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Männergrippe

farm3.static - flickr.com

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Ich hab’ mich lange gewehrt. Nicht gemault und gejammert, sondern leise in mich hineingelitten, gute Miene zum bösen Spiel gemacht, damit die Frauenwelt sich nur ja nicht in ihren gemeinen, durchweg haltlosen und vollkommen übertriebenen Vorurteilen bestärkt sehen könnte ;-).

Welche denn? Dass jede laufende Männernase sofort zu einem unheilbaren Todesschnupfen inklusive mitleiderweckenden Begleiterscheinungen mutiert. Doch als auch nach Tagen keine Besserung spürbar wurde und zu allem Übel das Wundermittel für Kopf, Fieber und Gliederschmerzen aufgebraucht sowie mein Kissen zerbissen war und die unmittelbar von meinem Zustand Mitbetroffenen mich zum Arzt drängten, schälte ich mich dann doch widerwillig aus der Couch und schleppte mich zum Herrn Doktor.

Er nahm sich Zeit so kurz vor Feierabend. Fragte, schaute, kontrollierte und hielt alles in meiner Akte fest. Und dann muss ihm eine unscheibare Randnoitz ins Auge gesprungen sein: mein zu Hause – das Pfarrhaus. Sofort war er im Erzählmodus. Damals, vor Jahrzehnten, wirkte ein Pastor im Ort an den sich die ältere Generation noch immer schwärmerisch erinnert. Einer, bescheiden und offen im Auftreten, der für die Leute da war, sie begleitete und bei sich Unterschlupf anbot, bis – ja bis er sein Herz verlor. Seine Ordensfamilie war davon nicht amused und setzte ihn kurzerhand vor die Tür. Und in dieser Situation klingelt er bei – natürlich eben jenem, meinem Hausarzt und bittet um ein Nachtlager.

Kirche, so schließt der Allgemeinmediziner seinen Kurzvortrag, solle die Menschen nicht trennen, sondern umarmen. Barmherzig sein.  Ein wahrhaft geistreicher Gedanke. Diplomat und Prophet, Seelsorger und Theologe, Reformer und Charismatiker soll der neue Papst sein. Vielleicht könnte er auch Allgemeinmediziner sein, gar ein Landarzt. Einer mit ein bißchen Zeit für die Blessuren der Menschen. Der sich zuneigt, hinhört auf die Herzensangelegenheiten zwischen Blutdruck und Zuckerwert, der Hausbesuche macht, wer weiß vielleicht auch gelegentlich von der Schulmedizin abweicht und unorthodoxe  Alternativen ins Spiel bringt. Einer, der weiß, wann der Moment gekommen ist, einen Spezialisten zu konsultieren, stets im Sinne des notwendigen Heilsweges.

Ein weiser Mann, mein Hausarzt. Letztendlich verschreibt er mir Antibiotika. Ob ich allerdings diese Variante mit Salzwasser durch Nase und Hirn ziehen und elegant durch den Mund unter Vortäuschung eines Ertrinkungsunfall wieder rausfließen lassen bei uns im Badezimmer austeste und auf mich nehme – ähm, vielleicht. Es liegt halt doch nicht alles in der Gewalt der Götter in Weiß.

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1 Kommentar

  1. Leider wird der neue Papst nicht besser als der Alte. Zum Glück helfen wir wirklich jedem im Rettungsdienst und nicht wie die 2 katholischen Krankenhäuser, die nicht helfen, weil es gegen ihre Grundsätze verstößt.

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