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Glaube - Leben - Popkultur

Bleibende Begegnung

Martin Benhöfer – pixelio.de

Was macht eine Begegnung zweier Menschen zu etwas Besonderem? Faszinierend, wenn zwei aufeinandertreffen, die zufällig in der gleichen Situation stecken. Hundebesitzer sind sich immer auf Anhieb sympathisch, selbst wenn ihre Lieblinge sich gerade die Zähne zeigen und werdende Mütter plaudern miteinander, obwohl einander wildfremd und auf offener Straße befindlich nicht nur über Verlauf ihrer Schwangerschaften und momentanes Befinden, selbst persönlichste Dinge werden nicht verheimlicht. Und dann passieren da noch die unerwarteten Begegnungen. Sie bleiben an uns haften. Die Schönen, leider aber auch die weniger Schönen.

Plötzlich herscht vollkommene Stille. Der Verkehrslärm bricht abrupt ab und das Blätterauschen des nahen Waldes legt sich sogleich. Es ist anders als erwartet. Er überrascht mich. Bahnt sich seinen Weg direkt auf uns zu, nähert sich behutsam. Ein fragender Blick in jedes einzelne Gesicht. Einverständnis. Dann Begegnung. Verharren im Stillstand sämtlicher Geräusche ohne Zeit. Kurz darauf geht er.  Die Tür schließt sich. Ein Augenblick von andächtigem Schweigen bleibt zurück.  “War doch schön, oder?”, die Frage meiner Frau ist Signal für die Wiederaufnahme des ganz normalen Wahnsinns.

15 Minuten vorher. Ich hatte innerlich schnell abgelehnt, als die Krankenschwester fragte, ob wir denn die Krankenkommunion empfangen wollten. Mir fehlte Besinnung und Ruhe. Mitten drin im Kneten, sah unser Zimmer wie ein Schlachtfeld aus und die Frage der Wiederherstellung der gesundheitsförderlichen Hygiene verursachte bei mir einen leichten Juckreiz. Meine Frau derweil telefonierte. Sie hatte übrigends die Frage der Schwester positiv beantwortet und so blieb die Tür als vereinbartes Zeichen für den Pastor einen Spalt geöffnet. Da hörte ich auch schon die bekannte Stimme des alten Paters über den Flur dringen. Auf meine deutlichen Handzeichen reagierte meine Frau betont gelassen. Doch  in der Aufregung hatte ich mich verhört. Der Herr ließ auf sich warten. So konnte fast der gesamte Knetbestand erfolgreich eingesammelt und die Jungs von einer angemesseneren Form der Beschäftigung überzeugt werden. Ein kleines Legoauto brummte das  Bettdeckengebirge leise rauf und runter. Ein Bilderbuch fütterte Seite um Seite  die kindliche Phantasie.

Der Türspalt bewegt sich und ins Zimmer gleitet eine kleine, fein gekleidete, ältere Dame. Sie steuert mit einem groß wirkenden Kelch ruhig in die Zimmermitte. “Sie möchten die Krankenkommunion empfangen?” spricht sie meine Frau freundlich an. “Gerne.” “Sie auch?”. Ich zögere – nicht. “Ja.”. Die Kleinen sind ganz fasziniert, stecken im Bahn des Geschehens. Der Motor des Legoautos ist gänzlich abgestellt, die Buchseiten liegen vollkommen still.

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