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Glaube - Leben - Popkultur

Zeitenwende

Die Jurte - weitblicken

Die Jurte – weitblicken

Als unser Ältester im Alter von ein paar Tagen aus der Geburtsstätte entlassen und nach einer, besonders für die jungen Eltern spannenden, allerersten Autofahrt in sein neues Zuhause getragen wurde, veränderte sich unser Leben. Sicher, wir waren vorbereitet durch ausgiebige Lektüre und lustige Schwangerschaftskurse, weise Ratschläge und stundenlanges Rätselraten, wie das denn so sein würde. Mit Dir. Dem neuen Mittelpunkt. Alle Augen auf Dich. Was mitunter zu witzigen Aktionen führte, vor allem, wenn Du gerade am Schlafen warst. :-) Die Auftritte der deutschen Fußballmannschaft während der Europameisterschaft wurden ohne Ton verfolgt, schmutziges Geschirr gestapelt und der Toilettengang zwecks Vermeidung der Klospülung so lange wie möglich herausgezögert. Grins, letzteres war ein Scherz. Aber im Bereich des Denkbaren. Wie auch immer. Unsere Welt hat sich mit Deinem Auftreten verändert. Und tut es immer noch. Auch dank Deiner zweier Brüder.

Das neue Jahr ist auch erst ein paar Tage alt. Die großen Ereignisse, die die Zeit still stehen lassen oder eine Zeitenwende einläuten, scheinen mit 2014 noch nicht eingetreten zu sein. Lewandowski wechselt zu den Bayern. War abzusehen. Frau Merkel empfängt, wenn auch etwas gehandicapt die Sternsinger. Fast wie immer. Und in Syrien beherrscht Krieg die Menschen. Sehr traurig. Und weit mehr als das.

Routine ist per se nichts Schlechtes. (Außer, wenn Nachrichten aus Kriegsgebieten zu solcher verkommen) Nichts, was Menschen einen Schrecken einjagen müsste.  (Dann schon) Wäre doch zu verrückt, dass vor jeder  Nutzung des Autos sowohl Fahrtechnik als auch Fahrregeln von der pike auf wieder neu erlernt werden müsste. Routine kann aber auch ganz gut einschläfern und einlullen. Wie wär’s mit dem klassischen Mittelweg? Einfach mal das Transportmittel wechseln. Mal mit dem Bus, dem Rad oder zu Fuß. Eine neue Strecke ausprobieren. Ein neues Ziel.

Ich finde Neujahrsvorsätze spannend. Oder richtiger: die Leute dahinter. Dieses kurze Anhalten und Nachdenken, wenn sie sich in die Frage stellen: “Entschuldigen Sie, haben Sie Vorsätze für das neue Jahr? Wenn ja, welche?” Mein Vorsatz ist mir gestern Morgen, so um kurz vor neun aufgegangen. Unterwegs mit einem Drei – und einem Fünfjährigen Richtung Kindergarten. Es war Spielzeugtag. Beide bepackt mit Weihnachtsgeschenken. Dummerweise hatte sich der Jüngere, ohne zu fragen, den Drachen des Älteren ausgeliehen. Dummerweise bemerkte genau das der große Bruder schon auf den ersten Metern unseres zehn minütigen Spaziergangs. Ab dem Moment ging es hin und her. Du must mich aber fragen. Morgen frage ich dich auch nicht. Nein! Doch! … Stöhn. Was für eine Kinderkacke. Von wegen. Dieses Aufrechnen geht auch einem Kindskopf im Alter von 37 Jahre geradezu kinderleicht von der Hand.  Vielleicht sogar noch besser, weil perfektioniert.  Dann, mitten hinein ins Grübeln, trifft mich ein Ausruf des Propheten Jesaja (Jes 54,2): “Mache weit den Raum deines Zeltes, und deine Zeltdecken spanne aus! Spare nicht! Mache deine Seile lang, und deine Pflöcke stecke fest!” Da will ich hin. Einen weiten Raum schaffen, in dem, auch im Alter noch, Hoffnung wohnt. Jetzt muss nur noch das Wort ins Fleisch übergehen. Und alles wird, wie es sein soll.

P.S.: Hat eigentlich schon jemals jemand von einem Vorsatz gehört, der sich nicht auf die eigene Person konzentriert? Etwa wie: Ich nehme mir vor, Frau XY bei dem Versuch das Rauchen aufzugeben, positiv zu unterstützen.

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