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Glaube - Leben - Popkultur

Zündet alle Lichter an!

Quelle: commons.wikimedia.orgWas wären eigentlich Winter und Weihnachten ohne Licht? Wenn keine Lichterketten über den Straßen hingen? Wenn sich keine Lichter von Weihnachtsmarktbuden auf dem nassen Pflaster der Weihnachtsmärkte spiegelten? Ohne die Zeit, in der die Kerzen am Adventskranz brennen? Das wäre so, als würde man in allen Häusern die Heizung abstellen – furchtbar kalt und ungemütlich. Vielleicht ist das Anzünden und Anschalten der Lichter so eine Art Verteidigungsmaßnahme gegen den Trübsinn, der einen in der dunklen Jahreszeit ereilen kann. Andererseits ist Trübsinn nichts, was der Winter für sich allein gepachtet hätte. Probleme wälzen kann man das ganze Jahr über. Auf der einen Seite sieht man sich ständig Nachrichten an, die überwiegend aus unerfreulichen Dingen bestehen, die zu schwierig scheinen, als dass sie jemals gelöst werden könnten. Wenn man sich die ganze Zeit mit solchem Elend beschäftigt, kommt man schnell ins Grübeln. Auf der anderen Seite stehen persönliche Probleme, die sich an keinen Jahreskalender halten: Angst um die Arbeit und das eigene Auskommen, Sorgen um die eigene Gesundheit, um die Beziehung oder das lange Alleinsein.

Schwarz ist nicht die Farbe der Saison

Man könnte sich in solchen dunklen Gedanken verlieren und manche tun das auch. Nicht umsonst gibt es ganze Sparten von Musik, in denen es um die Nachtseite des Lebens geht: Gothic, Emo, Black Metal,… wer seinen Blick über die CD-Cover in diesem Bereich schweifen lässt, wird Schwarz als dominierende Farbe sehen. Im Advent, der Vorbereitungszeit auf Weihnachten, wollen die meisten Menschen nichts von düsteren Klängen wissen. Sie sehnen sich nach Harmonie und Wohlsein und singen Lieder, in denen man an das Schöne und Gute denkt. Im Grunde fängt es schon im November an. Man denkt an St. Martin, der seinen Mantel teilte um einem armen Mann vor der Kälte zu schützen. In vielen Gegenden gibt es Martinszüge, bei denen Kinder mit Laternen umherziehen und später am Martinsfeuer stehen. Im Dezember folgt das Fest des Heiligen Nikolaus, der ebenfalls als Wohltäter bekannt ist. Dann brennt schon die erste Kerze am Adventskranz und in den Fenstern stehen die ersten Lichterbögen.

KreuzWortFeuer-sidebarDiese ganze Zeit steuert auf noch mehr Licht hin. Es werden nach und nach vier Kerzen am Adventskranz angezündet, die Weihnachtsbäume werden mit Lichterketten versehen. In einem der beliebtesten Weihnachtslieder hört man vom Stern über Betlehem und vom Jesuskind in der Krippe. In der biblischen Überlieferung umstrahlt den Engel, der den Hirten die Botschaft vom in dieser Nacht geborenen Retter verkündet, „der Glanz des Herrn.“ (Lk 2,9-11), mitten in der Dunkelheit.

Mehr Lichter – überall

Nicht jeder mag Weihnachten. Zu viel Kitsch, zu viel Kommerz, zu viel heile Welt meckert mancher Kritiker. Wer braucht schon dieses ganze Klimbim mit Lichterketten, Weihnachtsmärkten und vollgestopften Innenstädten? Wer so redet, erhebt sich vermeintlich über den naiven, ungebildeten, geschmacklosen Pöbel – und hat doch nichts verstanden. Denn diese Sehnsucht nach Harmonie, die im Advent zum Ausdruck kommt, der Gedanke, dass vielleicht doch alles gut wird – dass Sorgen und Ängste ein Ende haben werden – ist der Ausdruck einer tief sitzenden Hoffnung trotz aller Hoffnungslosigkeit, die über das ganze Jahr verbreitet wird. Deswegen ist Weihnachten sicher auch die Zeit der Spendenaufrufe. Sie stehen für den Gedanken, dass das Dunkel in der Welt nicht das letzte Wort hat. Dafür, dass alles einmal gut werden kann und manche Dinge schon gut sind. Diesen Gedanken haben Sportfreunde Stiller schon vor der Weihnachtszeit ins Radio gebracht: Ein großartiges Bild haben sie in ihren Refrain gepackt: Überall auf der Welt zündet man Lichter an: „Zündet ein Leuchtsignal in New York, Rio, Rosenheim…“ und auf der ganzen Welt. Die schlechten Nachrichten und Sorgen haben nicht das letzte Wort. Die Menschen dürfen sich über das Gute und Schöne freuen. So wie an Weihnachten.

Tobias Weyand

 

Tobias Weyand hat gerade sein Referendariat begonnen. Er ist Musikfan ohne Genre-Grenzen. Auf seinem MP3-Player bringt er deswegen gerne auch mal Metallica, Blumentopf und die Wise Guys in derselben Liste unter. Er ist immer auf der Suche nach inspirierenden Texten und Melodien, sowie nach Filmen und Büchern.

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