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Glaube - Leben - Popkultur

Die Wahrheit liegt auf dem Platz

Wer meine Leidenschaft für Sport nicht teilt, bei dem muss ich mich entschuldigen. Schon wieder ein Beitrag über Football oder Basketball, das bei uns sowieso nur zu nachtschlafender Zeit über obskure Internetquellen empfangbar ist. So what? Um es frei nach „…but alive“ zu sagen: Es geht ja eigentlich gar nicht um Football. Worum es dann geht? Um die Frage, wie viel von seinem Leben man selbst in der Hand hat.

Tim Tebow (Jeffrey Beall / commons.wikimedia.org)

Januar heißt Playoff-Time in der NFL. Jetzt gilt’s, win or go home! Auch wenn die sportlichen Entscheidungen noch längst nicht alle entschieden sind, so ist doch klar, welcher Spieler in dieser Saison die Schlagzeilen bestimmte. Tim Tebow ist erst in seinem zweiten Profijahr und polarisiert Fans und Öffentlichkeit doch wie kein anderer Spieler. Das mag zum einen daran liegen, dass seine Spielweise noch immer eher der eines College-Studenten ähnelt als der eines professionellen Quarterbacks. Es liegt aber sicherlich auch daran, dass Tebow bei jeder Gelegenheit einem dankt: seinem Herrn Jesus Christus. Tim Tebow stammt aus einer Familie von Missionaren und versteht sich auch selbst als einer. Seine Art vor, während und nach dem Spiel auf ein Knie zu sinken und den Kopf in die Hand gestützt zu beten ist als „Tebowing“ zu einem Internetphänomen geworden. Dass Tebow die lange Zeit erfolglosen Denver Broncos durch eine fast märchenhafte Siegesserie in die Playoffs geführt hat, machte ihn auch sportlich gesehen zu einem der Shooting Stars des Jahres. Aber auch in einem Land, in dem 92% Prozent der Bevölkerung nach eigenen Angaben an Gott glauben, finden Tebows öffentliche Glaubensbekenntnisse nicht nur Beifall. Nicht nur die Comedians von Saturday Night Life ließen durch einen Besuch Jesu bei den Broncos durchblicken, dass Tebow es mit dem göttlichen Beistand vielleicht ein wenig übertreibt.

Terrell Suggs (commons.wikimedia.org)

Aber auch Tebows Kollegen sind nicht alle begeistert von seiner missionarischen Offensive. Terrell Suggs, eisenharter Linebacker der Baltimore Ravens, erklärte angesichts der schwachen Leistungen Tebows zum Saisonende, Gott habe Denver wohl tatsächlich retten müssen, weil Tebow das offenbar nicht alleine hinbekommen hätte. Nur ein bißchen Trash Talk unter Profi-Sportlern? Nein, auch zwei sehr unterschiedliche Gottesbilder. Denn während Tebow im Grunde auch während des Spiels um Gottes Beistand betet, ohne den es für ihn nicht geht, läuft das in Baltimore offenbar anders. „Bei allem Respekt, wir beten nicht an der Seitenlinie“, sagt Terell Suggs. „Ich meine, wir beten schon. Wir danken Gott für unsere Gesundheit und bitten ihn um Schutz vor Verletzungen“. Das Spiel müssen die Ravens dann aber schon selbst gewinnen. Ein Gebet aus Baltimore dürfte laut Suggs eher so lauten: „Weißt du was, Gott, setz dich auf die Couch und genieß das Spiel. Danke, dass du mich gesegnet hast und mich heute hast aufwachen lassen, damit ich spielen kann. Du wirst beeindruckt sein!“

Die Gottesvorstellungen dieser beiden Sportler stoßen bei mir ganz grundsätzliche Fragen an. Wie viel von dem, was ich im Leben anfange, habe ich selbst in der Hand? Wie viel Erfolg kann ich mir selber zuschreiben und wie viel fällt mir einfach zu? Für was bin ich dankbar, weil es mir geschenkt wurde, und was ist ganz allein meine eigene Leistung, auf die ich stolz sein kann? Wenn Tim Tebow und Terrell Suggs am kommenden Wochenende jeweils gewinnen, würden sie eine Woche später um den Einzug in den Super Bowl gegeneinander spielen. Von einem Gottesurteil würde ich dann aber nicht sprechen. Lieber von einem grandiosen Spiel, in dem beide Seiten ihr Bestes geben werden – und dessen Ausgang trotzdem offen ist.

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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