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Glaube - Leben - Popkultur

Wachstum ohne Grenzen

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Hannah Nicole [Aspire] / flickr.com (CC BY 2.0)

So ein paar schlaue Jungs in den USA haben mal die These aufgestellt, dass erst die Möglichkeit zur Schuldenaufnahme das Wirtschaftswachstum eines Staates ermöglicht. Klingt auch erst mal logisch: Ein Unternehmer kann große Investitionen nur tätigen, wenn er genügend Geld zur Verfügung hat – zum Beispiel eben durch Kredite. Private Haushalte, Leute wie du und ich also, machen heute Schulden, die sie morgen zurückzahlen, und haben dadurch ihr Leben lang ein ziemlich gleichmäßiges Einkommen zur Verfügung. Und damit Staaten stabilisierend in die Wirtschaft eingreifen können, müssen sie ihre Ausgaben mit Schulden finanzieren können. Problematisch wird es erst, wenn die Schuldenquote – das Verhältnis von Schulden zum Einkommen – einen bestimmten Wert überschreitet. Man kann ziemlich genau berechnen, wo dieser Wert liegt: Ist zum Beispiel ein Staat zu mehr als 90 Prozent seines Bruttoinlandproduktes verschuldet, wird’s schädlich. Dann verlieren Anleger das Vertrauen in die Märkte und im schlimmsten Fall kommt auch noch Moodys vorbei und stuft mich ordentlich runter in der Bewertungsskala.

In meinem alltäglichen Leben ist das ganz ähnlich, glaube ich: Nur wenn ich die Chance habe, Fehler zu machen, nur wenn mir andere Leute das Recht einräumen, schuldig zu werden, ohne mir direkt meine Bonität abzusprechen, kann ich wachsen. Problematisch wird es, wenn ich mich vollständig verrannt habe – so wie im Augenblick einige Eurostaaten. Freunde, Verwandte, selbst gänzlich Unbeteiligte werden in solchen Momenten ganz schnell zu Rating Agenturen, die mir ihr Vertrauen pauschal absprechen. Gesellschaftlich gibt es leider eher selten sowas wie einen Euro-Rettungsschirm. Zum Glück schaut wenigstens Gott nicht darauf, wie das Verhältnis meiner schlechten zu meinen guten Taten ist und rechnet das aus. Er fragt auch nicht nach Immobilien oder anderen Sicherheiten, also zum Beispiel, seit wie vielen Generationen meine Familie denn schon katholisch ist oder wie oft ich sonntags in die Kirche gehe, bevor er mir vertraut. Die Fiskalunion, die er mit mir eingehen will, gilt total, zinslos und auf ewig. Neu anfangen kann ich bei ihm jeden Tag, und wachsen sowieso – so lange, so schief und so hoch, wie ich will.

 

Maike_SiebenMaike Sieben aus Erkelenz hat Gründung und Pleite ihres ersten Startups, einer Kellerkirche im rheinischen Braunkohlerevier, schon hinter sich (siehe hier). Momentan studiert sie in Aachen VWL und Soziologie und bereitet sich auf ein Auslandssemester vor.

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