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Glaube - Leben - Popkultur

Stadtplan für mein neues Leben

Foto: Dirk Ingo Franke / flickr.com

Ich gehöre zu den Menschen, die auch bei einem dreitägigen Kurztrip beim Rückweg ins Hotel von “nach Hause gehen” sprechen. Jetzt wo ich seit einigen Wochen tatsächlich ein neues Zuhause in einer für mich neuen Stadt bezogen habe, ist meine Sprachregelung längt dazu übergegangen, auch die schöne Altbauwohnung mit dem noch völlig zugewachsenen Garten als mein Heim zu bezeichnen. In meinem Fall liegt diese Wohnung nicht in einer ausländischen Metropole. Auch nicht im allgegenwärtigen Berlin oder dem aktuell hippen Hamburg. Aachen, ganz im Westen der Republik, ist neues Zentrum meiner Statusupdates.

Weil ich (wie wohl die meisten die aktuell oder nach dem Sommer aus beruflichen Gründen den Wohnort wechseln) nicht zu den Menschen gehöre, die es nicht länger als ein Jahr in derselben Stadt aushalten, ist so ein Wechsel ein tiefer Einschnitt, bei dem sich die halb unsichere, halb erwartungsvolle Frage stellt, wie sich das Leben denn nun am neuen Ort (oder „im neuen Land“) entwickeln wird. Weil ich glaube, dass man das am besten aktiv mitgestaltet und nicht alles einfach auf sich zukommen lässt, folgt hier mein biblisch inspirierter 5-Punkte-Plan zum Ein- und Überleben im ersten Sommer:

1. “Ein neuer Himmel und eine neue Erde” (Offb 21,1)
Ok, es ist vielleicht nur ein persönlicher Vorsatz, aber ich glaube, es bekräftigt einen frischen Start in neuem Umfeld: Gib nicht dem Drang nach, in der neuen Stadt genauso zu leben wie in der alten. Vielleicht änderst du deine Alltagsroutine wenigstens an einer Stelle. Tu etwas, was du noch nie zuvor getan hast – weil das Spannende im Leben die Veränderungen sind.

2. „Der Herr gab jedem nach seinen Fähigkeiten“ (Mt 25,14)
Als noch unklar war, in welcher Stadt ich demnächst leben würde, habe ich mich selbst dabei ertappt, wie ich die Kandidaten rein nach ihrer Attraktivität für mich gescannt habe. Auch wenn dieser Usability-Check ganz natürlich ist, kann man auch ganz anders fragen: Welche Stadt mit ihren Menschen braucht denn mich und meine Talente am meisten und wo könnte ich sie einsetzen? Oder, frei nach John F. Kennedy: Ask not what your city can do for you – ask what you can do for your city. (In your face, ihr Berlin-Jünger…;-))

3. „Suchet der Stadt Bestes“ (Jer 29,7)
Das ist die erwartete Nr. 1 dieses Tutorials. Natürlich ist auch mein erster Impuls das Ausfindigmachen der schönsten Cafés, der schicksten Kneipen, der bekannten Sehenswürdigkeiten, der coolsten Geschäfte. Ob ich so das Beste einer Stadt finde? Ich werde wohl neben eigenen Erkundungsgängen und einer hochoffiziellen Stadtführung auch nach alternativen Rundgängen suchen. Noch besser: Neue Bekanntschaften bitten, dass sie dir „ihre“ Lieblingsplätze in der Stadt zeigen.

4. „Das Unvermögen der Schwachen tragen“ (Röm 15,1)
Der Gegenentwurf zu 3. Wenn du mit den Menschen hier wirklich leben willst, musst du nicht nur wissen wo die glamourösen oder chic-alternativen Orte der Stadt sind, sondern auch, mit welchen sozialen Problemen die Menschen hier leben. Wie hoch ist die Arbeitslosigkeit? Wie kommen Menschen mit Behinderung hier zurecht? Welche Initiativen zur interkulturellen Verständigung gibt es? Vielleicht findest du hier ja auch Inspirierendes für 2.

5. „Wir hören sie in unseren Sprachen von den Taten Gottes reden“ (Apg 2,11)
Auch wenn sich die Einkaufspassagen deutscher Großstädte immer mehr angleichen: In jeder Stadt wird es Überraschungsmomente geben, Verwirrungen und Sprachprobleme (Wer mal eine zeitlang in Schwaben gelebt hat, weiß, wovon ich rede). Genau das sind die inspirierenden Situationen, die diese Stadt in deinem Leben unvergesslich machen werden. Bei mir wecken sie Wissensdurst. Ich will verstehen, warum die Menschen hier so leben wie sie leben, was sie bewegt, was ihre Freude und ihre Sorgen sind. Nur wer das weiß, ist kein Tourist mehr.

Du hast noch mehr Punkte für die Liste? Vielleicht gar aus eigener Erfahrung? Please, tell me more!

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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1 Kommentar

  1. Schöne Gedanken dazu.
    Vielleicht wäre auch Joh 14 interessant: “Im Haus meines Vaters sind viele Wohnungen.”
    Ich assoziiere frei dazu: Es gibt viele Orte in einer Stadt, die einem das Gefühl von Heimat vermitteln können. Diese Stellen muss man suchen, wenn man dort neu ist.

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