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Glaube - Leben - Popkultur

Ts, ts… immer diese Liebesgeschichten

Wer kennt ihn nicht, DEN Liebesfilm der 90er Jahre: Und? Klar: Pretty Woman. Richard Gere alias Edward Lewis, erfolgreicher Geschäftsmann und Julia Roberts in der Rolle von Vivian Ward, dem wohl hübschesten Trottoirblümchen in der Kinogeschichte. Beide profitieren an der Geschäftsbeziehung, doch es entwickelt sich was. Gefühle tauchen auf. Vivian will mehr, als eine schicke Garderobe. Eines Tages stellt Edward folgende Frage: „Vivian, was willst Du eigentlich?“ Vivian: „Meine Mutter hat mich als Kind immer auf dem Dachboden eingeschlossen, wenn ich frech war. Und wenn ich da oben war, hab‘ ich gedacht, dass ich eine Prinzessin bin, die von einer bösen Königin im Turm gefangen gehalten wird. Und plötzlich kommt ein Ritter angaloppiert auf einem weißen Pferd mit wehenden Fahnen. Er reitet auf den Turm zu und zieht dann sein Schwert. Ich winke ihm zu. Er springt vom Pferd. Mein Ritter klettert den Turm nach oben – und rettet mich.“ Der Ausschnitt aus Pretty Woman umschreibt ziemlich genau, was bei Hollywoods Liebesfilmen der Dreh –und Angelpunkt ist: Es geht um Befreiung aus Gefangenschaft, Rettung aus sozial schwierigen Lebensverhältnissen, um die Flucht von einer „dunklen“ Macht– oder theologisch gesprochen – um Erlösung.

Erlösung in Liebesfilmen kommt romantisch und unglaublich daher. Im realen Leben braucht sie länger als 90 Minuten. In der Westeifel machten sich hunderte von Sternwallfahrern unter der Überschrift „Was weit auseinanderliegt, führt Christus zusammen“ im Rahmen einer Vorbereitung auf die Heilig Rockwallfahrt 2012 auf ihren eigenen Erlösungsweg. Zeichen für Ohnmacht und Scheitern, also ihrer Erlösungsbedürftigkeit, war eine Scherbe. Jeder Teilnehmer bekam seine auf dem Pilgerweg nach Prüm. Beim Eintritt in die Basilika wartete ein großer Rock aus Holz. Alle Wallfahrer konnten ihre Scherbe einlassen. Später wurde dieser Kunstrock zum Altar getragen und war Ausgangspunkt folgender Meditation:

Was weit auseinander liegt, führt Christus zusammen.

Traum und Realität, Freund und Feind, Kirche und Welt.

Jeder von uns hat seine Macken und Kanten, seine komischen Seiten und seine Kostbarkeiten.

Doch: Bei Christus kommen wir so an, wie wir sind.

Und: Er kommt zu uns.

Jesus Christus war viel unterwegs. Unterwegs zu uns. Und wahrscheinlich waren überall seine Sandalen mit dabei. Deshalb kann die Christusreliquie von den Sandalen Christi in Prüm als ein Zeichen für dieses Unterwegsein, für diese Bewegung auf uns zu verstanden werden. Als Menschen, die wir an Christus glauben, stehen wir in seiner Nachfolge. Wir treten in seine Fußstapfen.

(Jetzt wird ein Paar abgetragener Vans in der Mitte des Rocks mit Akkuschrauber befestigt)

Wir treten in seine Fußstapfen. Aber, wir bleiben in unseren Schuhen. Doch wenn wir in seinem Geist unterwegs sind, kann es passieren, dass wir plötzlich anfangen, neue Wege auszuprobieren.

Und: was weit auseinander liegt, wird zusammengeführt.

Traum und Realität, Freund und Feind, Kirche und Welt.

Nachfolge. In seine Fußstapfen mit unseren Schuhen. Nichts anderes als eine Liebesgeschichte, oder? Bei Vivian Ward geht der langgehegte Traum in Erfüllung. Der erfolgreiche Geschäftsmann Edward überwindet seine Begrenzung, wird erlöst und zum Retter. Happy End. Ah. Diese Liebesgeschichten. Schon was Feines.

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