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Glaube - Leben - Popkultur

Geiz ist nicht geil!

Copyright: Thorben Wengert_pixelio.de

 

Die Manna-Redaktion stellt sich in der Fastenzeit ihren Todsünden. Einmal pro Woche. Immer Mittwochs, denn Mittwoch ist Manna-Tag. Gastautor Oliver Seis nimmt “avaritia” in den Blick, den Geiz.

Auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise ging die traditionsreiche Investment-Bank „Lehman Brothers“ bankrott. Alle Rettungsversuche waren gescheitert. Am Abend nach den Verhandlungen wurde die Hiobsbotschaft verkündet. Vor der Bank spielten sich unmittelbar nach Bekanntwerden der Pleite folgende Szenen ab: Lehman-Broker fuhren mit ihren Autos vor, gingen in ihr Büro, räumten ihre privaten Habseligkeiten in Kopierkartons, stiegen wieder in ihre Autos und verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Sie warteten nicht bis zum nächsten Morgen. Sie warteten nicht ab, wie sich die Dinge entwickeln würden. Nein, das Geldverdienen musste weiter gehen, der Rubel weiter rollen. Für die Lehman-Broker zählte damals anscheinend nur noch eins: Money, Money, Money…

Was hat das mit Geiz zu tun? Geiz steht im engen Zusammenhang mit Habgier. Denn Geiz setzt Besitz voraus, sei es nun Geld oder Macht. Mittel- und machtlose Menschen sind nicht geizig, sondern sparsam. Es war ja nicht so, dass die Lehman-Broker weiterziehen mussten, weil sie am Hungertuch nagten. Nein. Sie hatten Angst eine Chance zu verpassen – eine Gewinnprovision mal nicht einzustreichen.

Im 5. Kapitel des Epheser-Briefes wird die Habgier als Götzendienst verurteilt. Der Verfasser des Briefes fordert die Christen in Ephesus dazu auf, nicht habgierig, sondern „Kinder des Lichts“ zu sein. Durch das Licht wird Gerechtigkeit in der Welt hervorgebracht. Aber: Ist der Handel der Broker an den Börsen und auf den Kapitalmärkten wirklich Götzendienst und damit Sünde? Eine globalisierte Welt benötigt doch diese Einrichtungen, sonst kann internationaler Handel nicht funktionieren. Und: Sind wirtschaftliche Beziehungen zwischen Staaten nicht der beste Garant für deren friedliches Miteinander?

Es muss diese Märkte geben. Davon bin ich überzeugt. Sie müssen aber im Dienste der Sache stehen. Konkret: Transfers auf den Märkten müssen einen realwirtschaftlichen Hintergrund haben. Alles andere ist Spekulation und somit Glücksspiel. Einige werden jetzt einwenden: Und was ist mit der Freiheit auf den Märkten? Bereits in der Enzyklika „Quadragesimo anno“ (1931) erkannte Papst Pius XI., dass die Wettbewerbsfreiheit als Ordnungsprinzip der Wirtschaft ein Grundirrtum ist. Die Freiheit der Märkte darf kein Selbstzweck sein. Vielmehr muss der Handel an den Märkten im Dienste der Wirtschaft stehen und die Wirtschaft wiederum im Dienste am Menschen – präziser: im Dienst an der Würde des Menschen.

Wie oft erleben wir das genaue Gegenteil. Preise für viele Nahrungsmittel werden an den Warenterminbörsen festgestellt. Dabei kommt es vor, dass Spekulanten die Preise beeinflussen. Mit den Produktionskosten, der Produktionshöhe oder der realen Nachfrage hat dies dann oft wenig zu tun. Die Folgen können brutal sein, insbesondere für Entwicklungsländer, in denen der Agrarsektor eine große Rolle spielt. Steigende Nahrungsmittelpreise führen zu Hunger, Unruhen und Gewalt. Fallende Nahrungsmittelpreise hingegen führen zur Landflucht. Die Bauern ziehen in die Slums der Städte und wertvolle Ackerflächen werden nicht mehr bewirtschaftet. Die Abhängigkeit von ausländischen Produzenten steigt in beiden Fällen. Und die wollen natürlich dann auch, dass ihre Produkte gemäß den Börsenpreisen bezahlt werden – ein Teufelskreislauf.

Der Spekulant an der Börse sieht oft nur eins: seine Charts und seine Provision. Die Konsequenzen für den einzelnen Menschen – für den Anderen – sieht er nicht. Das ist aber nicht nur ein Problem des Spekulanten. Es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. So spricht der Theologe Johann Baptist Metz von einer kulturellen Amnesie, einer Vergesslichkeit der modernen Freiheit, die ihr Glück nur noch auf das mitleidlose Vergessen der Opfer baut. Schnell geraten die Menschen aus dem Blick und man sagt sich: Was hab ich mit dem Bauer in Ghana oder Bolivien zu schaffen?! Dann ist wirtschaftliches Handeln aber wirklich nur noch Götzendienst.

Bei allem Pessimismus: Es gibt auch die positiven Beispiele. Ich denke etwa an den fairen Handel. An die vielen wirtschaftlichen Initiativen der letzten Jahre, wo Unternehmer gerecht mit ihren Geschäftspartnern in Afrika, Asien und Südamerika umgehen. Was aber können wir tun?

Kaufen wir doch beim nächsten Besuch im Supermarkt einfach mal ein fair gehandeltes Produkt, auch wenn es ein paar Cent mehr kostet. Denken wir daran: Geiz ist eine Todsünde und Fairtrade ist allemal besser als Faircharity.

 

Oliver Seis (32 Jahre ) ist Pastoralpraktikant in der Pfarrei St. Jakob Saarbrücken. Der  gebürtige Hunsrücker studierte Betriebswirtschaft (FH) und Theologie. Er ist begeisterter Jakobswegpilger und besucht gerne das Theater der Landeshauptstadt an der Saar. 

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