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Glaube - Leben - Popkultur

Urlaub der verändert…

Juli 2013 – Reisebüro Koblenz

Wir wollen flittern, irgendwo außerhalb Europas und nicht Amerika. Vorschläge für etwa 10 Tage in den Herbstferien, Meer, Strand und Palmen wären schon ein Muss!

Afrika – Kenia! Ok wir buchen und wissen so recht noch nichts. Schön soll’s sein…

Manna Artikel Afrika 3

 

August bis Oktober Deutschland

Vorbereitungen laufen, das heißt wir müssen uns impfen lassen. Hepatitits A und B, Typhus, Gelbfieber kann man muss man nicht, gegen Malaria bekommen wir Tabletten zur Prophylaxe verschrieben. Besorgte Schwiegermütter schenken uns eigene Spritzen zum Mitnehmen und wir kaufen Anti-Mücken Spray, das durch seine Inhalte Plastik auflösen kann. Wir beantragen Reisepässe, ein Visum bekommen wir bei Ankunft im Zielflughafen. Die Spannung steigt!

 

Urlaubsbeginn – Äthiopien Flughafen

Da wir einen Zwischenflug gebucht haben, landen wir in Äthiopien und schon hier zeigt sich, das wird alles anders als irgendwo sonst. Die Wartehalle zeichnet sich durch ein Geschäft aus. Die Toiletten fallen aus, da das Wasser zur rituellen Waschung genutzt wird, es stört aber irgendwie keinen, außer den europäischen Touristen, der die Situation aber nun mal nicht ändern kann.

Manna Artikel Afrika 2

Ankunft Kenia – Transfer zum Hotel

Nachdem wir unsere Koffer haben und vom Reiseveranstalter einem Kleinbus zugewiesen wurden startet der Transport zur Rush Hour Richtung Hotel. Neben dem eh ungewohnten Linksverkehr fällt auf, dass jeder fährt wie er will, Verkehrszeichen gibt es keine, Ampeln und Mittelstreifen unbekannt. Ab und zu läuft eine Kuh quer über die Straße. Der deutsche Verkehrsminister wäre schon längst abgesägt worden, hier scheint es zu funktionieren. Der Deutsche neigt zur Maßregelung und Ordnung – mir kommt es vor als sei wohl genau das der Auslöser für viele Unfälle auf deutschen Straßen. Es ist nicht mal das Recht des Stärkeren, das den Verkehrsfluss reguliert, sondern das der Rücksichtnahme. Wenn gegenüber einer überholt und das nicht schafft, dann bremst man halt – völlig normal, auch wenn das Betätigen der Hupe je südlicher in der Welt deutlich zunimmt. Schon der Verkehr eine andere Welt…

Da gerade Rush Hour ist fährt unser Fahrer eine Abkürzung, die dazu führt, dass ich mich zum ersten Mal richtig schlecht als Europäer im Wohlstand fühle. Wir fahren zu sechst, abgeschottet im Bus durch einen Slum. Die Wellblechbuden und Bretterverschläge sehen in real trauriger aus als im Fernsehen. Der Geruch von brennendem Müll durchzieht die Straßen, die von Menschenmassen frequentiert wird. Massenhaft ist auch der Müll, bergeweise Plastikreste und ähnliches türmen sich am Straßenrand. Tiere laufen hindurch, fressen davon. Kinder sitzen darin, spielen im Müll. Ich habe schon Dokumentationen im Fernsehen gesehen über Armut in Afrika und empfand es als schlimm. Hier vor Ort, als der Tourist, der vorbeifährt in sein 5 Sterne Hotel, bringt es einen fast zum Weinen. Eine wirklich elende Situation, die live noch unfassbarer und surrealer ist…

087

Im Hotel selbst ist es eine völlig andere Welt… Ich kam mir selten als Gast so wie ein König vor, wie hier. Jeder Mitarbeiter war so unfassbar freundlich, man blieb stehen und machte den Gang frei wenn man kam, nicht einmal die Wasserflasche durfte man selbst öffnen. Es war uns teilweise schon unangenehm, so bedient zu werden. Besonders wenn man erfährt, dass der Kellner, der uns bedient 100 € verdient. Im Monat! Umgerechnet arbeitet dieser Mann für 35 Cent die Stunde! Damit verdient er in der Relation gar nicht schlecht! Das sind 10 Cent mehr als der Pfand auf eine Wasserflasche bei uns in Deutschland, die ich teilweise nicht einlöse, weil es mir zu lästig ist! Davon ernährt der Kellner nicht nur sich…

 

“Wenn du bist in Afrika, du musst machen Safari!” sagt noch der Barkeeper am Abend als er uns für 2 Tage verabschiedet. Und er hatte sowas von recht. Löwenrudel, Giraffen, Büffel, Zebra, Elefant! Einer? Zwei? Nein – 60! Es sind Bilder, wie im Dschungelbuch! Es ist so unglaublich schön, dass man auch hier weinen könnte, vor Freude!

Auf Safari

 

Gerade auf dieser Safari kommt man ins Grübeln. Wie kann diese unsagbare Schönheit der Natur im selben Kontinent beheimatet sein, wie dieses menschliche Elend? Hat Gott Afrika und seine Natur erschaffen und dann – wie Leonardo di Caprio in Blood Diamond feststellt – “Gott hat Afrika längst verlassen” – seinem Schicksal überlassen?

Auf der Rückreise durch die Dörfer und Landstriche fällt mir unbewusst eines auf: Wie viele Moscheen und Kirchen es gibt. Wie viele Schulen und Freizeitangebote deutlich gekennzeichnet sind durch christliche Ausrichter. Wie viele Menschen dort sind. Wie viele Kinder dort sind. Wie viele Kinder unserm Bus winken und sich freuen. Gott hat Afrika nicht verlassen! Das Schicksal dieser Menschen liegt auch in unseren Händen, das ist was wir begreifen müssen. An dem Abend fällt unser Trinkgeld 10 mal so hoch aus wie sonst. Man hat den Eindruck, es wäre immer noch zu wenig.

Irgendwie stimmt das. Es ist zwar etwas, aber noch zu wenig…

 

 

Manuel Rawer

Manuel Rawer ist Religionslehrer an der Berufsbildenden Schule in Bernkastel-Kues. Trotz eines Leben als bekennender Serienjunkie und Sport-TV-Anhänger, versucht er möglichst viel in der ganzen Welt herumzukommen und Manna-Momente zu erleben!

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2 Kommentare

  1. das höhere Trinkgeld hättest du schon vor der Safari geben müssen. warum ist dir dieser gedanke erst danach gekommen?

    • Worin besteht der Unterschied deiner Meinung nach?

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