geh weiter, durch den WindGeh weiter, durch den Regen

Auch wenn sich alle Deine Träume in Luft auflösen

Geh weiter, geh weiter, mit Hoffnung in deinem Herzen

Und du wirst niemals alleine gehen

Du wirst niemals alleine gehen

Geh weiter, geh weiter, mit Hoffnung in deinem Herzen

Und du wirst niemals alleine gehen

Du wirst niemals alleine gehen

Das Spiel endete übrigens 2:0 für den BVB und die Mannschaft mit den Fans feierte die Deutsche Fußballmeisterschaft. Für viele im Stadion unglaublich – aber wahr.

 

Dirk Baltes ist Pastoralreferent und Jugendseelsorger im Dekanat Kirchen des Bistums Trier. Er war Initiator einer Fußballwallfahrt, bei der Jugendliche in der Osterwoche der Verbindung von Glaube und Fußball im Ruhrgebiet nachgingen.

 

 

 

 

 

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>