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KreuzWortFeuer: Ich bin nicht programmiert

KreuzWortFeuer-sidebarWer das Manna-Magazin liest, darf sich auf der sicheren Seite wähnen. Er kann von sich sagen, dass er nicht ganz abgehängt ist vom Thema der Digitalisierung, das derzeit in aller Munde ist. Immerhin lesen die Besucher unserer Seite ein Internetmagazin. Auf der anderen Seite gibt es Leute, die noch nie im Internet waren und das sind nicht ausschließlich Senioren.

Dass das Internet und die damit verbundenen Technologien eine große Rolle für fast jeden Menschen spielen, dürfte dabei unbestritten sein, aber manchen Menschen – und das betrifft nicht nur Internetabstinenzler – ist die zunehmende Bedeutung des Internets suspekt. Diese Internetskeptiker scheinen nicht wenige zu sein – denn sonst hätten weder Placebo mit „Too Many Friends“, noch Tim Bendzko mit „Programmiert“ es ins Radio geschafft. Obwohl ich selbst kein Internetabstinenzler bin, gefallen mir beide Lieder gut. Sie regen dazu an, einmal darüber nachzudenken, was man im Alltag im Internet so alles treibt und wie sich das auf einen selbst auswirkt. Von so trivialen Dingen wie Pizza bestellen bis zum Suchen der großen Liebe, Wohnungssuche, Bankgeschäfte, Kommunikation, Reiseplanung,… für all das gibt es im Internet eine Plattform oder eine Dienstleistung. Die Liste der Dinge, die man über das Internet erledigt oder erledigen kann, könnte man noch lange fortschreiben. Ich bemühe selbst gerne Internet-Serviceseiten, noch eher als irgendwo anzurufen. Das spart mir oft einiges an Wegen, die ich zurücklegen muss und vielleicht auch manchen unangenehmen Servicemitarbeiter. Meistens sind die Internetportale ja auch ziemlich praktisch.

Es gibt allerdings einen Bereich, in dem ich das Internet, wenn es irgendwie möglich ist, ganz verbanne und zwar, wenn ich auf Reisen bin. Ich weigere mich standhaft, Urlaubsgrüße über das Netz zu verschicken. Ich schreibe immer noch lieber Postkarten, auch wenn die Karten meistens erst dann ankommen, wenn ich wieder zuhause bin. Die Internetvermeidung auf Reisen betreibe ich nicht nur aus Nostalgie oder zum Schutz der Postkarte, sie hat für mich einen tieferen Sinn.

Würde ich über das Internet Urlaubsgrüße verschicken, wären sie natürlich sofort da. Aber wenn ich mich ins Netz begeben würde, würde ich mich aus dem Urlaub zu schnell wieder in alles einklinken, was zuhause passiert. Ich könnte doch nicht davon lassen in meine Mails zu schauen, die Nachrichten in den Zeitungen und die Neuigkeiten auf Facebook zu lesen. Mir würde das passieren, was Tim Bendzko im Refrain von „Programmiert“ beschreibt: Ich wäre an zwei verschiedenen Orten zur selben Zeit – was bei mir dazu führen würde, dass ich nirgendwo richtig anwesend wäre. Nicht dort, wohin ich verreist bin und nicht daheim. Dabei ist Urlaub für mich eigentlich dazu da, aus dem Alltag herauszukommen, auch gedanklich.

Das Gefühl an zwei Orten gleichzeitig zu sein – oder sein zu müssen und nicht vermeiden zu können, gibt es für mich aber auch außerhalb des Urlaubs. Ich bin in so viele Zusammenhänge eingebunden: Familie, Arbeit, Freunde, Hobbies,… ich versuche allem gerecht zu werden und bin dann doch ständig wieder gedanklich abwesend, obwohl ich gerne zu 100% präsent wäre. Es kann passieren, dass ich das Gefühl habe, etwas hinterher zu hetzen und doch nirgendwo anzukommen. Unruhe und Nervosität begleiten mich.

Nun hängt das Problem des Gehetztseins und der gedanklichen Abwesenheit nicht nur an der Technik, die ich benutze. Es liegt zu einem guten Stück auch an mir selbst und mit Sicherheit auch an der Art, wie wir heute leben. Aber was passiert, wenn ich nicht mehr mitkomme? Muss ich dann mein Tempo beschleunigen? Einen Ratgeber für Zeitmanagement lesen? Beides erscheint mir nicht sinnvoll. Irgendwann bin ich einmal auf einen Bibelvers gestoßen, den ich mir als eine Art Mantra zu behalten versuche: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit…“ (Koh 3,1ff).

Für mich ist das der Versuch, dort präsent zu sein, wo ich bin. Der Versuch, das zu Erleben, was es zu erleben gilt. Mich nicht von den Dingen ablenken zu lassen, die ich gerade sowieso nicht erledigen kann. Und es heißt: Den wichtigen Dingen dann ihren Platz einzuräumen, wann es ihnen gebührt. Mich auf die Menschen zu konzentrieren, wenn ich sie sehe. Die Musik auf einem Konzert richtig zu hören. Einfach mal da sein.

 

Tobias WeyandTobias Weyand hat gerade sein Referendariat begonnen. Er ist Musikfan ohne Genre-Grenzen. Auf seinem MP3-Player bringt er deswegen gerne auch mal Metallica, Blumentopf und die Wise Guys in derselben Liste unter. Er ist immer auf der Suche nach inspirierenden Texten und Melodien, sowie nach Filmen und Büchern.

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