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Glaube - Leben - Popkultur

Wo ist er denn?

© Tomy – Fotolia.com

An Weihnachten werden die Kirchen voll sein. Fällt den Menschen an diesem Fest der Zugang zum Glauben leichter als sonst? Roland Keiss begibt sich auf die Suche nach einem Gott, der viele Namen hat. Ein besonderer ist “Immanuel” was aus dem Hebräischen übersetzt so viel bedeutet wie “Gott ist mit uns.“

Ich erinnere mich an die Nachrichtenmeldungen über die vielen Frauen und Männer die sterben mussten, weil sie sich im Zuge des sogenannten „Arabischen Frühlings“ für ein besseres Leben in freier echter Demokratie, mit Zukunft und Perspektiven eingesetzt haben.Die Bilder von abgemagerten Kindern deren dünne schwarze Haut sich über jede einzelne ihrer Rippen spannte gehen mir bis zum heutigen Tag nicht aus dem Kopf. Ich habe gehört, dass bis zum äußersten überladene Schiffe mit Flüchtlingen vor der Küste Lampedusas kenterten und viele Menschen, die auf der Flucht vor Grausamkeit und Hass waren ertranken. Kinder werden von Erwachsenen denen sie anvertraut waren missbraucht und gedemütigt. Geschändet. Wehrlos. Eine Erinnerung für immer.Das Geräusch eines Jackenreisverschlusses erinnert mich an Aufnahmen einer Dokumentation über die vielen Tausend Tsunami Opfer in Japan, deren weiße Leichensäcke hastig zugezogen wurden.

Immanuel?

Erst kürzlich erinnerte ich mich schmerzlich an geliebte Menschen, die durch Krankheit oder Unfall brutal aus meinem Leben gerissen wurden. Sie fehlen. Leere.Wenn ich über die Weihnachtsferien nach Hause fahre, dann liegen nachts Menschen in den Fußgängerzonen und Ladeneingängen meiner Stadt und drohen zu erfrieren.

Immanuel?

Bei all diesen Gedanken wird mir schlecht. Ich fühle mich hilflos und einsam. Eine gewisse Angst vor der Welt überkommt mich. Ich rufe eine gute Freundin an. Sie hat Zeit für mich. Sie hört mir zu. Ich kann ihr alles erzählen, solange es auch dauern mag. Geteiltes Leid ist halbes Leid, ich fühle mich verstanden.

Bist Du es?

Ich erinnere mich an meine Kindheit, neben allen negativen Erfahrungen sind da doch Geborgenheit und Nähe. Meine Mutter. Meine Großeltern. Bei allem Scheitern, ob in Freundschaft oder Schule, war da Halt und Ermutigung.Ich denke an meine erste große Liebe. Das Gefühl in meinem Bauch. Die liebevollen Augen, die mich ansahen und mich kannten. Eine zärtliche Nähe, die mich rücksichtsvoll annahm, so wie ich war. Ich schaue mir Fotos von Freunden an, mit denen ich durch dick und dünn gegangen bin und immer noch gehe. Ich fühle mich aufgefangen und bejaht. Mit ihnen lässt es sich aushalten.

Bist Du es?

Ein Bericht über die Hamburger Tafeln läuft im TV. Menschen engagieren sich. Sie arbeiten ehrenamtlich. Weltweit setzen sich Menschen für Arme ein. Sie opfern Zeit und Geld. Sie setzen sogar ihr eigenes Leben ein. Ich höre von Ärzten die ihre sichere Heimat und gut bezahlte Jobs verlassen um in den Krisengebieten unserer Welt zu helfen. Sie gehen an ihre Grenzen. Sie gehen sogar darüber hinaus. Immer wieder erlebe ich wie Menschen ihren Hass überwinden. Alte verhärtete Streitigkeiten und Konflikte werden aufgebrochen. Sie gehen aufeinander zu. Frieden.

Bist Du es?

Am vierten Advent wird Henry Johannes getauft. Ich bin eingeladen. Ich darf Taufpate sein. Alle verschiedenen Gäste werden am evangelischen Taufgottesdienst teilnehmen. Eine Gemeinde. Fest des Glaubens. Dann wird gegessen und gefeiert. Fest des Lebens.

Immanuel, Du bist es.

 

Roland Keiss ist verliebt: In Hamburg, die Ostsee und kaltes Pils. Der gebürtige Lübecker studiert katholische Theologie am Studienseminar St. Lambert in Lantershofen.

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