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Glaube - Leben - Popkultur

Effizienz nervt!

Julien Christ / pixelio.de

Es ist Zeit eine unbequeme Wahrheit zu verkünden: Die Uni stört die Freizeit der Studenten. Partys sind häufig unter der Woche – und am nächsten Tag ist um 8 Uhr Vorlesung. Was tun?

Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten mit dieser lästigen Verpflichtung umzugehen. Man geht nicht auf die Party – weil man sich doch genötigt fühlt sich das anzuhören, was der Professor einem am nächsten Tag erzählen soll. Vielleicht ist es ja sogar interessant. Oder man denkt sich: Was soll’s, ist eh langweilig und was der mir erzählt kann ich auch nachlesen. Also Bier für den Hinweg einpacken, Mitstreiter organisieren und los geht’s.
Die Vorlesung fällt aus und vielleicht sogar die restliche Hälfte des Morgens. Wieso auch nicht? Man muss ja auch mal feiern.

Wem die Wahl zwischen diesen beiden Alternativen immer wieder Kopfschmerzen bereitet, weil er gewissenhaft studiert, oder in der Tretmühle des Bachelor-Systems steckt, dem bietet sich in Köln inzwischen eine dritte Alternative. Die so genannten „Blitzbangers“-Partys. Das Angebot bietet scheinbar nicht weniger als ein Lösungskonzept für das ewige Dilemma des Studenten.

Die Party geht um 21 Uhr los – und dauert nur 120 Minuten. In diesen 120 Minuten, die man hat, soll man Party machen bis der Arzt kommt und Trinken so viel wie reingeht. Aber dann ist Schluss. Nach 2 Stunden, die mit einem Countdown runtergezählt werden, geht das Licht an und die Party ist vorbei. Danach kann, wer in die bereits erwähnte, langweilige Vorlesung um 8 Uhr will, nach Hause gehen. Radikale Feierwütige können natürlich auch noch weiterziehen. Aber gedacht ist das Ganze für die 8-Uhr-Vorlesungstypen. „Effizient feiern“ nennt man das laut Veranstalter.

Ich habe davon gelesen und dachte, ich bin im falschen Film. Jetzt soll ich auch noch beim Feiern effizient sein. Geht’s noch? Für mich heißt Feiern etwas ganz Anderes. Es heißt, dass ich aus dem Alltag ausbreche, Feiern ist die „hohe Zeit“, in der Ausnahmezustand herrscht, und zwar nicht unter dem Damoklesschwert des Uhrzeigers.
Feiern haben für mich ein offenes Ende. Wieso sollte ich mich dem kapitalistischen Diktat der Effizienz auch noch dann unterwerfen, wenn ich eigentlich gerade nichts von meinen Pflichten wissen will?

Das lasse ich nicht mit mir machen. Wenn ich feiern gehe, dann richtig, oder gar nicht.
Und – wer hätte das gedacht – dabei fühle ich mich von höchster Autorität bestärkt. Ich halte mich an das, was im Buch Nehemia steht (Nehemia 8,10): „…Geht hin und esst fette Speisen und trinkt süße Getränke und sendet davon auch denen, die nichts für sich bereitet haben; denn dieser Tag ist heilig unserm Herrn. Und seid nicht bekümmert; denn die Freude am Herrn ist eure Stärke.“

Ich ziehe aus diesem Vers folgenden Schluss: Wer an Gott glaubt, muss richtig feiern können, und zwar in doppelter Hinsicht.
Der Gläubige feiert, dass es Gott gibt, der uns trägt und beisteht. Das ist für mich der Aspekt, der am Glauben viel zu wenig gesehen wird. Wer glaubt, darf sich freuen!
Das bringt mich zu Einsicht Nummer zwei. Das Leben auf Erden – und das ewige sind Geschenke, beide von Gott gegeben. Mit diesen beiden Leben ist es wie bei jedem anderen Geschenk auch: Man darf sich daran freuen, und zwar richtig.
Das gilt für mich auch fürs Partymachen. Ich darf feiern und zwar ganz ohne Uhr, ausgelassen, bis ich erschöpft und benommen vom heftigen Feiern in der späten Nacht oder am frühen Morgen ins Bett falle. Für Askese und Lernen gibt es noch genug Gelegenheiten. Aber nicht gerade jetzt. Ich darf eine gute Zeit haben, sie ist Gottes Geschenk an mich. Davon lasse ich mich nicht abhalten.

 

Tobias Weyand studiert Theologie in Trier und ist Musikfan ohne Genre-Grenzen. Auf seinem MP3-Player bringt er deswegen gerne auch mal Metallica, Blumentopf und die Wise Guys in derselben Liste unter. Er ist immer auf der Suche nach inspirierenden Texten und Melodien, sowie nach Filmen und Büchern.

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