Pages Navigation Menu

Glaube - Leben - Popkultur

KreuzWortFeuer: Der Apostel vom Times Square

Empire State of Mind (Part II – Broken Down) war mein Soundtrack als ich vor etwas über einem Jahr in einem Van saß, der mich vom Flughafen John F. Kennedy International zu meinem Hostel in Manhattan im Herzen New Yorks bringen sollte. Ich kam von einem Verwandtschaftsbesuch an der Westküste und hatte einen Flug über Nacht gebucht. Als ich in diesem wahnsinnigen Verkehr zu meiner Unterkunft unterwegs war, kam es mir ziemlich unwirklich vor, in New York zu sein. Diese Stadt war immer einer meiner Sehnsuchtsorte, an den ich schon immer einmal wollte. Sie ist für mich ein geradezu mythischer Ort unserer Zeit.
So tauchte ich für sieben Tage in die Stadt ein, die ich in so vielen Filmen gesehen hatte – in den Strom der vielen Fußgänger auf den Bürgersteigen, in die ständige Geräuschkulisse. Sirenen, Autohupen, etwa jede Minute und schon am frühen Morgen, wenn ich im Zimmer meines Hostels das Fenster öffnete. Alicia Keys’ Lied ist nicht nur sehr schön – es spiegelt die Armosphäre in New York perfekt wieder.

Ich hatte das Privileg dort ganz alleine auf Entdeckungstour gehen zu können. Das tat ich vor allem zu Fuß und per U-Bahn, Touristenbusse ließ ich links liegen – wer braucht schon so was.
Irgendwann in der Mitte meines Aufenthalts dort fuhr ich abends zum Time Square, der im Dunkeln mit seinen riesigen Reklametafeln und Lichtern einen spektakulären Anblick bietet. Als ich auf dem Weg zum Ausgang der U-Bahn-Station war, sah ich – als wäre das Empire State of Mind mein Reiseprogramm gewesen, einen Prediger. („Such a melting pot, on the corner selling rock, preachers pray to God“)
Ein Schwarzer mit Daunenjacke und Mütze stand in einem Gang der U-Bahn-Station und hatte eine Bibel in der Hand. Er zitierte einen Vers aus dem Johannes-Evangelium: „I am the way the truth and the life“ rief er laut in Richtung der Passanten.

In einer anderen Stadt wäre mir das vielleicht befremdlich vorgekommen, aber nach New York City passte das einfach. Und vielleicht war dieser Mann für das was er da tat genau am richtigen Ort.
Man nennt den Bundesstaat New York wegen seines großen Wohlstands auch den „Empire State“. Empire kann man grob mit „Weltreich“ oder „Herrschaftsbereich“ übersetzen. Wo sonst sollte dieser Mann von Gott – und vom Reich Gottes sprechen, wenn nicht hier? Er war offenbar so ergriffen, dass er sich in die U-Bahn-Station stellte und predigte. Vielleicht war diese Ergriffenheit und der Glaube an Gott, der ihn zur Predigt trieb sein eigener „Empire State of Mind“, wie Alicia Keys ihn für sich besingt.

 

Tobias Weyand studiert Theologie in Trier und ist Musikfan ohne Genre-Grenzen. Auf seinem MP3-Player bringt er deswegen gerne auch mal Metallica, Blumentopf und die Wise Guys in derselben Liste unter. Er ist immer auf der Suche nach inspirierenden Texten und Melodien, sowie nach Filmen und Büchern.

Letzte Artikel von Tobias Weyand (Alle anzeigen)

1 Kommentar

  1. Fast schon eine Predigt. Eine gute Predigt.
    Danke

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>