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Glaube - Leben - Popkultur

Color your life – Die wundersame Farbvermehrung

Bildrechte: brandbook.de / flickr.com

Wenn man versucht, Kirche so zu gestalten, dass junge Menschen dort ihre Spiritualität entwickeln und leben können, stößt man schnell auf alle möglichen Hindernisse. Das haben jedenfalls die Gründer des Jugendkirchenprojekts “buntergrund” aus Erkelenz erfahren. Gut, wenn man unterwegs beinahe Biblisches erlebt.

Im Mai 2012 beschließen wir mit 12 Jugendlichen in einem seit 10 Jahren leer stehenden Kellerraum im Stadtzentrum das ökumenische Projekt buntergrund zu starten. Es soll ein Ort werden, an dem sich junge Menschen treffen, bunt gemischt, aus allen Konfessionen, ein Ort, der Hoffnung macht und Farben zum Leuchten bringt – und ein Ort, wo man dem größten Künstler aller Zeiten auf die Spur kommen kann: Gott. Für diesen Traum steht uns zunächst keinerlei Budget zur Verfügung, als plötzlich das Angebot aus der evangelischen Freikirche der Stadt kommt, für uns eine Kollekte zu machen. Es ergeben sich exakt 217,47 € Startkapital. Die ersten Besichtigungen im Raum machen jedoch sehr schnell klar, dass wir mit diesem Budget nie im Leben auskommen werden – bröckelnder Putz, Löcher im Boden, bleiummantelte Kabel aus den 50ern und mit Zeitungen geflickte Wänden erfordern eigentlich eine Grundsanierung. Dennoch: Wir setzen den ersten Bautermin auf den 16. Juni fest und kaufen knapp bemessen Farbe, billigen Tiefengrund, eine Vorhangschiene und zwei Säcke Putz ein.

Der buntergrund in Erkelenz

Mit einem etwas mulmigen Gefühl im Bauch komme ich um 11 Uhr morgens am Raum an – und kippe fast hintenüber: Im gesamten Flur und Treppenhaus türmt sich als munteres Durcheinander von Werkzeugkisten und Farbeimern, Gipstüten und Kabelrollen und – als krönender Abschluss auf dem Treppenabsatz – ein Ikea-Sessel, den Julia am Abend zuvor vom Sperrmüll geholt hat! Was in den kommenden 8 Stunden passiert, lässt sich fast als neues Gleichnis beschreiben: Es blieben noch 3 Säcke Putzmörtel übrig. Als der Kirchenvorstand 3 Wochen später den Raum besichtigt, ist er so begeistert von unserer Arbeit, dass er beschließt, die Renovierung der hinteren, von uns mühsam mit einem Vorhang abgedeckten Wand zu bezahlen.
Stichwort Vorhang: Pfingsten 2012. Wir besuchen mit einer Delegation von buntergründern unseren älteren Bruder, die Jugendkirche Dicker Fisch in Rheda Wiedenbrück und feiern ihren ersten Geburtstag. Beim abendlichen Grillen erzähle ich Lukas, dem Mitgründer des dicken Fischs, dass wir dringend Vorhänge kaufen müssen, um unseren noch sehr kahlen Raum in warme Farben zu hüllen – uns aber leider das Geld fehlt. Lukas strahlt mich an, führt mich schweigend auf den Dachboden vom Fisch, und sagt einfach: Bedient euch! Nachdem sich meine Augen einigermaßen an das Dämmerlicht gewöhnt haben, erkenne ich ca. 50 Textilrollen auf dem Speicher – Reste aus der Auflösung einer Textilfabrik. Und als Jonas spät abends am Lagerfeuer singt „Und der Herr tut heute noch Wunder“ ist das zwar so richtig kitschig – aber irgendwie doch wahr.

 

Maike Sieben aus Erkelenz hat das ökumenische Jugendkirchenprojekt “buntergrund” mitbegründet. Die 21jährige studiert VWL und Soziologie in Aachen.

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