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Glaube - Leben - Popkultur

Schatten über dem Champions-League Finale

Quelle: www.piqs.de

Quelle: www.piqs.de

Fußballdeutschland steht Kopf. Das Champions-League Finale mit rein deutscher Beteiligung, Borussia Dortmund gegen den FC Bayern München. Ein historisches Ereignis, das den deutschen Fußballfan ein bisschen stolzer macht und Fußball momentan zu einem Stellenwert führt, der über die schönste NEBENsache der Welt hinausgeht.

Auch ich liebe Fußball, an Samstagnachmittagen und englischen Wochen atme ich gewissermaßen diese Sportart. Meine Smalltalkthemen, aber auch Gespräche mit engen Freunden, drehen sich um dieses Thema und es verbindet momentan auch Menschen, die nicht ganz so viel mit dem Sport zu tun haben, weil man dem Thema medial nicht ausweichen kann. Es könnte alles so schön sein…

Doch neben dem tollen Erfolg der deutschen Vereine bestimmt(e) noch ein Thema die Medien: die Steueraffäre um Uli Hoeneß. Man betitelt ihn als den gefallenen Moralapostel; er spielt dem Wahlkampf in die Karten, da die Parteien jetzt erst recht gegen diese Probleme vorgehen wollen (es sei an dieser Stelle erlaubt zu erwähnen, dass ich als Otto Normalverbraucher davon ausging, dass man Verbrecher – und Steuerhinterziehung ist ein Verbrechen – eh bestraft, egal wer sie begeht, aber naja…); manchen tut er leid; andere fühlen sich bestätigt, da sie schon immer sagten, dass der Mann ein „Unsympath“ hoch drei wäre…

Ich will an dieser Stelle gar nicht für andere entscheiden wollen, was sie nun von Uli Hoeneß denken sollen – ich vertrete auch noch den Ansatz, dass alle Schuld erst bewiesen werden muss und dann darf man sich ein abschließendes Urteil bilden – mich erschreckt etwas ganz anderes an der Sache. Mich erschreckt vielmehr die Tatsache, um welche Summen von Geld es sich in dem Fall allein handelt und insbesondere was in den letzten Tagen ebenfalls vermeldet wurde, nämlich dass Mario Götze für 37 Millionen € zum FC Bayern wechselt.

SIEBENUNDDREISSIG MILLIONEN EURO – ich kann es kaum fassen, je länger ich die Zahl anschaue. Und das für einen Mann, der hauptberuflich Fußball spielt. Und medial thematisiert wird eigentlich nur noch ob der Zeitpunkt der Pressemeldung eine Provokation von Bayern war und das jetzt hoffentlich kein Dortmunder Fan pfeift, wenn der arme Mario aufläuft. Das Geld scheint völlig zweitrangig. Und das ist nur eine Summe, die ich aus Platzgründen erwähne und es ist nicht nur der FC Bayern, der mit Geld um sich wirft, das findet man in Manchester, in Mailand und in Madrid oder in Katar, völlig egal.

Jeder von uns weiß auf Anhieb, wo man das Geld sinnvoller anlegen könnte, wem es mehr nutzen würde… Ich will gar keinen Aufschrei lostreten, dass jeder Fußballverein lieber caritative Zwecke unterstützen sollte, diese Weltverbesserung steht sicherlich nicht in meiner Macht. Aber eines kann ich tun, kann jeder tun. Wir können darauf achten nicht mehr so abzustumpfen und alles hinzunehmen. Mich nervt, dass Fußball zu einem großen Teil nur noch Kommerz ist und ich nehme mir zumindest vor, dies zu kund zu tun und zum Nachdenken anzuregen. Ich empfinde 37.000000 Millionen € zu viel und wenn man mal drüber nachdenkt und ne Null wegstreicht, wäre das dann eigentlich in Ordnung?

Gerade jetzt ist das Motto des evangelischen Kirchentages treffender denn je: „Soviel du brauchst“! Es lädt nicht zu einem „Nimm alles was du kriegen kannst“ oder „Nach mir die Sintflut“ Verhalten ein, sondern appelliert an das Gewissen für ein soziales, gerechtes Miteinander zu sorgen und es zu erreichen zu versuchen! Soviel du brauchst, das gilt für Uli Hoeneß, das gilt für Mario Götze, das gilt für mich, das gilt für alle! Wir müssen vielleicht auch mal selbst daran glauben, wer aufgibt, hat bereits verloren.

 

Manuel Rawer

Manuel Rawer ist Religionslehrer an der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues. Trotz eines Leben als bekennender Serienjunkie und Sport-TV-Anhänger, versucht er möglichst viel in der ganzen Welt herumzukommen und Manna-Momente zu erleben!

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