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Glaube - Leben - Popkultur

Karfreitag – Die Todeszelle des Zorns

Copyright: Peter Reinäcker_pixelio.de

Die Manna-Redaktion beschäftigte sich in der Fastenzeit mit den sieben Todsünden. Heute, am Karfreitag, notiert Christopher Hoffmann seine Gedanken zu „ira“: Dem Zorn, der Rache und der Vergeltung.

Den eigenen Zorn zensieren – das muss nicht immer christlich sein. Manchmal darf und muss ich sogar sauer werden. Denn wer nie zornig wird, dem ist alles gleichgültig. Wenn mein Zorn Motor für Zivilcourage ist und nicht in Gewalt oder Zerstörung endet, dann kann er auch zur Tugend werden.

Das katholische Hilfswerk MISEREOR hat es in einer Kampagne mal so ausgedrückt: „Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen“.  Das ist ein interessanter Slogan, finde ich. Denn wenn ich beispielsweise höre, dass Kinder in Indien mit sechs Jahren in Fabriken schuften müssen und Erwachsene von denselben Fabrikbesitzern  entlassen werden, dann werde ich zornig. Und auch Jesus selbst wird gleich nach seinem Einzug in Jerusalem stinksauer, als er sieht, dass die Menschen nur noch dem Profit opfern. Das ihnen nichts mehr heilig ist. Er macht seiner Wut Luft und stößt die Tische der Geldwechsler um (Matthäus 21, 12-17).

Ira, das kann ich aber auch mit „Rache“ oder „Vergeltung“ übersetzen. Und da fällt mir eine Schlagzeile vom Dienstag vergangener Woche ein: Dieses Mal von „amnesty international“. Eine aktuelle Studie der Menschenrechtsorganisation belegt, dass die Zahl der Hinrichtungen im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr angestiegen ist. Allein im Iran starben 360 Menschen in Todeszellen,  in den USA wurden 43 Menschen umgebracht. In China wagt man nur Prognosen, man schätzt die Anzahl der Todeskandidaten auf Tausende.

Wo aber Menschen über das Leben ihrer Mitmenschen entscheiden – da beginnt eine Einbahnstraße ohne Erbarmen. Da muss alles heimgezahlt und beglichen werden – und sei es mit dem kostbarsten Geschenk, dass jeder von uns erhalten hat: Das Leben selbst. Das Symbol des elektischen Stuhles – es setzt den Menschen auf den Richterstuhl über Leben und Tod.

Am Karfreitag schauen auch wir Christen auf ein Zeichen der Hinrichtung. Das Kreuz. Vor zweitausend Jahren war es im Römerreich die gängige Form der Todesstrafe. Doch für uns Christen ist das Kreuz nicht Symbol der Rache, sondern der Versöhnung. Denn in Jesu Tod sind wir versöhnt mit unserem Schöpfer. Wir dürfen befreit leben, ohne Rechnungen begleichen zu wollen. Ohne Schaden heimzuzahlen. Weder Zahn um Zahn noch  Zorn um Zorn. Sondern: Vergebung statt Vergeltung.  Gott selbst gibt einem Todeszeichen einen neuen Sinn: Im Kreuz des Karfreitags hat nicht der Tod das letzte Wort – sondern das Leben.

Christopher Hoffmann

Christopher Hoffmann ist Pastoralreferent im Rheinland. In seiner Freizeit macht er gerne Musik in einer Band und im Bonner Jazzchor. Neben musikalischen Manna-Momenten sucht er besonders auch in der Begegnung mit Menschen nach Gottes Spuren in unserer Welt.

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