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Glaube - Leben - Popkultur

Maßlos – verfressen – selbstsüchtig – …

Die Manna-Redaktion stellt sich in der Fastenzeit ihren Todsünden. Einmal pro Woche. Immer Mittwochs, denn Mittwoch ist Manna-Tag. Meike Franké hat sich mit einer auseinandergesetzt, die man früher “gula” nannte: Völlerei, Maßlosigkeit, Gefräßigkeit…

Maßlosigkeit (oder auch Völlerei oder Selbstsucht) – dafür finde ich ohne großes Nachdenken verschiedene Beispiele: Der gescheiterte Topmanager und seine Frau, die vor Gericht ziehen, um ein Existenzminimum von 35.000 Euro gegen Behörden und Gläubiger geltend zu machen… Die selbst ernannte Prominente, die auf jeder Veranstaltung den roten Teppich ziert und sich möglichst oft fotografieren lässt… Das Regal im Drogeriemarkt, das 140 verschiedene Shampoos, Spülungen und Kuren präsentiert, um die Kundenbedürfnisse zu befriedigen… Die vielen Jugendlichen, die sich an Fastnacht mutwillig bis zur Besinnungslosigkeit betrinken…

Gemeinsames Kennzeichen: Irgendetwas läuft da nicht ganz richtig. Das „rechte Maß“ ist irgendwo auf der Strecke geblieben, geopfert für Eitelkeit, Gewinnsucht, Egoismus, Ignoranz, Aufmerksamkeit. Weitere Opfer? Der gute Geschmack, der so genannte Anstand, die Verantwortung für andere… Maßlosigkeit ist nichts Erstrebenswertes, auch wenn es dazu in der Gesellschaft ambivalente Diskurse gibt (freiwillige Selbstbeschränkung versus Auskosten aller Möglichkeiten).

… – und ich?!

Es ist leicht, Beispiele von anderen zu finden. Aber wie steht es mit mir? Habe oder zeige ich Eigenschaften, die maßlos sind? Das ist relativ einfach und mit einem klaren Ja! zu beantworten. Stichworte: Schuhe und Sushi. Und wo bin ich rücksichtslos auf meinen Vorteil bedacht, wo ignoriere ich die Bedürfnisse anderer zugunsten meines Willens? Wo lebe ich auf Kosten anderer, um im Mittelpunkt zu stehen, wo bzw. für was gehe ich „über Leichen“, um mir etwas Gutes zu tun? Wo „versündige“ ich mich gegen meine Familie, meine Freunde, meine Mitmenschen? Diese Fragen berühren eine andere Ebene und sind sehr viel schwerer und schon gar nicht schnell zu beantworten…

„Lebe Dich zu Tode“ oder „Lebe lieber ungewöhnlich“?

Maßlosigkeit ist eine der sieben Todsünden: Sie ist immer verbunden mit Undankbarkeit und Unzufriedenheit – keine gesellschaftlichen Größen, sondern göttliche: Der maßlose Mensch verabsolutiert sich selbst und seine Bedürfnisse, er ist blind und ignorant gegenüber seinen Mitmenschen und Mitgeschöpfen und deren Bedürfnissen. Sein Ich geht verloren unter all den Gütern und Vexierbildern, die zwischen den Anderen und seinem eigenen Selbst stehen. Wenn jeder nur nach dieser Maximalmaxime lebte, wäre sozialer Frieden, wäre ein menschliches Miteinander unmöglich.

Muss ich also in einer spaß- und erlebnisfreien Zone leben und darf nach nichts streben? Oder gibt es vielleicht ein „gesundes Maß“ an Maßlosigkeit? Ich glaube ja. Ich würde es jedoch anders bezeichnen: ein „über die Stränge schlagen“ – dann und wann, bei dem ich die mir gesetzten Grenzen gerne im Blick oder zumindest im Hinterkopf behalte. Das ist akzeptabel, lässt sich ohne allzu große Kopfschmerzen (die auch mal sein müssen) durchziehen und macht (m)ein Leben erst lebenswert. Vertrete ich da eine Einzelmeinung? Ist nicht auch die österliche Fastenzeit sowohl von einer eher weltlichen als auch der konstitutiv christlichen Feier gerahmt?

 

 

 

Meike Franké lebt lieber ungewöhnlich: Sie ist Theologin, Kinderkrankenschwester und Studentin, reist und liest   sich durch die Weltgeschichte und kauft gerne (und viele) Schuhe.

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