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Glaube - Leben - Popkultur

Neidhammel werden nicht geopfert

shotstudio – fotolia.de

Die Manna-Redaktion stellt sich in der Fastenzeit ihren Todsünden. Einmal pro Woche. Immer Mittwochs, denn Mittwoch ist Manna-Tag.

Meine Wahl fiel auf „invidia“, den Neid. Auch gerne Eifersucht und Missgunst genannt. Hässliches Zeug.

Wohl fühlt er sich bei Schwäche, Kleinmut, mangelndem Selbstvertrauen, selbstempfundener Unterlegenheit und überspanntem Ehrgeiz. Aus diesem Grund überspielt der Neider seine unschöne Charaktereigenschaft. Vor Anderen leugnet er vernehmbar, dem Beneideten nachzueifern. Schwindet jedoch dessen Beliebtheit, gönnt sich der Neider eine große Portion gut schmeckender Schadenfreude. Neid liebäugelt nicht nur mit Besitztümern, auch biologische Fakten wie Schönheit und Gesundheit faszinieren ihn. Nicht zu vergessen sind zudem seine heimliche Vorliebe für den sozialen Status, etwa das Mathegenie und den Torschützenkönig.

Kopfballungeheuer und Beuteschema

In meiner Schulzeit hätte ich gerne ein paar Zentimeter Körpergröße mehr gehabt. War aber nicht. Die Karriere als Kopfballungeheuer somit recht schnell beendet. Schwieriger zu verdauen war damals allerdings die Konsequenz, dass aus meinem weiblichen Beuteschema meiner Ansicht nach so manch ein verlockendes Ziel gestrichen werden musste. Nun ja, das war einmal. (Manche behaupten tatsächlich, meine Frau sei größer als ich!) Dennoch, auch in kirchlichen Berufen ist Erfolg ein Maßstab. Will nicht jeder geliked werden? Ein paar Klicks mehr sehen immer gut aus.

Aber muss denn Neid gleich Sünde sein?

Wohl nicht. Ein bisschen Neidhammel sind wir dann und wann wohl alle mal. Aber was macht dann „Neid“ zur Todsünde? Wenn ich mir so sehr wünsche, jemand anderes zu sein, dass ich nicht mehr bin. Wenn ich mich von mir selbst als Geschöpf abwende, verstoße ich meinen Schöpfer. Der Bruch ist Menschenwerk. Und all mein Wirken ändert nichts an den Rahmenbedingungen: Die harten Fakten meines ICH sind nicht wegzuwünschen. Aber daran zu glauben, dass es da jemanden gibt, der der Meinung ist, dass ich trotz aller Mängel okay bin, ja diese sogar alles andere als zufällige Fehlkonstruktionen sind, macht gelassen und reif für das Leben. Unwahrscheinlich ist allerdings, dass die geglaubte Grundannahme sofort und dauerhaft eine Immunität gegen plötzliche Neidattacken liefert. Jedenfalls bei mir nicht. Aber, sie nimmt den Neidspitzen ihre Gefährlichkeit und verleiht ihnen eine humorvolle Note. Klar ist auch, dass die ersehnte Gelassenheit nicht mit Fatalismus zu verwechseln ist. Manche Dinge sind schon veränderbar. Und es wäre eine Sünde, dies nicht zu versuchen, nicht wahr?

 

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