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Ich bleibe dasselbe, so alt du auch wirst – #Meerparade

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Susanne hat mich eingeladen, bei der #Meerparade mitzuschreiben, die hier gestartet wurde. Also habe ich in meinen Meererinnerungen gekramt…

 

Ich bin nicht am Meer aufgewachsen. Ich war auch als Kind nicht häufig dort, weil meine Eltern eher zur Wanderfraktion in Alpenregionen zählten als zu Sandburgbauern. Ans Meer bin ich anfangs mit vielen anderen gefahren. Typische Ferienfahrten. Kraftproben im Sand, erstes Verliebtsein und nach einer Woche aufgehellte Haare. Später dann mit meiner Liebsten immer wieder ans große Wasser. Ganze Länder durchquert von Küste zu Küste. Für diesen ersten Blick: Jedesmal wenn ich die letzten Schritte über einen Deich gehe oder sich der Blick zwischen Häuserzeilen zum ersten Mal übers Meer weitet habe ich das Gefühl gleichzeitig auf etwas Fremdes und doch Vertrautes zu treffen. Obwohl es eigentlich nur ein einziges Meer gibt, zeigt es mir ganz unterschiedliche Gesichter.

Da ist die niederländische Nordseeküste, meine älteste aktive Meererfahrung, die scheinbar so tief sitzt, dass ich dafür sogar auf fragwürdige Versprechungen reinfalle. Hier ist es nie richtig heiß, immer windig, oft eher grau als blau. Trotzdem das erste Bild, das mir einfällt, wenn ich “Meer” höre.
Dann ein ganzes Jahr an der irischen Küste. Wenig Strand, felsig, aber rau und deshalb ohne Kitsch. Mehr Bewegung und mehr Weiß im Wasser als anderswo. Mein Lieblingsmeer.
Im Gegensatz dazu ein fast unbewegliches Meer. Ein katalonischer Strand mit Wasser davor, die Luft darüber heiss, sodass man lieber im Meer sitzt als drauf zu schauen.
Besonders auch, am Meer entlang zu reisen. An der amerikanischen Ostküste. Von Nord nach Süd. Bei relativ gerade Küstenlinie ist die Trennung zwischen Wasser und Land noch schärfer, aber der Blickwinkel auch besonders weit. Erst recht, wenn man in einem Land unterwegs ist, dem das ständige Unterwegssein, coast to coast, so tief in die kollektive DNA eingedrungen ist.

Wer gern am Meer ist, will auch andere dahin mitnehmen. Als wir in diesem Herbst einen Ort suchen, an dem wir ein paar Tage Musik machen und neue Ideen schmieden können, wird schnell klar, dass es Musik UND Meer werden muss. Ein bisschen unsicher bin ich jetzt, ob die hochoffiziellen Stellen uns die dringend benötigten Zuschüsse überweisen. Ich warte eigentlich nur darauf, dass irgendein Typ, der die Kalkulation Erbsen zählend nachrechnet mich fragt, warum wir extra ans Meer gefahren sind, obwohl es bestimmt auch etwas näher ein gutes Haus für so eine Fahrt mit Jugendlichen gegeben hätte.

Und ich höre mich schon in den Telefonhörer brüllen:

“WENN SIE AUCH NUR ANSATZWEISE EIN KREATIVER MENSCH WÄREN, DANN WÜSSTEN SIE, DASS MAN INSPIRATION BRAUCHT, UM MUSIK ZU MACHEN. IDEEN KOMMEN NÄMLICH NICHT VON ALLEIN. UND ICH KENNE NIEMANDEN, WIRKLICH NIEMANDEN, DEN DER BLICK AUFS MEER VOLLKOMMEN EMOTIONSLOS ZURÜCKLÄSST!”

Und dann schicke ich ganz leise hinterher:

“Das Meer bringt Himmel und Erde zusammen, weil man den Horizont nirgendwo klarer sieht als hier. Das Meer ist ein Altarbild.”

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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1 Kommentar

  1. Meer ist Inspiration. In der Tat. Danke für den schönen Beitrag zur Meerparade.

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