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Glaube - Leben - Popkultur

Ich hatte einfach Lust zu laufen…

 Samstagmorgen. Kurz vor neun. Sauwetter in der Westeifel. Ich  ziehe mich um. Turnhose, Tennissocken und altes T-Shirt. Nehme meine Laufschuhe aus dem Regal und befreie sie vom Staub. Verlasse das Haus und stelle mich dem Regen. Es läßt sich gut an, die ersten Meter. Die erste kleine Steigung ist genommen, frohlockend geht’s  keuchend wieder bergab. Dann ein endloser Anstieg. Tempo runter, Beine plötzlich voll mit Blei. Die Kühe mit ihren trägen Blicken beäugen mich mitleidig. “So langsam ist hier aber noch keiner hochgekrochen.” Und weiter:” Das Wetter ist schließlich nicht perfekt.” Und schließlich: “Naja, er ist ja auch nicht mehr der Jüngste.” Ich lasse mich auf keinerlei Diskussion ein, sondern will es jetzt unbedingt. Und siehe da, nach endlosen Sekunden: endlich oben! Geschafft! Erleichterung macht sich breit, ein gutes Gefühl durchströmt mich. Weiter geht’s und immer weiter. Ich surfe auf meinem flow fröhlich vorwärts und trällere dabei “Raindrops keep falling on my head…”, spüre förmlich die Schwangerschaftspfunde purzeln und koste die Dämpfung meiner wunderbaren Laufschuhe bei jedem Schritt aus.  Herrlich!

Es gibt ja viele Leute, die am Laufen so ihren Spaß haben.

http://www.youtube.com/watch?v=9YlsufLgaoU

An Forrest scheiden sich die Geister. Mir gefällt der Typ. Für die einen ist sein Lebensstil, “Wenn ich müde wurde dann schlief ich. Wenn ich Hunger kriegte, dann aß ich. Und wenn ich mal… dann ging ich. ” von Ozean zu Ozean kultiviert, ein solider Ausdruck an Schwachsinn, für die anderen eine Form der Achtsamkeit. Budhisten und Menschen mit einem Draht zur Kontemplation nicken jetzt wissend. Für mich ist diese Achtsamkeit befreiend und vertiefend. Warum? Nun ja, wenn ich es schaffe, im Gespräch mit Menschen nicht an den nächsten Termin zu denken und nicht an meinem Handy rumzufummeln, dann lasse ich all diese Dinge hinter mir und bin bei meinem Gegenüber voll da, voll präsent.

Forrest, der Depp, läuft und läuft und läuft.  Sein nicht freiwillig gewählter Umgang mit dem Leben hat was. Seine schlichten Lebensweisheiten “Shit happens” und “Keep on smiling” werden zur Inspirationsquelle und bereichern Menschen.  Er läuft und läuft und läuft. Und denkt dabei nach, verarbeitet das, was war. In einem späteren Lebensabschnitt, Forrest ist endlich mit seiner großen Liebe Jenny zusammen, erzählt er von seinem langen Lauf. “Und dann in der Wüste, kurz bevor die Sonne rauskam, ich wußte nie, wo der Himmel aufhörte und die Erde anfing. Es war wunderschön.”

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