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Glaube - Leben - Popkultur

Warum? – Darum!

Gerd Altmann / pixelio.de

Nach langen Lerneinheiten am Schreibtisch und dem Auseinandersetzen mit mehr oder weniger interessanten Stoffen gelange ich das ein oder andere mal an meine Grenzen. Konnte der Nervenzusammenbruch gerade nochmal abgewendet werden, so geriet ich durchaus auch ins Grübeln warum man sich Tag für Tag hinsetzt und lernt. Dabei fiel mir eine Antwort, das Totschlag-Argument an sich, ein, die ich von einem Lehrer auf die Frage erhalten habe: Warum lerne ich das – Darum!

Ebenso erinnere ich mich zurück an die Gretchenfrage im Kinderzimmer: Warum muss ich aufräumen, wird doch eh wieder dreckig? – Darum!

Mal abgesehen davon, dass ich in gewissen mathematischen Bereichen und zur Sauberkeit meines Zimmers Einsicht in den verborgenen Sinn dahinter bekam, war die rechtfertigende Antwort “Darum” doch eher weniger zufriedenstellend.

Wie ich bei meinem Lernen öfters lesen musste ist die heutige Welt nicht religionslos. Weder ältere Generationen noch die Jugend ist ein ungläubiges Sammelsurium von Atheisten und trotzdem tut sich die Mehrheit schwer sich zu ihrem Glauben, gerade auch zum christlichen, zu bekennen oder mit dem was in manchen Bereichen als Glaubensinhalt vorausgesetzt ist, wie etwa das Leben nach dem Tod. Viele ziehen die Vorstellung von Wiedergeburt und Reinkarnationslehre der Einmaligkeit des Lebens und dem Glauben an eine Auferstehung vor. Im Fernsehen, in Serien, in Astro-Shows und bei Wahrsagern ist dies immer häufiger zu sehen und der Boom spricht für sich. Wenn man diese Leute fragt, warum sie daran glauben, ist das faszinierende, das ein “Darum” ausreicht – sollte es überhaupt in Frage gestellt werden. Die Logik im System ist einleuchtend, ist akzeptiert, es ist einfach.

Mir kommt es oftmals so vor, als müsse man sich, glaubt man an Gott, an Jesus, an Auferstehung, an eine Sache, die vielleicht etwas komplizierter ist, die nicht in zwei, drei Sätzen erklärt ist,mehr rechtfertigen als bei einem Glauben an Seelenwanderung. Ein “Darum” ist nicht ausreichend. Doch dies betrifft nicht unbedingt nur gewisse Glaubensartikel und Glaubensinhalte die in der Diskussion stehen. Der christliche Glaube selbst ist anscheinend nicht mehr so frei ausübbar, ohne dass sich darüber gewundert wird. Dabei meine ich nicht Events wie den Weltjugendtag, wo es als gegeben hingenommen wird, dass der Glaube unter anderem tragendes Moment ist. Ich erinnere mich zurück an einfache Dinge wie beim Fußball. Wenn Mesut Özil oder Franck Ribery als bekennende Muslime vor dem Spiel beten ist das alles kein Problem – DARUM! Als Lewis Holtby, ein junger deutscher Nationalspieler sich bekreuzigt, wird in verschiedenen Medien darüber berichtet, teilweise wird es angeprangert, dass das doch auf dem Fußballplatz nichts zu suchen hat – WARUM!

Ich habe, wie schon erwähnt, viel über die Zweifler und “Nicht-bekenner” gelesen, ich habe in Prüfungen über sie gesprochen, sie als Problemfall geschildert. Man muss drauf achten, dass die “Nichtbekenner” nicht zu “Komplettverweigerern” werden. Wie gelingt sowas? Vielleicht muss die Gesellschaft weniger nachfragen – weniger warum! Gleichzeitig muss man sich als Christ, so meine Auffassung, nicht für alles rechtfertigen, man kann auch mal einfach ein wenig, ja gewissermaßen stolz sein – mehr darum!

Ich habe gemerkt, dass die Antwort meiner Mutter im Kinderzimmer einerseits dazu führte, dass es aufgeräumt war und ich mich dann irgendwie wohler gefühlt hab (auch wenn es vielleicht wieder dreckig wurde :-) ). Das “Darum” hat seinen Zweck in seiner Kürze und seiner fehlenden Begründung erreicht. Für mich ist klar, dass kann auch beim Glauben funktionieren – deshalb langt manchmal einfach auf die Frage: “Warum glaubst du an Gott?” – ein gestärktes “Darum!”

Manuel Rawer

Manuel Rawer ist Religionslehrer an der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues. Trotz eines Leben als bekennender Serienjunkie und Sport-TV-Anhänger, versucht er möglichst viel in der ganzen Welt herumzukommen und Manna-Momente zu erleben!

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