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Glaube - Leben - Popkultur

Maibäume für alle!

Thomas Max Müller / pixelio.de

Meine Straße ist in der vergangenen Woche bunter geworden. Abgesehen von einem extrem sweeten Guerillagärtchen, das schon länger existiert, hängen seit Dienstag mehrere Maibäume und Maiherzen an den Häusern. In einer so stark befahrenen Straße lassen schon ein paar bunte Krepppapierstreifen die Welt viel freundlicher erscheinen. Natürlich habe ich keine Ahnung, wer da genau wem ein Maiherz oder einen Maibaum vor die Tür gesetzt hat. Vermutlich ist es wie meistens bei dieser alten Tradition: Ein Junge stellt einem Mädchen so einen Baum vor ihr Fenster. Vielleicht ist es mittlerweile auch umgekehrt. Vielleicht bekommen heute auch manche Frauen von anderen Frauen und manche Männer von anderen Männern Maibäume geschenkt. Die Geste bedeutet jedenfalls immer das Gleiche: Ich mag dich. Ich bin froh, dass es dich gibt. Es wäre schön, wenn wir uns noch besser kennen lernen würden.

Warum werden diese alten Bräuche eigentlich immer nur für romantische Zwecke benutzt? Als gäbe es nicht genügend Menschen, die nicht in einer Beziehung leben. Die Gründe dafür können ja sehr unterschiedlich sein. Einigen ist ihre Liebe vielleicht zerbrochen, andere haben den oder die richtige (noch) nicht gefunden; wieder andere sind überzeugte Singles und bevorzugen einen Lebensstil ohne feste Partnerschaft. Ganz ohne Liebe könnte aber keiner von ihnen leben, zumindest nicht glücklich leben. Aber Liebe ist auch mehr als Romantik und Partnerschaft. Sie ist eine grundsätzliche Zuneigung zum Leben der Menschen in all seinen Formen, in seinen wunderschönen Augenblicken und seinen dunklen Abgründen. Für mich ist immer wieder beeindruckend, wie die Erzählungen von Jesus Menschen heute noch dazu inspirieren, ihren Mitmenschen ohne Vorbedingungen zu begegnen, ihnen Gutes zu tun, sie sogar (in diesem Sinn) zu lieben.

Es gibt wirklich genügend Leute, die viel zu selten hören, dass sie gut so sind, wie sie sind, dass sie geliebt, geschätzt und willkommen von ihren Mitmenschen sind. Freiheit und Gerechtigkeit sind von Staats wegen garantiert und das ist natürlich ein hohes Gut. Aber Nächstenliebe lässt sich nicht staatlich verordnen. Sie wird nur durch die Eigeninitiative von Menschen möglich, die auf andere zugehen. Vielleicht zieht ja jemand mit: Wie wäre es, wenn deine Stadt, dein Viertel, dein Dorf im kommenden Jahr um diese Zeit voller Maibäume stehen würde? Vor dem Seniorenzentrum, dem Kindergarten, dem Asylbewerberheim, der Moscheegemeinde und deinem Nachbarhaus… Die Botschaft würde gleich bleiben: Ich mag dich. Ich bin froh, dass es dich gibt. Es wäre schön, wenn wir uns noch besser kennen lernen würden.

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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