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Glaube - Leben - Popkultur

Mehr als Medaillen

Copyright Gregor Fuhr-Boßdorf / pixelio.de

Gestern Abend im Londoner Stadtteil Stratford. Die Schwimmhalle bebt als Michael Phelps in seiner Lieblingslage, den 200 Meter Schmetterling, um Längen die Konkurrenz hinter sich lässt. Doch dann geschieht das Unfassbare: Der Südafrikaner Chad Le Clos kann das Rennen beim Anschlag auf spektakuläre Weise doch noch für sich entscheiden. Für Phelps wird es wieder nur Silber. „Ein Debakel, ein fatales Formtief “, kommentieren die Journalisten die Leistung des 27-jährigen US-Athleten. Und sämtliche Onlineforen sind sich sicher: Der Gigant ist endgültig entthront.
„Nur“ Silber? Mich ärgert die Überheblichkeit in den Überschriften. „Wie viele dieser Kommentatoren haben überhaupt das Seepferdchen?“, möchte ich zurückfragen. Auf einer Pressekonferenz kurz vor den olympischen Spielen antwortete Phelps auf die Frage, wie viel Edelmetall er denn nach Hause bringen wolle: „Sie sind diejenigen, die immer die Medaillen zählen. Ich habe das in meiner ganzen Karriere noch nie gemacht. Ich bin hier, um so schnell zu schwimmen wie ich kann. Das ist alles, worum es geht. Ich werde ins Wasser gehen und mein Bestes geben und wenn es einen Rekord gibt, dann gibt es eben einen.“
Dieser Michael Phelps imponiert mir. Das Beste geben – das ist das was zählt. Nicht das Ergebnis, sondern die Einstellung. Und noch ein Zweites:  Wenn man im Leben Rückschläge erfährt, wenn man richtig tief untergeht in den Wasserwogen des Lebens – dann sollte man trotzdem wieder aufstehen. Und neu anfangen. Als Christen vollziehen wir dies symbolisch in der Taufe: Das Untertauchen im Wasser steht für den Tod. Und das Auftauchen des Täuflings für das neue Leben, das ihm von Gott geschenkt ist. Ein bedingungsloses Geschenk – unabhängig von Medaillen oder anderen Auszeichnungen. Als bedingungsloses Geschenk empfindet auch Phelps sein Leben. In einem Interview mit dem Onlinemagazin TIME erklärt der „Flying fish“, wie er in den Vereinigten Staaten genannt wird, was Religion für ihn bedeutet: „Ich glaube an Gott. Und daran, dass er mir Talente mitgegeben hat. Und weil ich in meinem Leben die Chance habe, sie zu entdecken und sie auch zu entfalten, bin ich ihm dankbar.“

Und auch an diesem gestrigen Dienstagabend taucht er trotz einer ersten kalten Dusche mit seinem Talent nicht ab. Nur eine Stunde nachdem Phelps sich „als Verlierer dieser Spiele“ bezeichnen lassen musste, steht er wieder auf. Stellt sich neben seine Teamkollegen Conor Dwyan, Ricky Berens und Ryan Lochte an den Starterblock  – und holt mit ihnen Gold über die 4×200 Meter Freistil-Staffel. Als Phelps als Schlussschwimmer am Beckenrand anschlägt, strahlt er. Er ist mit 15 Goldmedaillen, zweimal Silber und zweimal Bronze der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten, keiner hat mehr Medaillen gewonnen als er. Die Medien umjubeln ihn, Phelps – den Rekordhalter. Phelps wird wissen, dass das Blitzlichtgewitter schon morgen in ein düsteres Donnerwetter umschlagen kann, wenn er erneut in Stratfords Schwimmbecken springt, um sein Talent auch bei den 200 Meter Lagen zu entfalten. Aber er weiss auch um das bleibende Geschenk, das ihm gegeben ist: Die Freude an seinem Talent, die ihm keiner nehmen kann.

Christopher Hoffmann

Christopher Hoffmann ist Pastoralreferent im Rheinland. In seiner Freizeit macht er gerne Musik in einer Band und im Bonner Jazzchor. Neben musikalischen Manna-Momenten sucht er besonders auch in der Begegnung mit Menschen nach Gottes Spuren in unserer Welt.

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