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Glaube - Leben - Popkultur

Wie in der F-Jugend!

bobrpics / flickr.com (CC BY.SA 2.0)

Die Manna-Redaktion stellt sich in der Fastenzeit ihren Todsünden. Einmal pro Woche. Immer Mittwochs, denn Mittwoch ist Manna-Tag. Christian bekommt es mit “Superbia”, dem Hochmut, zu tun.

Wer kann schon arrogante Menschen leiden? Nur Speichellecker umgeben gern diejenigen, die sich für den Nabel der Welt halten und allen Mitmenschen ein unausgesprochenes „I am the greatest“ à la Cassius Clay entgegenschleudern. So leicht habe ich mir ein Feindbild zurechtgezimmert, in dem schön klar ist, wer „Die Hochmütigen“ sind. (Klingt das nur für mich nach einem guten Romantitel?)
Dass ich selbst schneller auf der „Latent Hochmut gefährdet“-Liste landen könnte, fällt mir erst nach einer gut ignatianischen Gewissenserforschung ein. Und ja, um das zu erklären brauche ich mal wieder eine Sport-Analogie!

Wer  in einem vollbesetzten Stadion ein Tor schießt oder einen Touchdown erzielt, hat grundsätzlich zwei Möglichkeiten zu jubeln. Unsinn, natürlich hat er viel, viel mehr als zwei. Das beweisen die immer neuen Kreationen rund um den Globus. Aber wenn ich ein Handbuch des professionellen Torjubels schreiben müsste, würde ich trotzdem zwei grundlegende Typen unterscheiden. Der erste besteht darin, schnurstracks Richtung Fankurve/Fernsehkameras abzudrehen und eines der folgenden Dinge zu tun:

1. Klopfe dir kräftig auf das Vereinswappen auf deinem Trikot, damit jeder weiß, dass du natürlich niemals für viel Geld zur Konkurrenz wechseln würdest.
2. Zeige auf deinen aufs Trikot gedruckten Namen, damit jeder weiß, dass du ganz allein dieses Tor vollbracht hast und der Typ, der dir den entscheidenden Pass gespielt hat, natürlich gar nichts damit zu tun hat.

Variante zwei ist dagegen weniger medienwirksam. Bei der wenden Spieler Augen und Hände zum Himmel oder sinken sogar zu Boden und gehen kurz in sich. Ich kann nur vermuten, was sie da machen. Ich glaube, die meisten sind dankbar für das, was ihnen da gelungen ist. Wenn das stimmt, dann bewundere ich diese Sportler. Denn mir fällt es extrem schwer mich nicht für richtig abgefahren toll zu halten, wenn ich Erfolg habe. Dabei wird mir mit etwas Abstand meistens deutlich, dass mein eigener Beitrag dann doch nicht sooo riesig war, weil ich einfach von guten Voraussetzungen ausgehen konnte. Zu denen habe ich meistens rein gar nichts beigetragen. Die habe ich einfach geschenkt bekommen. Wie also nicht hochmütig werden, wenn Demut so schwierig ist?

Glück und Erfolg sind zerbrechlich. Wer nie erlebt hat, wie die Grundfesten der eigenen Existenz erschüttert oder sogar zerstört werden, kann sich weiter einbilden, das eigene Leben sei allein sein Verdienst. Auch wenn ich bisher von den ganz großen Katastrophen – Gott sei Dank! – verschont geblieben bin, will ich versuchen, wieder so zu jubeln, wie ich es in der F-Jugend gemacht habe: Vor lauter Freude über den ganzen Platz rennen. Mit den Mitspielern abklatschen. Sich nicht drum kümmern, ob das einer fotografiert – und abends beim Blick auf den Tag für alles Erlebte danken.

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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