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Glaube - Leben - Popkultur

KreuzWortFeuer: Heaven is a halfpipe

Bildquelle: Jonas Eberhardt / pixelio.de

Bildquelle: Jonas Eberhardt / pixelio.de

Es gibt da diese Zeile, die in zwei bekannten Liedern vorkommt. Das eine hat eine Lied ist ein Klassiker und zieht eine ganze Kette von Cover-Versionen hinter sich her und es darf auf keiner guten Metal-Party fehlen: Enter Sandman von Metallica. Darin findet sich im Mittelteil folgende Textzeile: „If I die before awake…“. Diese Zeile teilen sich Metallica mit den wesentlich weniger bekannten OPM, die die gleiche Zeile in „Heaven is a Halfpipe“ verwendet haben. Der Refrain geht dabei so: „If I die before I wake/ At least in heaven I can skate“ („Wenn ich vor dem Aufwachen sterbe, kann ich im Himmel wenigstens skaten“). Die beiden Lieder könnten kaum unterschiedlicher sein. Metallica zitieren hier ihre Vorlage in voller Länge. Es ist ein Abendgebet für Kinder aus dem 18. Jahrhundert:
„Now I lay me down to sleep
I pray the lord my soul to keep
and if I die before I wake,
I pray the lord my soul to take”

Schon wenn man die ersten Takte von Enter Sandman hört, meint man eine subtile Bedrohung wahrzunehmen, die sich mit den einsetzenden Gitarrenriffs noch steigert. Irgendwas lauert dort im Dunkeln und es kommt näher. Im Video erkennt man durch die stroboartigen Schnitte kaum, wer sich da in der Dunkelheit bewegt. Immer wieder sieht man einen Träumer, der in seinen Alptraum gezogen wird, ins Dunkel. Das Gebet, in dem das Kind im Lied um den Beistand Gottes bittet, verstärkt die beklemmende Atmosphäre noch.

Ganz anders beginnt das Lied von OPM. Ein entspanntes Klavier und lockere Gitarren und los geht’s mit dem Text: „If I die before I wake/ At least in heaven I can skate…“

Mich hat überraschenderweise das Lied von OPM mehr beschäftigt als das von Metallica. Ich habe überlegt, wie OPM sich das so vorstellen mit dem Himmel. Ist der Himmel vielleicht ein riesiges, reales Tony Hawk’s Skateboarding? Ein Park in dem einem alle Sprünge und Grinds gelingen, ohne dass man sich die Knochen bricht und sich Schürfwunden holt? Dass man sich beim Skateboarden ziemlich wehtun kann, steht außer Frage. Eine kleine Recherche auf Youtube reicht.
Der Himmel wäre dann ein Ort ohne Schmerzen. Ohne Arbeit, die einem vom Skaten abhält. Und für OPM, wenn man sich das Lied weiter anhört, auch ein Ort der niemals endenden Party.
Wenn man sich ein bisschen mit dem Text beschäftigt, merkt man, dass das Lied nicht besonders tiefgründig ist. Letztlich ist die Vorstellung ein wenig naiv und irgendwie unerwachsen.
Es gibt Momente, da braucht mir keiner mit „Heaven is a Halfpipe“ zu kommen. Dann trifft mich die Frage, wie es mit dem Leben nach dem Tod aussieht mit ziemlicher Wucht.
Ein solcher Moment, der immer wiederkehrt, ist, wenn ich am Grab meiner Großeltern stehe. Dass sie gestorben sind, ist schon einige Jahre her, aber die Trauer kommt jedes Mal zurück wenn ich dort auf dem Friedhof bin, auch wenn ich sie im Alltag verdränge. Dieses Gefühl kann ich dann nicht einfach mit einem lockeren Spruch wegwischen. Und wehe dem, der das anstatt meiner versucht. In diesen Momenten versagt mir die Stimme, ich kann kaum sprechen. Meine Großeltern fehlen mir und es macht mich traurig darüber nachzudenken, bei was ich sie gerne noch dabei gehabt hätte. Bei meinem Abitur. Bei Weihnachtsfesten. An meinem Geburtstag. Und dann frage ich mich manchmal, ob sie doch noch irgendwo sind und vielleicht doch sehen können, wie es mir so geht.

Da hilft mir oberflächlicher Kram nicht weiter. Aber warum schreibe ich überhaupt über „Heaven is a Halfpipe“, wenn der Text so unbrauchbar ist? Das hat mit einem anderen Moment zu tun, der, ebenso wie die Trauer am Grab, oft wiederkehrt. Und dieser Moment hat mit dem Weg zur Kirche zu tun.
Manchmal zieht es mich an Sonntagen regelrecht in die Messe am Morgen. Dann beeile ich mich, rechtzeitig dort hinzukommen. Es ist nicht immer so. Aber wenn es ein solcher Tag ist, an dem ich unbedingt hingehen will, dann mache ich immer wieder eine wichtige Erfahrung. Ich spüre auf dem Weg nach Hause etwas Besonderes: Leichtigkeit.
Manchmal scheint an diesen Tagen die Sonne, während ich nach der Messe die zwei Straßen zu meinem Haus zurückgehe. Es ist eine Leichtigkeit, wie sie – zumindest ansatzweise – in diesem Lied steckt. Und doch ist sie wieder ganz anders. Es ist keine Feierstimmung. Aber eine Gelöstheit, wie es sie sonst nicht gibt und wie ich sie nur von diesem Moment her kenne. Dann gibt es kein drohendes Dunkel. Dann bin ich ganz locker und gelassen. Ich lasse die Sonne und den blauen Himmel auf mich wirken. Und in mir scheint auf, was im Psalm 62 niedergelegt ist: „Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung.“ Es ist die Hoffnung, dass der Tod nicht das Ende ist.

Mehr aus der Kolumne “KreuzWortFeuer”: Nicht ins Paradies. Nie?

 

Tobias WeyandTobias Weyand studiert Theologie in Trier und ist Musikfan ohne Genre-Grenzen. Auf seinem MP3-Player bringt er deswegen gerne auch mal Metallica, Blumentopf und die Wise Guys in derselben Liste unter. Er ist immer auf der Suche nach inspirierenden Texten und Melodien, sowie nach Filmen und Büchern.

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