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Glaube - Leben - Popkultur

Große Fragen am Küchentisch

Null value / flickr.com

Darf man gegen Kindesentführer Folter einsetzen, um deren Opfer zu retten? Ist es gerecht, dass jemand wegen illegalen Waffenbesitzes verurteilt wird, obwohl er mit dieser Waffe ein Verbrechen verhindert hat? Schützt diplomatische Immunität nicht auch Verbrecher vor Verfolgung? Diese Fragen klingen nicht unbedingt nach geeignetem Gesprächsstoff für ein Sonntagsessen im Kreis der Familie. Genau das sind sie aber für die Reagans, um die sich die vielversprechende neue Serie “Blued bloods” dreht, die gestern Abend auf Kabel1 Premiere hatte.

Anders als der Titel es vermuten lässt, sind die Reagans nicht etwa Adlige, sondern überwiegend Angehörige der New Yorker Polizei, deren blaue Uniformen ihnen sinnbildlich in Fleisch und Blut übergegangen sind. Frank Reagan ist Polizeichef der Metropole. Ein Job, den vor ihm bereits sein Vater Henry ausfüllte. Seine Söhne Danny und Jamie sind aktive Polizisten, Tochter Erin arbeitet für den Bezirksstaatsanwalt. Es ist das gleichzeitige Erzählen eines Krimis und einer Familiengeschichte, die “Blue bloods” von den unzähligen anderen Crime Stories abhebt. Am großen Esstisch stoßen die unterschiedlichen Charaktere und ihr Blick auf moralische Dilemmata immer wieder aneinander: Dannys Unbeherrschtheit, Erins Gesetzestreue, Franks diplomatisches Geschick und Henrys Altersweisheit. Trotz inhaltlicher Differenzen stehen sich die Familienmitglieder sehr nahe. Dazu trägt nicht zuletzt ein gemeinsames Wertesystem bei. Die Reagans sind irischstämmige Katholiken, Tischgebet und Besuch der Messe sind selbstverständlich und katholische Moraltheologen dürften an ihrem prinzipienbasierten Diskussionsstil ihre helle Freude haben. Dabei sind die Reagans keineswegs Menschen mit bruchlosen Biografien. Tochter Erin etwa befindet sich mitten in einem hässlichen Scheidungsprozess inklusive Sorgerechtsstreit, der sie zu dem Schluss führt: “Egal, was die Priester erzählen: Die Ehe ist kein Vertrag, sie ist ein Verhandlungsmarathon”.

Religiöse Motive begegnen jedoch nicht nur im Familienleben, sondern sind auch immer wieder in die Handlung der Ermittlungen eingebaut. In der Folge “Schüsse vom Samariter” stellt sich heraus, dass ein vorbestrafter Mann, der einen Raubüberfall verhindert hat, dies mit einer illegal erworbenen Waffe getan hat und deswegen nun selbst mit Strafverfolgung rechnen muss. Dannys Gerechtigkeitsempfinden läuft dies zuwider und er bedrängt seine Schwester, ob die Staatsanwaltschaft nicht vielleicht einen Verfahrensfehler erfinden könne, damit der Mann wieder freigelassen wird. Gnade habe der verdient, findet Danny. Erin dagegen hält am Gesetz fest: “Wir suchen uns nicht aus, welche Gesetze gelten und welche nicht”. Immerhin könne man darauf hoffen, dass es aufgrund des Gesetzes Gnade für den Mann gebe.

Solche starken Rollenvorbilder in der Familie können die Identität stärken, sie können es aber auch schwierig machen, den eigenen Weg zu finden. Das erfährt der jüngste Sohn Jamie, der gerade neu in den Polizeidienst eingetreten ist. Sein Vorgesetzter rät ihm immer wieder davon ab, sich seinen ungestümen Bruder Danny zum Vorbild zu nehmen. Dessen Mitgliedschaft in einem dubiosen “Orden” von Polizisten lässt Jamie dann tatsächlich an Dannys Integrität zweifeln. Gut, dass es Großväter gibt, die einem in solchen Momenten sagen: “Hör auf deinen Sergeant. Du musst in deiner Welt ein guter Cop werden”.

 

Die aktuellen Folgen von “Blue bloods” sind ab dienstags immer für eine Woche online zu sehen.

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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1 Kommentar

  1. Oh, das hört sich ja nach einer interessanten Serie an, die sich mal ein wenig vom sonst tristen Seriensumpf abhebt. Werd ich mir mal zu Gemüte führen ;-) Danke für den Tipp!

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