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Glaube - Leben - Popkultur

Über Glück: Guardiola, Hermann Hesse und ich

Helene Souza / pixelio.de

Hermann Hesse lag falsch. Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne. Manchmal sind Anfänge auch völlig unspektakulär und beginnen schwerfällig. Besonders bei neuen Jobs ist das so. Ok, man lernt eine Menge neue Leute kennen und versucht möglichst rasch deren Namen zu lernen. Man sucht Schlüssel, Kaffeemaschinen und Telefonnummern. Aber ein Zauber, das ganz große Ding? Wenn mich Freunde und Bekannte fragen, wie denn nun die ersten Wochen in meinem neuen Job gelaufen sind, überlege ich kurz, kann aber auch nach angestrengtem Nachdenken bestenfalls antworten: „Ganz okay“.

Muss ich mir Sorgen machen, dass mich die Anfangszeit nicht vom Hocker gehauen hat? Dass ich mich noch täglich frage, ob ich mich hier mit meinen Fähigkeiten auch bestmöglich einbringen kann? Bin ich zu ungeduldig, weil ich ständig überlege, wie man die Arbeit vor Ort verbessern könnte? Oder wenn ich mich frage, ob der Job Zukunft hat (immerhin hat mein Arbeitgeber hierzulande in der Öffentlichkeit nicht gerade das beste Standing)? Ich höre schon, wie meine Freunde und Bekannte sagen: Das müsse man langsam angehen, erstmal alles kennenlernen. Und überhaupt sei doch das wichtigste, dass man glücklich und zufrieden werde. Burnout bekämen heutzutage ja viele.

Mit dem Glück ist das so eine Sache. Im gerade veröffentlichten „Glücksatlas“ zählen den Arbeitsplatz betreffende Themen zwar nicht zu den wichtigsten aber immerhin zu den bedeutsamen Faktoren für das persönliche Glück.Muss ich also glücklich werden mit meiner Arbeit? Kommt wohl drauf an, was man darunter versteht. Pep Guardiola stelle ich mir zum Beispiel durchaus als glücklichen Menschen vor, wenn ich bedenke, dass er mit seiner Arbeit den FC Barcelona zur erfolgreichsten Mannschaft der vergangenen Jahre geformt hat. Das Glück scheint für ihn aber nicht in der Zufriedenheit zu liegen. Während sein Klub gerne langfristig mit ihm verlängert hätte (der Traum so vieler Arbeitnehmer), verordnete Guardiola sich eine Auszeit, um neue Herausforderungen zu suchen. „Wenn du einen langfristigen Vertrag unterzeichnest, dann besteht die Möglichkeit, dass du die Leidenschaft für das, was du tust, verlierst. Und schließlich ist die Leidenschaft das Allerwichtigste. Der größte Reichtum für einen Menschen ist es doch, etwas zu machen, was ihm wirklich gefällt. Das ist der Grundstein all meiner Überlegungen”.

Leidenschaft statt Sicherheit? Ja, zumindest in Berufen, die viel eigene Gestaltung erfordern! (und das ist sowohl bei Trainern wie bei Seelsorgern der Fall) Sicherheit ist ein trügerisches Gut – aber sie kann auch träge machen und die Begeisterung, die man für eine Sache spürt, ersticken. Kein Wunder, dass Jesus seine Jünger aufrief, alles hinter sich zu lassen und mit ihm durchs Land zu ziehen. Oder dass er den Leuten riet, sich keine Sorgen zu machen, sondern sich Vögel und Blumen anzusehen, die auch keine Kranken- und Rentenversicherungen haben – und trotzdem wachsen. Diese Haltung hat Jesus ans Kreuz gebracht. Ohne sie wäre er wohl ein Zimmermann aus Galiläa geblieben. Mit ihr wurde er für viele zur Hoffnung. … Bin doch ganz froh, dass ich für meine Arbeit brenne.

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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