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Oh Johnny – Jan Delays kategorischer Imperativ !?

Discobeat – eingehende Melodie – näselnde Stimme – cooler Song! Das sind die ersten Eindrücke die einem bei Jan Delay und seinem Song Oh Johnny einfallen.

Moralischer Wegweiser – Sozialkritik – Vorbildfunktion! Das sind Eindrücke die einem bei dem Song beim zweiten, dritten vierten Hören einfallen können! Wirklich?

Worum gehts? Knapp zusammengefasst wird Johnny immer wieder gefragt ob er ein Gewissen habe oder nicht. In den Strophen werden mehr oder weniger verwerfliche Dinge aufgezählt, die Johnny nicht tun sollte, da sie mit einem gutem Gewissen nicht vereinbar sind. Insgesamt ist das Lied im ironischen Ton verfasst und “erlaubt” Johnny all die schlechten Dinge, wenn er eben dabei keine Gewissenbisse hat.

Durchaus kommt das Lied erstmal als Ohrwurm daher und deutet zunächst nicht daraufhin was Jan Delay womöglich vermitteln möchte. So bewirkt seine näselnde Stimme, die als Markenzeichen gilt, an vielen Stellen ein leichtes Verständnisproblem. Der Text kommt nur in Auszügen beim Hörer an und muss nicht zwingend den Gesamteindruck vermitteln, den der Text zur Grundlage hat. Doch schaut man sich diesen genauer an zeigen sich deutliche Aussagen mit denen Jan Delay moralische und gesellschaftskritische Werte und Normen anspricht.

Themen wie Umweltschutz (“Besitze keine Energiesparlampe”) oder  Tierschutz (“trag Pelz”, “quäl Tiere”) werden angerissen und es findet sich auch eine moderne Umsetzung der 10 Gebote im Text wieder – Du sollst nicht töten, du sollst Vater und Mutter ehren (“nenn meine Muddah eine miese Schlampe”) oder du sollst nicht stehlen (“klau Ideen”, “saug dieses Lied”) werden im durchgängig ironischen Ton dem Hörer nahe gebracht. Man soll sich Personen wie Gandhi oder Bono von U2 zum Vorbild nehmen und sich in der Gesellschaft sozial verhalten (“Sauftourn, Rumhurn, Prügelei”). Viele Dinge werden aufgelistet, in einigen findet sich sicherlich fasst jeder Hörer – für den der imaginäre Johnny steht – wieder und wird so zum Nachdenken angeregt.

“Handle nur nach derjenigen Maxime, von der du zugleich wollen kannst, dass sie allgemeines Gesetz werde.” – Kants kategorischer Imperativ gibt am deutlichsten wieder, was Jan Delay Johnny beibringen möchte. Es mag vielleicht etwas weit her geholt sein, diesen philosophischen Satz in die Musik hinein zu interpretieren, aber bei der Gesamtbetrachtung des Textes ist das wohl die beste Zusammenfassung.

Durch die Unverständlichkeit des Textes wird die Vermittlung von Moral und Gesellschaftskritik nicht bei Jedem Gehör finden, das ist bei Betrachtung der kommerziellen Seite auch nicht weiter schlimm – es gibt ja auch andere Songs die einfach “nur” schön sind ohne etwas vermitteln zu wollen. Nimmt man sich aber die Zeit und wirft einen Blick auf die Tiefe des Songs erkennt man die Intention des Künstlers neben dem kommerziellen Aspekt.

Gerade jüngere Menschen werden von der Art der Musik angesprochen – vielleicht werden auch unterschwellig die Werte vermittelt. Es ist zumindest zu hoffen. Alles in allem bleibt es ein cooler Song, der mehr zu sagen hat, als man vielleicht glauben mag.

Für ein gutes Textverständnis lohnt sich ein Reinhören in den Live-Auftritt bei Ina Müller: http://www.youtube.com/watch?v=hoW7_8Wb_8Q

 

Manuel Rawer

Manuel Rawer ist Religionslehrer an der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues. Trotz eines Leben als bekennender Serienjunkie und Sport-TV-Anhänger, versucht er möglichst viel in der ganzen Welt herumzukommen und Manna-Momente zu erleben!

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