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Glaube - Leben - Popkultur

Kurs aufnehmen

„Entschuldigung, kann ich bei Ihnen Geld umtauschen, von Euro in schwedische Kronen?“. Die Dame am Infopoint der Scandlines-Fähre „Mecklenburg-Vorpommern“, auf der ich mich befinde, hatte es sich gerade so schön in ihrem Stuhl gemütlich gemacht und blickt nun etwas verstohlen zu mir herüber. „Klar können sie hier wechseln. Wie viel soll’s denn sein?“. Ich möchte natürlich erst einmal wissen, zu welchem Kurs sie wechseln würde, worauf sie große Augen bekommt. Sie könne mir jetzt nicht sagen, was gerade so der offizielle Wechselkurs sei, aber sie hätte hier eine Vorgabe von 8,40 Kronen pro Euro. Sie bekommt noch größere Augen, als ich ihr sage, dass der Kurs vor 5 Tagen noch bei 8,29 gelegen habe. „Das ist mir in den letzten Jahren ehrlich gesagt nie passiert“, sagt sie, „dass jemand sich vor seinem Urlaub über den Wechselkurs informiert hat“. Ich fühle mich ein bisschen geehrt: Anerkennung für meine Urlaubsplanungen bekomme ich selten. Und bei 8,40 Kronen pro Euro tausche ich einfach mal 150 Euro, eine Gebühr von 4 Euro nehme ich mal billigend in Kauf. Ich bedanke mich und mit einem „Auf Wiedersehen“ gehe ich wieder in den Aufenthaltsbereich, wo ich die meiste Zeit der sechsstündigen Überfahrt von Rostock nach Trelleborg verbringe.Fremde Geldscheine fühlen sich einfach immer an wie Spielgeld bei Monopoly! Dann das permanente Umrechnen im Kopf, wenn wir in Schweden einkaufen gehen – und eigentlich wollten wir doch Urlaub machen! Auf der Fähre bleibt noch viel Zeit, ich ertappe mich, wie ich auf den Kassenausdruck schaue. Aus reinem Interesse dividiere ich die erhaltenen schwedischen Kronen durch 150 und lande bei 8,21. Doch unter dem Wechselkurs, den ich rausgesucht hatte, was natürlich an den 4 Euro liegt. Immer diese Gebühren!
Mit dem Wechseln ist das überhaupt immer so eine Sache, beim Geld wie im Leben. Die Hoffnung, die damit verbunden ist, lautet: es soll sich etwas ins Positive ändern. Mehr, besser, sinnvoller, weiter oben – „Optimierung“ ist das Zauberwort dafür. Für mich, wie für viele andere auch, ist der Urlaub schon vorbei, die Sommerferien liegen hinter uns. Und: wir finden uns in einer gewechselten Situation wieder. Für viele Schüler und Lehrer ändern sich Klassenstufen und Stundenpläne, manch einer hat für sich die Ferien zum Schwungholen genutzt und bestreitet den Alltag anders, oder hat sogar – wie ich auch – die Arbeitsstelle gewechselt. Es kommt mir vor, als läge mitten im Sommer noch ein zweites Neujahrsfest, an dem man Vorsätze macht, der Rhythmus wieder aufgenommen werden will und alles von nun an optimierter ablaufen soll.
Mich erinnert das an die Jünger von Jesus. Nachdem er am Kreuz gestorben und sich ihnen als Auferstandener gezeigt hat, lässt er sie dann bei seiner Himmelfahrt, so erzählt es die Apostelgeschichte, einfach so zurück. Eine ganz neue Situation für Petrus und Co, ein Wechsel, eine Zäsur, die sich zuvor angedeutet hatte, aber nun unwiderruflich greift. Vielen mag es nun nach der Sommerzeit ähnlich gehen. Nach dem Durchatmen kommt das „Was nun?“ und „Wo soll ich denn anfangen?“, und erst recht das „Jetzt gleich?“. Den Jüngern erschienen praktischerweise zwei Männer in leuchtenden Gewändern, die sie aufrüttelten und ihnen Mut machten, auf die Wiederkunft Jesu hin zu leben – ein optimaler Tipp. Auf sein Kommen, seine Gegenwart hin zu leben, klingt das nicht auch für uns nach der optimalen Aufgabe? Ich bin überzeugt, das wäre ein echter Ansporn aus dem Sommerloch heraus und hinein ins Leben! Der Wechselkurs dafür steht jetzt besser denn je.

 

Der 28-jährige Tobias Sattler kommt gebürtig aus dem hessischen Seligenstadt. Nach seinem Abitur studierte er Theologie in Mainz und befindet sich nun in der Ausbildung zum Pastoralreferent. Beim Kicken oder auf Entdeckungstour nach dem nächsten Geocache verbringt er seine Freizeit. Auf der Suche ist er auch nach dem richtigen Ton:  An der Gitarre, der Orgel oder als Sänger in den Bands “lebandig” und “Himmelsstürmer” kann er seiner Musikalität freien Lauf lassen.

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