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Glaube - Leben - Popkultur

Dein Klub für die Ewigkeit

 

Dieses hübsche Schaubild rollte heute Morgen durch meine Newsstream und weil man mich mit Fußball eigentlich immer (mehr oder weniger lange) von der Arbeit ablenken kann, habe ich natürlich den Selbsttest gemacht und nachgeschaut, bei welchem Klub ich wohl lande, wenn ich sämtliche Fragen wahrheitsgemäß beantworte.

Überrascht und insgeheim ein bißchen stolz kam ich am Ende tatsächlich bei meinem favourite team heraus. Die wunderbare Frage „Genießt du es, alle Höhen und Tiefen zu erleben, die das Leben bietet?“ konnte ich mit einem kräftigen JA! beantworten. Natürlich bin ich danach auch die anderen Wege des Diagramms durchgegangen. Und auch wenn das meiste natürlich Quatsch ist (Tragen Freiburger und Augsburger wirklich überdurchschnittlich oft Socken in Sandalen?), gibt es natürlich manche versteckte Wahrheit über die Klubs und ihre Anhänger. Die Anzahl von Karnevalisten im Stadion dürfte tatsächlich weltweit nirgends so hoch sein wie in Mainz und Köln, und  beim Anblick des Berliner Olympiastadions muss ich tatsächlich immer eher an die Spiele von 1936 als an die WM 2006 denken .
Ich frage mich, wie so ein Schaubild aussehen würde, wenn es kein Leitfaden zum richtigen Bundesliga-Club, sondern zum richtigen Glauben wäre. Welche Fragen würden darin stehen?

Vielleicht solche: Kannst du dir wirklich 623 Gebote merken? Magst du sowieso kein Schweinefleisch? Stehst du auf Typen mit langen Haaren und Jesus-Latschen?

Ok, Spaß beiseite, vielleicht wären es eher solche:

„Ist Glaube für dich etwas rein Privates oder möchtest du ihn in einer Gemeinschaft leben?“
„Stellst du dir Gott in menschlicher Gestalt vor oder als etwas Abstraktes?“
„Beeinflusst dein Glaube, wie du dich gegenüber Armen und Schwachen verhältst?“
„Ist dein Glaube nur dazu da, dir ein gutes Gefühl zu geben, oder treibt er dich an, die Welt zu verändern?“

Wahrscheinlich ließe sich so ein Schaubild nicht machen, ohne der einen oder anderen Glaubensgemeinschaft unrecht zu tun, so wie sich bestimmt mancher Nürnberger oder Schalker auch über das obige beschweren dürfte. Wahrscheinlich würden am Ende der Fragen auch nicht die bekannten Religionen und Kirchen stehen, sondern unterschiedliche Arten, wie Menschen ihr Leben mit Gott leben. Aber mit denen wäre es dann doch ganz ähnlich, wie mit Fußballklubs. Es gibt Menschen, die von der Wiege bis zur Bahre immer zum selben Verein gehören und damit auch voll zufrieden sind. Aber die werden immer weniger. Manche Leute wechseln im Laufe ihres Lebens häufiger den Verein. Einige sogar nach jeder Saison. Andere würden nicht einmal ein Spiel eines anderen Klubs anschauen. Das sind die, die sich im Grunde gar nicht für Fußball interessieren, sondern das Gefühl brauchen, zu den Einzigwahren zu gehören, und in der Kurve “Nur der FCB/VfB/HSV/BVB/Mfg…” schreien wollen. Wieder andere verlieren im Laufe ihres Lebens das Interesse für das Spiel und damit auch für den Klub, mit dessen Stars sie früher ihr Kinderzimmer tapeziert haben. Und schließlich gibt es diejenigen, die erst im Laufe ihres Lebens einen Zugang finden zu diesem wundervollen Spiel und sich erst dann einem Klub anschließen oder auch nur stille Beobachter bleiben, ohne sich zu entscheiden. Solche Spätberufenen sind dann meistens auf jemanden getroffen, der voller Begeisterung von seinem Verein schwärmt oder sie  zu einem entscheidenden Spiel mitgenommen hat, vielleicht sogar ins Stadion. Denn auch für Fußballvereine gilt, was Nick Hornby einmal sagte: „Seinen Fußballverein sucht man sich nicht aus. Er wird einem gegeben“.

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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