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Glaube - Leben - Popkultur

Wahrer Reichtum

Quelle: www.piqs.de

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Trash-TV oder doch mehr? RTL zeigt Sonntags nachmittags die Endung Secret Millionaire. Zum Prinzip: Ein finanziell – nach eigener Aussage – gut betuchter Mensch erklärt sich bereit, eine Woche auf seinen Luxus zu verzichten und in die sozialen Randbereiche unserer Gesellschaft reinzuschnuppern. Der Millionär gibt sich dann als Sozialhilfeempfänger aus und schaut sich soziale Einrichtungen an und freiwilligen Helfern im Alltag über die Schulter. Meist folgt nach der Woche für die caritativen Einrichtungen eine Spende.

Ich selbst bin gespalten darüber, ob ich die Sendung für ein sinnvolles Konzept erachte oder nur Kitsch und Emotionshascherei.

Was mich nervt, ist die Tatsache, dass jeder Millionär als der neue Messias gefeiert wird. Mit seinem großen Vermögen lässt er sich zu den einfachen Menschen herunter, begibt sich auf Augenhöhe, ansonsten würde man ihn nur als Millionär behandeln und auf sein Geld warten. Ach wie nett die Millionäre doch sind! Sie spenden am Ende meistens für 3 verschiedene Einrichtungen und Menschen insgesamt 20.000 Euro. Ist ja ein richtig großer Betrag, wenn man überlegt, dass im Trailer vorher in die Kamera noch lustig der Satz „Die erste Million ist die schwerste“ geträllert wird. Da wundert es dann auch nicht, dass der Satz „Von nix, kommt nix“ oft mit solchen „Sparfuchs-Reichen“ in Verbindung gebracht wird.

Dem entgegen zu halten ist immerhin die Tatsache, dass er überhaupt etwas tut. Man muss ihm zu Gute halten, dass auch 20.000 € viel Geld sind und die sozialen Einrichtungen damit etwas anfangen können. Es ist besser als nichts, sogar deutlich mehr als nichts. Ob das Geld wirklich aus den Taschen des Millionärs kommt oder von RTL mag deswegen auch dahingestellt sein.

Viel störender ist aber die Tatsache, dass der geheime Millionär anscheinend extra ins Fernsehen muss, um seine Großzügigkeit unter Beweis zu stellen. Er lässt sich dabei filmen, wie er sich zu den niederen Arbeiten wie Putzen überreden lässt oder zuhause sogar sich selbst Essen kochen muss. Es legen zwar alle Millionäre großen Wert darauf sich hochgearbeitet zu haben und das Geld nicht geschenkt oder geerbt zu haben, aber Grundwerte wie Putzfrau und Privatkoch scheinen nicht zu Luxusgütern zu zählen. Es stellt sich doch die Frage, warum man soziale Einrichtungen nicht unterstützen kann, wenn man nicht von RTL bei seinen Wohltaten gefilmt wird. Aber jeder Millionär verspricht am Ende, dass er weiter in Kontakt mit den armen Leuten bleiben will. Er wird dann von seiner Finka in Mallorca mal kurz durchklingeln, denn auch völlig eindeutig dargestellt ist die Rückkehr des Millionärs in sein altes Leben, das auch hoffentlich möglichst weit weg von allem ist, was er in der Woche erlebt hat.

Gewinner der Sendung sind meines Erachtens nur die Nebendarsteller in der Serie, nämlich die Menschen, die in den Einrichtungen arbeiten. Die Rettungssanitäter, Ärztinnen, Sozialarbeiter, Kindergärtnerinnen, Streetworker, Seelsorgerinnen und und und. Alle ehrenamtlichen Helfer, die in der Suppenküche helfen, die in der Nachmittagsbetreuung ihre Freizeit verbringen, die für die Tafel Essen sammeln gehen, die für Obdachlose da sind, die medizinische Hilfe leisten, die sich aufopfern, die Gespräche führen, die sich wirklich mit Menschen mit Problemen auf Augenhöhe befinden, die zuhören, die da sind.

Für all diese Menschen möchte ich mich persönlich bedanken, was ich glaube noch viel zu wenig gemacht wird. Ihr gebt vielmehr als 20.000 € innerhalb von einer Woche, ihr gebt Woche für Woche, Tag für Tag, viel mehr. Ihr seid die wahren Vorbilder, nicht der reiche Mann, der so großzügig auftritt. Die Welt braucht keine geheimen Millionäre, die Welt braucht Menschen wie euch. Ihr braucht euch nämlich nicht zu verstecken.

Manuel Rawer

Manuel Rawer ist Religionslehrer an der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues. Trotz eines Leben als bekennender Serienjunkie und Sport-TV-Anhänger, versucht er möglichst viel in der ganzen Welt herumzukommen und Manna-Momente zu erleben!

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1 Kommentar

  1. Hallo Zusammen,

    ich gucke zwwar schon seit Jahren kein TV mehr, aber ich kann mir vorstellen, dass ich genaus so zu dem oben aufgeführten Format eingestllt wäre.

    Die wahren Heldinnen und Helden spielen, sowie der Autor schon richtig erkannt hat, leider meistens die Nebenrolle. Aber nur, wenn Geld das Glaubenskonzept ersetzt, was bei uns im Westen leider oft der Fall ist.

    Ganzherzige Grüße
    Maria Ma

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