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Glaube - Leben - Popkultur

Neue Kolumne: KreuzWortFeuer

Wer sich etwas intensiver mit deutschem Hip Hop beschäftigt, stößt irgendwann auf RAG (sprich: „R-A-G“). Leider hat diese Gruppe aus dem Ruhrpott nur zwei Alben produziert. Aber die haben es in sich. Einen so versierten Umgang mit Sprache habe ich im deutschen Rap nie wieder zu Ohren bekommen. Ihre Texte, besonders die von Aphroe und Galla, die im Titel „Kreuzwortfeuer“ am Mikrophon sind, fordern den Hörer mit Metaphern, Verweisen und Doppeldeutigkeiten heraus.

Eigentlich ist das Lied vor allem ein so genannter Representer. In solchen Representern stellen sich Rapper für gewöhnlich vor, zeigen ihre Fähigkeiten beim Reimen und vermitteln den anderen, dass sie gegen denjenigen, der da spricht, blutige Anfänger und Amateure sind. Denn jeder Rapper ist für sich selbst der Größte. Das machen Galla und Aphroe jedoch auf einzigartige Weise, indem sie möglichst ausgefallene Paradoxien konstruieren:
„Einerseits gleich/völlig verschieden/Zweideutig geschrieben, weil wir eindeutig hassen was wir lieben./Unzufrieden – woll’n nicht oben unterliegen/geben mehr als wir nehmen/nehmen mehr als wir kriegen.“
Genaues Hinhören ist hier deshalb Pflicht; sonst entgeht einem die ganze Kunstfertigkeit des vorgetragenen Textes und auch das eine oder andere Wortspiel, über das man noch lange nachdenken kann.
Das genaue Hinhören und die Möglichkeit, über einen Liedtext in Verbindung mit seiner Melodie nachzudenken, sollen zum Programm dieser neuen Kolumne auf Manna werden. Sie soll in Reminiszenz an die RAG „KreuzWortFeuer“ heißen. Dabei hat dieser Name einen besonderen Sinn: Denn das Wort “Kreuzwortfeuer“ zeigt, was passieren kann, wenn man sich Musik intensiv anhört.
Manchmal brennen sich die Worte eines Textes regelrecht wie Feuer in unsere Köpfe ein, weil sie uns direkt aus der Seele zu sprechen scheinen. Manchmal glüht die Melodie noch lange in uns nach und der Text arbeitet in uns weiter. Dieses Glühen kann so intensiv sein, dass das Feuer, das in einem Lied steckt in uns immer wieder auflodert, sobald wir es noch mal hören. Das Hören eines Liedes kann tief im Inneren berühren. Und manchmal berührt es uns auch in den Tiefen, wo der Glaube seinen Platz hat.
So können sich Musik und Glaube kreuzen und verbinden und in uns wirken. Lieder – und das, was sie mit dem Glauben und dem Leben verbindet – sollen das Thema meiner Texte sein. Das hier ist damit mein ganz eigener „Representer“.

 

Tobias Weyand studiert Theologie in Trier und ist Musikfan ohne Genre-Grenzen. Auf seinem MP3-Player bringt er deswegen gerne auch mal Metallica, Blumentopf und die Wise Guys in derselben Liste unter. Er ist immer auf der Suche nach inspirierenden Texten und Melodien, sowie nach Filmen und Büchern.

 

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