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Glaube - Leben - Popkultur

Auf den Leib geschnitten

Copyright: Rainer Sturm / pixelio.de

Wenn in Dhaka/Bangladesch ein Brand in einer Textilfabrik wieder Menschenleben fordert, diesmal mehr als hundert Arbeiter, sind wir erschüttert und betroffen. Es beginnt die Suche nach dem Schuldigen: Sind es die laxen Kontrollen der Brandschutz-Behörden in Bangladesch? Ist der Unternehmer schuld, der Kosten sparen will und Brandschutzmaßnahmen vernachlässigt, Fluchtwege als Lager nutzt und zu viele Arbeiterinnen und Arbeiter auf engem Raum arbeiten lässt? Sind es Handelskonzerne, die einen möglichst großen Gewinn erwirtschaften wollen? Oder sind die Verbraucher schuld, die möglichst billig einkaufen wollen?

Wenn sich ein Schauspieler in seiner Rolle sehr wohl fühlt und sie mit Bravour meistert, sagt man über ihn: „Diese Rolle ist ihm auf den Leib geschnitten.“ Die Rolle eines Schuldigen will aber keiner haben, diese Rolle passt niemandem, will sich keiner auf den Leib schneiden lassen… Und doch findet sich Schuld irgendwie bei jedem der Genannten – hängt alles irgendwie zusammen. Was also tun? Es ist keine Lösung, jetzt in Bangladesch hergestellte Kleidung zu boykottieren. Die Menschen dort hätten dann nur noch weniger zum Überleben. Ebenfalls keinen Sinn macht eine Verteufelung der Globalisierung. Vielmehr können wir vielleicht aus ihr etwas lernen.

Ein Ergebnis der Globalisierung ist, dass wir Menschen auf dem Globus heute viel besser umeinander wissen. Wir stehen in Beziehung zueinander: Wirtschaftlich, kulturell, politisch, etc. Was wir vielleicht noch mehr lernen müssen ist Sensibilität. Es bedarf einer stärkeren Achtsamkeit, einer Sensibilität für den Anderen – für das Leid des Anderen.

Die Nähte, die unsere Kleidung zusammenhalten und die von Menschen aus den verschiedensten Ländern unserer Welt angefertigt wurden, müssen uns dann auch mal wehtun – in den Leib schneiden. Im Trierer Dom wird seit vielen Jahren ein nahtloses Gewand verehrt – der Heilige Rock. Jesus selbst soll ihn einst getragen haben, bevor er ans Kreuz genagelt wurde. Jesus war in seinem Leben sensibel für das Leid der Anderen – für die Menschen am Rande. Ihm stand es daher zu, ein nahtloses Gewand zu tragen – vielleicht machen wir es ihm nach. Wie? Einschneidende Nähte vermeiden…

Oliver Seis (32 Jahre ) ist Pastoralpraktikant in der Pfarrei St. Jakob Saarbrücken. Der  gebürtige Hunsrücker studierte Betriebswirtschaft (FH) und Theologie. Er ist begeisterter Jakobswegpilger und besucht gerne das Theater der Landeshauptstadt an der Saar.

2 Kommentare

  1. … und was man ich Sachen Kleidung konkret tun kann, könnt Ihr bei der “Kampagne für ‘saubere’ Kleidung” lesen: http://www.saubere-kleidung.de

  2. Mit der Sensibilität muss aber auch einhergehen, dass es uns wichtig wird, Leid bei anderen zu vermeiden (das geht nicht immer unbedingt Hand in Hand). Gerade im Bereich Nahrung/Kleidung ist das eine Frage der Prioritätensetzung. Faire Kleidung ist natürlich teurer – für viele das Hauptargument, sie nicht zu kaufen. Aber kaufen wir sie nicht, weil wir es uns tatsächlich nicht leisten können, oder weil wir dann einmal weniger ins Kino gehen können?

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