Pages Navigation Menu

Glaube - Leben - Popkultur

Aufschlag für Ruanda!


Entwicklungshilfe aus dem Hunsrück: Pascal Kronenberger aus Perscheid hat seinen Lieblingssport im afrikanischen Ruanda etabliert. MANNA-Redakteur Christopher Hoffmann sprach mit dem jungen Mann von den rheinland-pfälzischen Rheinhöhen, der auszog, um die Welt mit einem Tischtennisschläger zu verändern…

MANNA: Deutsche Teenager beschäftigen sich in ihrer Pubertät in der Regel vor allem mit ihrer eigenen Selbstfindung. Pascal, du bist mit 15 Jahren nach Ruanda gegangen, um dort Menschen nach einem verheerenden Bürgerkrieg zu helfen, damit sie wieder zueinander finden. Wie kam es dazu?

Kronenberger: Meine Großeltern haben mir das vorgelebt. Sie sind seit 1992 einmal jährlich nach Ruanda geflogen. Bewegt von der Armut vor Ort initiierten sie zahlreiche Projekte: Sie bauten unter anderem Kindergärten und Berufsschulen, errichteten eine Solarkocherwerkstatt. Nach dem blutigen Bürgerkrieg 1994 halfen sie den Menschen am Existenzminimum mit einem Ersatzeinkommen: Witwen oder Familien, die Waisen aufnahmen, erhielten eine Ziege.

Sie erzählten mir viel von ihren Reisen und zeigten Bilder vom schwarzen Kontinent. Mit 15 Jahren war Afrika für mich ein exotisches Abenteuer.

MANNA: Nun sind Nahrung  und Bildung ja klassische Formen der Entwicklungszusammenarbeit. In deinem Gepäck waren jedoch nicht Brot oder Bücher, sondern Tischtennisschläger…

Ich habe mich damals gefragt: Was kann ich als deutscher Schüler ohne Eigenverdienst beitragen – was sind meine Talente? Als leidenschaftlicher Tischtennisspieler der DJK Oberwesel kam ich auf die Idee: Ich schaffe ein neues Sportangebot in der Kirchengemeinde von Nzuki im Westen des Landes. Hier hatten auch meine Großeltern geholfen.

Sport verbindet Menschen – und das über Geschlechter und Generationengrenzen hinweg. Und so versammelten sich auch  Hutu und Tutsi „an einem Tisch“, jene beiden Stämme, die sich im Bürgerkrieg aufs Brutalste bekämpft hatten.

MANNA: Ein Tischtennisnetz als Netz der Versöhnung?

Das gegenseitige Misstrauen saß auch lange nach dem blutigen Bürgerkrieg noch tief. Nachbarn, Freunde, ja sogar Familien hatten einander ausgeliefert, verraten, ermordet. Tischtennis ist ein Anlass, sich auf einer sportlich fairen Art zu begegnen – und so eben manchmal auch zu versöhnen.

MANNA: Wie haben die Menschen in Ruanda auf den bis dato größtenteils unbekannten Sport reagiert?

Sie haben sich über die neue Freizeitbeschäftigung  gefreut.  Die Kinder bauen ihr Spielzeug sonst aus Bananenblättern, weil es kaum etwas anderes gibt. Da ist Ping-Pong ein Event!

Und mein Heimatclub in Oberwesel sowie viele andere Sportler und Vereine haben mich mit Equipment unterstützt. Alte Platten oder Schläger fanden so eine neue Bestimmung.

MANNA:  Pascal, du bist gerade auf dem Weg der Ausbildung  zum katholischen Gemeindereferenten in  Gillenfeld (Vulkaneifel) eingesetzt.  In afrikanischen Pfarreien hast du Tischtenniskurse gegeben. Wie hast du Kirche in Ruanda erlebt?

Die Kirche in Ruanda ist jung. Die Gottesdienste dynamisch. Die Liturgie wird gelebt. In Tänzen und mit Trommelrhythmen wird die Frohe Botschaft spürbar. Und nicht zuletzt gilt nach der schmerzhaften Geschichte des Landes umso dringlicher die Botschaft der christlichen Versöhnung. Aus ihrem Glauben schöpfen die Menschen Kraft. Mich hat begeistert, wie lebensfroh und gastfreundlich die Ruander sind, trotz ihrer Armut.

MANNA: Aber du hast dich nicht nur in das Land verliebt…

…sondern auch in meine Verlobte. Bald läuten in Perscheid und Kigali die Hochzeitsglocken. Dann geht die deutsch-ruandische Partnerschaft in die nächste Runde.

 

Pascal Kronenberger (24) studierte Praktische Theologie in Mainz. Mit seiner Uni-Stadt teilt er auch die Liebe zur Fastnacht. Neben Büttenreden steht er auf Beats der 80er-Jahre. Am besten entspannen kann er bei einer Kanutour auf der Mosel.

 

Als ehemaliger Landesjugendvertreter des Partnerschaftsvereins von Rheinland-Pfalz und Ruanda engagiert sich Pascal Kronenberger auch weiterhin für den Austausch zwischen jungen Afrikanern und Europäern. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

 

Christopher Hoffmann

Christopher Hoffmann ist Pastoralreferent im Rheinland. In seiner Freizeit macht er gerne Musik in einer Band und im Bonner Jazzchor. Neben musikalischen Manna-Momenten sucht er besonders auch in der Begegnung mit Menschen nach Gottes Spuren in unserer Welt.

3 Kommentare

  1. Lieber Cristobal,

    bauen – feiern – fragen – staunen! Das gefällt mir gut… ein schönes Wochenende hier aus Trier

    SCHALOM

    Michael

  2. Mwaramutse?amakuru.I am rwandese and I want to know about this newpaper.

    Best regars

    Agathe

  3. Das ist mein alter reli lehrer!!

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>