Pages Navigation Menu

Glaube - Leben - Popkultur

…und noch ein Erziehungsratgeber!?!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© GordonGrand – Fotolia.com

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Spider-Man und Winnetou am Idar-Kopf (Jörg)

„Kleine Sünden straft der liebe Gott sofort!“, so meine Mutter 1984. Klein Jörg hatte wieder etwas ausgefressen. Nichts großes, nur eine Kleinigkeit, wie unerlaubterweise vor dem Essen am Nutella Glas genascht und sich dann den kleinen Zeh schmerzhaft an einer Kante gestoßen. Mutter hatte beides beobachtet und dann diesen Klassiker losgelassen. Nun, das sollten meine Kinder mal nicht zu hören bekommen. Tja, was hat mich in meiner Kindheit noch geprägt? Mein Hunsrücker Heimatdorf Stipshausen  beherbergt rund 1000 Einheimische, gut die Hälfte ist evangelisch, heißt also ich wurde in der katholischen Diaspora groß. Dennoch christlich sozialisiert sah ich Gotteshäuser nur zu Festzeiten von innen. Was aber nicht heißt, dass mein Elternhaus nicht auf Werte geachtet hätte. Handeln war angesagt. Und da gab es die Helden der Kindheit. Namentlich Spider-Man und Winnetou. Beide wurden in meiner Welt von Playmobil lebendig und kämpften stets für Gerechtigkeit und Weltfrieden. So wurde ich zu einem „anonymen Christen“ im übertragenen Sinne. Später führte mich mein Einsatz für die gute Sache erst ins Altenheim und zum Rettungsdienst, als Missionar auf Zeit nach Süd-Afrika und schließlich in einen Missionsorden. Die Anonymität war abgelegt.

„Guten Abend, gut‘ Nacht, von Englein bewacht“ und „Mutter Maria, mit Dir will ich gehn“ (Sabrina)

Seit meine Schwester und ich in das Alter kamen, in dem man anfängt, Dinge auswendig zu lernen, weil wir noch nicht lesen und schreiben konnten, haben wir auch automatisch Gebete auswendig gelernt, die ich heute teilweise noch aufsagen kann. Vor allem, wenn unsere Oma uns zu Bett brachte, wenn unsere Eltern mal aus waren, haben wir fleißig das Nachtgebet, das Oma uns Satz für Satz vorgesprochen hatte, nachgesagt, so lange, bis wir es konnten. Eine ganze Zeit lang haben wir jedes Jahr im Mai ebenfalls mit Oma einen Maialtar direkt im Wohnzimmer neben dem Fernseher aufgebaut, ihn mit bunten Blumen geschmückt und dabei natürlich auch Mariengebete gelernt und gesungen. Am Nikolaustag bekam der echte Nikolaus sein Gebet vorgesprochen, die Verwechslung mit dem Weihnachtsmann und was der eigentlich am selben Tag bei den Kindern zu suchen hatte, verwirrte mich erst viel später. Zur Schulzeit hatte ich durch die Bekanntschaft mit einem uns befreundeten Pater stets jede Menge Gebete, Lieder und Devotionalien zur Hand und mit ihm bin ich als Jugendliche zweimal nach Lourdes gepilgert, wovon ich heute noch so viel erzählen kann. Ach ja und Jesus natürlich hing lange Jahre als Poster im (kitschigen) Nazarener-Stil über meiner Couch; der musste erst Ende letzten Jahres seinen Platz räumen, weil er mit in unsere neue Wohnung umgezogen ist. So what, alles selbstverständlich, oder!?!

Sonntags im Gottesdienst (Sabrina und Jörg)

„Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein …“ Heute haben wir auch unseren Kleinsten mit in die Kirche genommen. Jetzt wird er doch langsam zu unruhig. Er sitzt ja schon auf meinem Schoß, damit ich ihn vielleicht doch noch bis zum Schlusslied irgendwie bei Laune halten kann. Mit unserem Größeren bin ich ja öfter hier und das klappt gut. Die anderen Kirchbesucher loben ihn auch schwer, wie brav er heut wieder in der Kirche war. Ich versuche immer, selber während des Gottesdienstes ganz bei der Sache zu sein, damit er merkt, dass die anderen und wir hier sind, um still zu sein und zu beten und nicht, um uns die Statuen des Hochaltars mal genauer zu betrachten. Aber jetzt zieht sich unser Kleinster immer mehr am Huthaken nach vorne und meckert, wenn ich ihn zurückhalte. Ich glaube, nach dem Vater Unser müssen wir beide für heute doch unseren Kirchgang frühzeitiger beenden und rausgehen.

„Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein …“ Früher habe ich in dem Moment die Augen geschlossen und die Hände geöffnet, um zu empfangen. Heute halte ich einen der Jungs auf dem Arm und habe ihn im Blick. Mein Arm wird schwer, die Konzentration oder die Besinnung hat’s nicht leicht. Hmh, manchmal, wenn die Jungs unruhig werden, werde ich es auch. Und innerlich verfluche ich mal wieder die „Pseudo Kindergottesdienste“, die der liturgischen Form gerecht werden, den Kindern und Eltern aber nicht. Warum dennoch zum Gottesdienst hetzen und direkt in die erste Bank, damit die Zwei alles sehen? Weil es mein und unser Fundament darstellt. Das verkörpert, was uns trägt und der menschlichen Anstrengung nach Sicherheit seinen letzten und beruhigenden Halt gibt. Blitzt so ein Gedanke im Kopf auf, weicht die Unruhe. Gibt’s dann noch einen Emotionsgassenhauer, einen aufmerksamen Moment in Predigt oder Wort Gottes, der dazu noch belohnt wird, die Kleinen sind vergnügt am Glucksen, ja dann gehe ich gerne zum Gottesdienst.

Blutende Knie und Kinderlachen – und DU mittendrin (Sabrina und Jörg)

Obwohl wir in der Straße des Heiligen Remigius und dazu noch in einem Pfarrhaus wohnen, stellen wir uns schon die Frage: Wo, wie und wann taucht Gott in unserer Erziehung auf? Ausdrücklich angesprochen wird er in unseren Tisch- und Nachtgebeten, in den Geschichten der Kinderbibel und während der Besuche der Gottesdienste. Dadurch, dass wir selbst Kinder haben, wissen wir es zu schätzen, dass er da ist, wenn’s mal wirklich ernst wird und wir am Krankenbett wachen mussten. Aber auch das Gegenteil ist der Fall: Schon oft konnten wir die Freude mit den Beiden an ihn dankbar weiterrichten. Wir haben ihn beide je unterschiedlich in unserem eigenen Elternhaus erfahren und jeder von uns pflegt seinen eigenen Draht zu ihm. Die eigenen gemachten Erfahrungen bestärken den gemeinsamen Wunsch, unseren Kindern mehr von ihm zu erzählen, was uns trägt und auf welchen der vielen Erziehungsratgeber wir uns in erster Linie verlassen. Kurzum: Wir wünschen ihnen, dass sie ihre eigenen Erfahrungen mit Gott machen.

 

Sabrina Koch ist gebürtige Saarländerin. Jörg Koch stammt aus dem Hunsrück. Mit ihren beiden Söhnen (3 und 1) leben  sie mittlerweile in der Eifel und erfüllen ein altes Pfarrhaus mit neuem Leben.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>