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Glaube - Leben - Popkultur

KreuzWortFeuer: Auf der Suche

Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

Manchmal stößt man beim durchsuchen seiner alten CDs auf richtige Schätze. Lieder, die man in der Jugend gehört hat – verknüpft mit Erinnerungen. So wird die Vergangenheit wieder präsent.  Ab und an entdeckt man aber auch in alten Liedern Neues, wie Tobias Weyand beim Hören von „Flashgott“ von Jan Delay.

Ich werde merklich älter. Böse Zungen behaupten, man sähe das an meinem lichter werdenden Haupthaar. Das würde ich von mir selbst natürlich nie sagen. Ich merke mein fortschreitendes Alter eher daran, dass die Lieder, die höre – und die in die Zeit meiner Jugend gehören – inzwischen manchmal schon über zehn Jahre alt sind. Das ist auch bei diesem Fundstück aus dem Jahr 2001 der Fall – als das rauskam war ich 14.

Damals habe ich mir um den Text wenig Gedanken gemacht, ich fand vor allem die Melodie und die Dynamik im Lied cool; der Szenekenner würde vielleicht sagen den „Vibe“, was so viel heißt wie die Stimmung oder die Atmosphäre des Liedes.
Die Stimmung darin ist nicht besinnlich, sondern sehr entspannt. Wenn man mit dieser Reggae-Stimmung nur Sommer, Strand und Marihuana verbindet, tut man dem Genre allerdings unrecht. Die Gedanken, die in Reggae-Texten und speziell in diesem stecken, können durchaus tiefer gehen als die Beschreibung des eigenen Drogenkonsums, der im Reggae auch oft Thema ist.

Also: Lehnt euch zurück, hört noch mal das Lied – und lest dann weiter.

http://www.youtube.com/watch?v=VyPXrK7qAyU

Ihr habt fertig gehört? Gut. Dann könnt ihr mir besser folgen.

Besonders die ersten Zeilen, die Jan Delay ins Mikro nuschelt, sind mir immer wieder im Kopf hängen geblieben:
„Ich weiß, dass es da oben jemand gibt/ kein Plan ob Mensch, ob Tier, ob Frau, ob Typ./ Obwohl er da oben ist, ist er unten mit mir/ und wenn auch du ein flasher bist,/ dann ist er unten mit dir!“

Man hätte es kaum gedacht, aber Jan Delay glaubt an Gott, was er auch in einem Interview geäußert hat.
Was er in der ersten Zeile von „Flashgott“ so locker singt, ist sogar ein ganzes religiöses Programm: Er ist sich sicher, dass es „da oben“ jemanden gibt, er will sich aber nicht festlegen, was diesen Gott ausmacht, eben „egal ob Mensch, ob Tier, ob Frau, ob Typ“.
Viele meiner Freunde würden diesen Satz vermutlich so unterschreiben. Sie glauben an ein höheres Wesen – nur an welches, das lassen sie offen.
Sie wollen sich da nicht festlegen, vielleicht weil sie denken, dass Gott sich solchen Festlegungen ohnehin entzieht. Für mich ist das grundsätzlich ein nachvollziehbarer Gedanke, jedoch taucht dabei ein gewichtiges Problem auf: Wenn man über diesen Gott nichts Näheres weiß – zu wem betet man dann?

Hört mir dieser Gott überhaupt zu? Sieht er mich? Und wenn er mich hört: was fängt er mit meinen Gebeten an? Im Alltag ist das vielleicht nicht weiter problematisch – aber was ist, wenn ich in einer Situation jemanden brauche, der wirklich „unten mit mir“ ist? Wenn ich jemand brauche, der auf meiner Seite ist und mir Kraft gibt?

Für diejenigen, die nicht wissen, zu wem sie beten sollen, gilt es auf die Suche zu gehen. Und vielleicht ist es dann so, dass „wer da sucht, der findet“ (Mt 7,7). Denn Er „flasht jeden, der sich flashen lässt“.

 

Tobias Weyand studiert Theologie in Trier und ist Musikfan ohne Genre-Grenzen. Auf seinem MP3-Player bringt er deswegen gerne auch mal Metallica, Blumentopf und die Wise Guys in derselben Liste unter. Er ist immer auf der Suche nach inspirierenden Texten und Melodien, sowie nach Filmen und Büchern.

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