Pages Navigation Menu

Glaube - Leben - Popkultur

Jesus und die Dschungelprüfung

gothopotam_piqs_de

gothopotam / piqs.de

„Ich bin ein Star holt mich hier raus“ ist vorbei, „Der Bachelor“ geht heute Abend ins Finale und die nächste Staffel „Big Brother“ lässt noch auf sich warten.

Es ist unverkennbar und ich oute mich: Ich bin Fan von Trash-TV! Oh mein Gott! Ein studierter Mensch sieht sich solche Sendungen an? Was ist schiefgelaufen? Anhand der Quoten beruhigt mich schon mal, dass ich nicht der einzige Zuschauer war und wohl sein werde, aber was ist das Faszinierende an diesen Fernsehformaten?

Einerseits sind sie sehr geeignet zum Abschalten nach einem Arbeitstag. Man verstehe mich nicht falsch, ich liebe anspruchsvolle Serien und Thriller, ziehe einen Krimi auch einer Komödie vor, aber manchmal muss es eher was seichtes sein. Beim Trash-TV muss man sein Gehirn nicht überstrapazieren…

Und auf der anderen Seite sind sie neben dem Unterhaltungseffekt, der durchaus auch gegeben ist, massentauglich und sind „Smalltalk-Initialisierer“! „Na, gestern Abend Dschungel geguckt?“ und egal wie die Antwort aussieht („Klar!“ „Ne, das ist doch Quatsch!“ „Gestern hab ich‘s verpasst“) man hat sofort Gesprächspotential! Irgendwie verrückt…

Was mich aber wirklich fasziniert ist – rückschauend – welche Botschaft sowohl von den „Schauspielern“ wie auch vom sehenden und aktiven Publikum am Ende stehen bleibt.

Die letzte Dschungel-Staffel gewinnt Joey Heindle, ein Junge der wie ein moderner Forrest Gump nach Australien verfrachtete wurde und dauerhaft gefilmt wird. Seine Sprüche zeigen, dass er nicht für den nächsten Nobelpreis in Frage kommen wird und trotzdem muss man ihn irgendwie gern haben. Natürlich wird sein Schicksal von erlebter häuslicher Gewalt von RTL dramatisch inszeniert und trotzdem kann Joey einem leid tun und verdient eine gewisse Art Respekt, weil er es eben nicht selbst an die große Glocke hängt, sondern nach vorn sieht. Dieser Joey ist derjenige der nicht über die Mitinsassen lästert, er wird nie vom Publikum für eine Dschungelprüfung nominiert, sondern setzt sich selbstlos immer selbst auf die Nominierungsliste. Ein Mann für den seine Liebe zu seiner Freundin die Welt bedeutet und ihn durchhalten lässt. Ein guter Mensch…

Die letzte Big-Brother Staffel, die über ein Jahr „Gefangenschaft“ über den Bildschirm flackern ließ, gewinnt ein Mann namens Rayo. Ein Mann, der sich mit allen im Haus auf eine bestimmte Art und Weise gut versteht. Der sich alles anhört, der für andere da ist. Ein guter Mensch. Er ist esoterisch und glaubt an Engel, ein spezieller, religiöser Mann mit langen Haaren und Vollbart…

Es ließen sich wirklich sogar noch mehr Beispiele aufführen, aber es zeigt sich (wenn man die Möglichkeit von Manipulation seitens des Senders mal ausschließt) dass die Zuschauer solche Menschen präferieren. Es gewinnt nicht der coole Macho, es gewinnt nicht die Lästerzicke, es gewinnt nicht der Intrigant. Sie sind zwar unterhaltsam und kommen weit in der Sendung, aber letzten Endes gewinnen die Außenseiter, die vorher keiner auf der Rechnung hatte. Die Letzten werden die Ersten sein!

Jesus war diesen Menschen sehr ähnlich. Mit Liebe, Glaube und „ein guter Mensch sein“ hat er auch die Menschen an sich gerissen und fasziniert. Anders sein als die propagierenden Mitstreiter um das Seelenheil, anders sein als lästernde Pharisäer, anders sein, gut sein.

Ich weiß nicht, wie viele Dschungelprüfungen Jesus hätte machen müssen oder wie viele er freiwillig gemacht hätte. Ich bin mir nur ziemlich sicher, dass er am Ende Dschungelkönig geworden wäre, weil das Publikum tief im Herzen solche Menschen respektiert, mag und vor allem braucht! 

Manuel Rawer

Manuel Rawer ist Religionslehrer an der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues. Trotz eines Leben als bekennender Serienjunkie und Sport-TV-Anhänger, versucht er möglichst viel in der ganzen Welt herumzukommen und Manna-Momente zu erleben!

Letzte Artikel von Manuel Rawer (Alle anzeigen)

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>