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Glaube - Leben - Popkultur

Mehr Auswärtsspiele

complize / photocase.com

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Vermutlich erreicht dich dieser Blogpost zu spät. Schon fünf Tage ist das neue Jahr alt und falls du zu den Menschen gehörst, die sich für ein neues Jahr auch neue Dinge vornehmen, hast du das sicherlich längst getan. Oder du findest das total überbewertet, weil du in einem kalendarischen Jahreswechsel eine ziemlich unbedeutende Grenze siehst oder insgeheim schon weißt, dass du deine Vorsätze sowieso nicht halten wirst. Aber immerhin hast du bis hierhin gelesen und deshalb scheint dich die Frage nach den guten Vorsätzen doch irgendwie noch zu beschäftigen. 

Am Silvesterabend war es wie immer: Irgendwer fragte in die Runde, was sich jeder für 2014 so vorgenommen hat. Mir fiel nichts ein. Alle spontan durch meinen Kopf schießenden Ideen schienen mir blöd, naiv, trivial. Alles zusammen. Mehr Sport machen, eine neue Sprache lernen, mehr Zeit mit Freunden und Familie verbringen. Alles schon mal durchgespielt und mit maximal mittelmäßigem Erfolg erledigt. Andererseits: Keine Ziele setzen, nichts anders machen wollen, weiter im eigenen Saft schmoren – auch keine verlockende Vorstellung für mich. Also habe ich mich entschieden, das beste beider Möglichkeiten zu kombinieren: Nimm dir was vor fürs neue Jahr, aber halte dich nicht mit Details auf, die dich vom eigentlichen Ziel deiner Neujahrsvorsätze abhalten. Denn im Grunde kommt der Leistungssportler in dir durch, wenn du überlegst, was im neuen Jahr anders werden soll. Let me expand:

Du bist wahrscheinlich nicht mehr auf der Suche nach dem, womit du einen Großteil deiner Lebenszeit verbringen wirst. Du hast dein Studienfach, deine Ausbildungsstelle oder sogar schon deinen Beruf gefunden – du bist mehr oder weniger auf eine Sportart festgelegt. Wenn du in eine neue Saison startest, kannst du gezielt an bestimmten Fertigkeiten arbeiten, um sie zu verbessern: Grundschnelligkeit, Wurfstärke, Kondition…you name it! Wenn eine dieser Grundfähigkeiten bei dir ein echter Schwachpunkt ist, macht das auch absolut Sinn. Wenn du aber ohnehin ein Allrounder bist, ohne gravierende Schwächen in deinem Spiel, dann würde ein guter Coach dir andere Trainingsaufgaben stellen. Viel wichtiger als noch größere Ballsicherheit oder noch mehr Sprungkraft wäre zum Beispiel mentale Stärke in Drucksituationen. Die lernt man am besten bei Auswärtsspielen. Jeder spielt im Zweifel lieber Zuhause als auswärts. Hier kennst du alles vom Kabinengang bis zur Eckfahne, hier sind überwiegend Leute auf den Rängen, die das gleiche Trikot tragen wie du und bei denen du bei Anpfiff erstmal ein Sieger bist. Heimstarke Mannschaften sind beliebt bei ihren Fans, aber Meisterschaften gewinnt man “on the road”. Wenn du richtig gut werden willst, musst du in der Lage sein, auf unbekanntem Platz genauso gut zu spielen, wie dort, wo du täglich trainierst. Wenn du als Spieler insgesamt besser werden willst, solltest du diese Situationen sogar gezielt suchen, weil du weißt, dass du daraus nur lernen kannst.
Was heißt das für deine Neujahrsvorsätze? Wenn du mit grundlegenden Fragen in deinem Leben unzufrieden bist, ist es wirklich Zeit das anzugehen. Du hast so wenig Bewegung, dass es echt gesundheitsgefährdend wird – und ab raus zum joggen.  Du sprichst so selten mit Freunden, dass du keine Ahnung mehr hast, was in ihrem Leben gerade los ist – häng’ dich ans Telefon. Wenn dein Leben aber grundsätzlich ganz ausgewogen läuft, dann ruh’ dich 2014 trotzdem nicht auf dem Sofa aus, sondern sorge für mehr Auswärtsspiele. Such dir gezielt Situationen, die dir noch nicht vertraut sind. Wenn du vorher noch nicht genau weißt, wie du dich verhalten wirst. Du wirst extrem davon profitieren – besonders dann, wenn mal unerwartet eine Verletzung reinkommt. Dann geht’s nämlich nicht mehr um Grundschnelligkeit und Zweikampfverhalten – sondern um mentale Stärke.

Christian Schröder

Christian ist Gründer von Manna und liebt gute Geschichten und beide Sorten Football. Seit 2013 ist er geistlicher Leiter von kafarna:um, einer Hauskirche für Jugendliche und junge Erwachsene in Aachen.

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