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Glaube - Leben - Popkultur

Flashmob mit Martin

Zwei Back-to-Back Feiertage stehen an. Noch immer feiern die beiden großen Kirchen in Deutschland jede für sich “ihren” Feiertag. Die Protestanten Reformationstag, die Katholiken Allerheiligen. Was gibt es da eigentlich für Vorbehalte? Und welche Erfahrungen werden mit diesen Festen verbunden. Die Manna-Autoren Christian und Steve haben sich gegenseitig dazu befragt. Heute der erste Teil: Reformationstag.

Von Christian Schröder:

Lieber Steve,

heute werden an vielen Stellen in Deutschland „Segensflieger“ losgeschickt, die flashmobartig Bibelworte, Glaubenszeugnisse, Segenssprüche unters Volk bringen wollen. Du selbst beteiligst dich an der Aktion in Bonn. Ich finde die Idee originell, aber zu meinem bisherigen Bild des Festes, das den Anlass dafür bietet, passt sie nicht wirklich. Der Reformationstag wirkt auf mich meistens wie eine bürgerlich-biedere Angelegenheit. Eine intellektuelle, geschmeidige Predigt, ausgezeichnete Kirchenmusik (falls man Bach-Kantaten mag) – aber wenig inspirierend.Die Reformation war ganz gewiss eine bedeutende Epoche der europäischen Geschichte. Wenn Martin Luther aber eben kein Heiliger ist, sondern „nur“ eine bedeutende historische Persönlichkeit – warum sollten wir ihm mehr gedenken, als den vielen anderen Menschen, die unsere Welt, wie sie heute ist, beeinflusst haben? Für Menschen, die es vollkommen normal finden, sich in ihrem Glauben nicht bevormunden zu lassen, dürfte Luthers reformatorische Einsicht nicht gerade erschütternd sein. Nicht zuletzt hat der Reformationstag für mich als Katholiken immer auch etwas Ausschließendes: Wir, die Guten – ihr, die Bösen. In vielen Reformationsliedern bleibt ja bewusst offen, ob da gerade der Teufel oder die Katholiken gemeint sind. Einer unserer gemeinsamen Freunde sagte mir einmal: „Bevor das mit der Ökumene was wird, müsst ihr erst mal den alten Mann in Rom abschaffen“. Dieser „alte Mann“ hat Luther erst vor kurzem als „leidenschaftlichen Gottsucher“ bezeichnet. Wir beiden hätten uns in Erfurt vielleicht eine größere Geste gewünscht. Aber als leidenschaftlicher Gottsucher kann der Professor aus Wittenberg für alle, die heute auf der Suche sind, durchaus inspirierend sein. Egal ob evangelisch oder katholisch – oder noch unentschlossen.

Viele Grüße,

Christian

 

 

 

Von Steve Henkel:

Lieber Christian,

ich muss dir zunächst einmal recht geben. Der Evangelische Gottesdienst ist sicher oft überintellektualisiert – manchmal mehr Vortrag als Feier – wie du sagst „wenig inspirierend“. Gerade deshalb finde ich es so wichtig, dass dieses Jahr Protestanten überall in Deutschland sich an den Luther-Flashmobs beteiligen wollen, denn ich glaube unsere Botschaft ist immer noch aktuell und gehört unter die Leute, allemal mehr als „Halloween“. Luther hat die Texte seiner Lieder auf Melodien beliebter Volksleider gedichtet damit sie bei den Menschen ankommen und würde er heute leben, so würde er auch sicher mit uns flashmobben.
Für uns ist Luther kein „Heiliger“ und dennoch ist er es wert, dass wir uns in besonderer Weise an ihn erinnern, an seine Taten, seine Theologie, aber ganz besonders auch an seine Haltung. Luther sagt auf dem Reichstag in Worms als der Kaiser in zwingen will seine Thesen zurück zu nehmen, „Ich werde nicht widerrufen. Ich stehe hier und kann nicht anders. Gott helfe mir!“ Das ist die „Entdeckung“ des eigenen Gewissens, der Schritt zur Moderne und zum eigenen Denken. Es zählt nicht mehr sich auf Autoritäten zu berufen, ich muss selber denken, selber glauben und dafür einstehen. Das ist auch der Grund warum wir uns mit dem „alten Mann in Rom“ so schwer tun. Jemand der für mich entscheidet was im Glauben richtig und falsch ist, das kann ich mir als Protestant nicht vorstellen. Steve Henkel, Foto: privatAber die Frage ist, muss ich das denn für ein gutes Verhältnis mit Katholiken? Der Papst konnte in Luther einen „leidenschaftlichen Gottesucher“ sehen. Als Protestanten können wir vielleicht von Katholiken lernen wie wir unsere Gottesdienste liebevoller gestalten, und viele andere Wege können wir auch zusammen gehen, oder lernen zusammen zu gehen. Meine Hoffnung ist, dass ein in vielen Punkten geteilter Weg uns irgendwann auch gemeinsam zum Abendmahlstisch führt und wir danach gemeinsam singen können: „Ein feste Burg ist unser Gott“

Herzliche Grüße,

Steve

 

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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  1. And the Oscar goes to... | Manna - [...] für Vorbehalte? Und welche Erfahrungen werden mit diesen Festen verbunden. Gestern schrieben sie hier zum Reformationstag. Heute tauschen sie …

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