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Glaube - Leben - Popkultur

Auf Herz und Nieren

Dauerthema am vergangenen Wochenende war bei mir die Debatte um die Reformierung der Organspende durch den Bundestag. Die teilweise hitzigen Auseinandersetzungen drehten sich vor allem darum, wie sinnvoll die Einführung des neuen Systems ist und ob in letzter Konsequenz der Bürger zum Organspenden gezwungen wird.

Ich persönlich finde den Ansatz, den die Bundesregierung anstrebt, gut. Die Argumentation, dass 3 von 4 befragten Personen zwar eigentlich bereit wären Organe zu spenden, aber nicht jeder einen Organspendeausweis hat und man dadurch diesem Trend entgegen wirken kann, finde ich schlüssig. Ich bin einer dieser 3 Personen und habe noch keinen Ausweis. Ich schiebe die Entscheidung immer wieder vor mir her und vor mir weg, mache meinem Gewissen regelmäßig durch Ausreden das Leben leichter. Ich weiß, ich werde mich durch das kommende Anschreiben angesprochen fühlen. – “Liebe deinen Nächsten…

Das Gegenargument war oftmals, dass man ja nicht durch bürokratische Akte den Menschen dazu zwingen sollte. Jeder solle für sich entscheiden dürfen und nicht vom Staat zu etwas angeleitet werden, was er vielleicht gar nicht will. Ich empfinde das nicht so, da gerade jetzt doch jeder entscheiden kann was passieren soll, man wird lediglich dazu aufgefordert, sich mal mit der Frage auseinanderzusetzen. Gerade das befürworte ich, weil dies meiner Meinung nach sonst nicht geschieht. Auf die Notwendigkeit mehr Organspender zur Verfügung zu haben, glaube ich muss man nicht näher eingehen. Aber ich kann auch alle die verstehen, die sich dagegen entscheiden. Aber jetzt machen sie es bewusst, ohne dass hier negativ zu konnotieren. – …wie dich selbst”

Die Konfrontation mit der Frage – was will ich für mich und was für andere – “Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst” – Was tue ich dem Nächsten und was mute ich mir selbst zu? – finde ich einen schritt in die richtige Richtung!

Was denkst du?

 

Manuel Rawer

Manuel Rawer ist Religionslehrer an der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues. Trotz eines Leben als bekennender Serienjunkie und Sport-TV-Anhänger, versucht er möglichst viel in der ganzen Welt herumzukommen und Manna-Momente zu erleben!

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3 Kommentare

  1. Ich denke, dass dann auch umfassende und neutrale Aufklärung gewährleistet sein muss. Derzeit sehe ich, dass in den Medien weitgehend recht einseitig die positiven Seiten der Organspende dargestellt werden – zum Beispiel mit den ja auch wirklich oft anrührenden Erfahrungsberichten von Menschen, die ein Organ erhalten haben.
    Auch hier lese ich mehrmals einen Bezug auf das Gebot der Nächstenliebe – also schon ein sanfter Push: Organspende ist Nächstenliebe, deshalb gut, also gib Dir einen Stoß und leg dir endlich einen Ausweis zu.

    Auf der anderen Seite aber ist Organspende durchaus ein ethisches Problem. Das Hirntodkriterium ist schon von der medizinischen Seite keineswegs unumstritten. Werden die Organe tatsächlich Toten entnommen – oder doch eigentlich: Sterbenden? Kann man im Prozess des Sterbens so klar einen Zeitpunkt definieren, an dem der Mensch grade schon als “tot” gelten kann, aber seine Organe noch “lebensfrisch” sind? Und selbst wenn man das medizinisch so definiert – kann oder muss man das dann philosophisch und theologisch genauso sehen? Wenn aber das Hirntodkriterium nicht taugt, ist Organspende (von der Lebendspende abgesehen) ethisch eigentlich nicht vertretbar.

    Für mich als gläubigen Menschen stellt sich da durchaus auch die Frage, wann ich eigentlich “in den Augen Gottes” tot bin. Und ich habe erhebliche Zweifel, ob das beim Eintreten des “Hirntods” schon der Fall ist. Dieser Zweifel ist für mich ein Grund, Organspende für mich abzulehnen (das heißt konsequenterweise auch: ich würde auch kein Organ empfangen wollen). Die starke Tendenz zur rein positiven Darstellung des Themas Organspende finde ich deshalb sehr fragwürdig.

    (Einen Organspenderausweis habe ich übrigens – auf dem ich der Entnahme von Organen ausdrücklich widerspreche.)

  2. Ich verstehe Manuel so, dass er zunächst einmal begrüßt, dass das Thema ins Bewusstsein gerufen wird. Aus der Perspektive des Glaubens hängt die Frage aus meiner Sicht daran, was ich als Eingreifen Gottes in mein Leben begreife und was nicht. Es ist ja möglich, dass jemand den Fall des eigenen Hirntods mit der Möglichkeit zur Organspende, damit andere leben können, gerade als Zeichen und Willen Gottes ansieht.
    Ich jedenfalls habe mich bislang erfolgreich vor einer Auseinandersetzung mit dieser Frage “gedrückt” und auch keinen Organspendeausweis – auch weil ich das Gefühl habe, nicht genug über die Umstände, das Hirntodkriterium usw. Bescheid zu wissen. Von daher sehe ich, ähnlich wie Manuel, es zunächst einmal positiv, dass man versucht, Spender zu gewinnen. Allerdings stimme ich dir, Andrea, zu: Das darf nicht auf der Ebene einseitiger “Überredung” passieren.

  3. Ohne eure beiden Kommentare zu wiederholen, schließe ich mich Christian an. Mir ging es in erster Linie um ein Befürworten des neugestarteten Aufrufes! Eine einseitige Überredung finde ich genauso unpassend wie “Panikmache” auf der anderen Seite. Gerade deshalb finde ich es so positiv, dass jeder sich mal Gedanken machen muss…

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