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Wofür schlägt Dein Herz?

kallejipp - photocase.com

kallejipp – photocase.com

Damals, quasi im Gestern, im Jugendalter, als alles noch neu und zum ersten Mal erlebt und fremde Welten großspurig leichten Fußes durchschritten wurden, war der Wunsch die Welt handelnd zu verändern so present wie Akne. Wir träumten davon den Dorfbewohner ihren Müll zu zeigen. In der Nacht und Nebelaktion sollten alle gelben Säcke heimlich zusammengetragen und zu einem monströsen Berg aufgetürmt werden. Die schiere Masse würde von alleine und ohne Worte zum Umdenken führen. Es blieb ein Traum. Warum? Vielleicht weil der Gedanke daran schon ausreichend berauschte oder die Angst vor garantierten Konsequenzen, den Wagemut schrumpfen ließ. Es war eine Schwärmerei ohne Tatendrang, weil halbherzig. Und es öffnet sich die Frage: Wofür schlug mein Herz damals? Woran hängt es heute?

Beim Durchstöbern der Tageszeitung bleibe ich für Minuten bei einer 84-jährigen Nonne stehen. Ihre Geschichte ist nur ein Bruchstück eines ausgereiften Lebenswerkes. Schwester Megan Rice geht für drei Jahre in ein amerikanisches Gefängnis, weil sie in einem pazifistischen Protest auf das Gelände einer schwer bewachten Atomanlage eingedrungen war. Im Inneren der Anlage schleuderten sie mit Menschenblut gefüllte Babyflaschen gegen die Außenmauern des Lagerhauses und besprühten sie mit biblischen Friedensbotschaften wie “Schwerter zu Pflugscharen” oder “Spieße zu Sicheln” – zum Andenken an die Opfer von Kriegen. Außerdem sollen sie mit Hämmern ein paar Steine aus der Mauer geschlagen haben. Anschließend ließen sie sich widerstandslos festnehmen.” (Zitat von süddeutsche.de vom 19.02.14) Die Schwester des zivilen Ungehorsams wurde nicht zum ersten mal in ihrem Leben festgesetzt. Seit den achtziger Jahren ist sie in der Anti-Atomkraft-Bewegung aktiv. Warum? Sie fühlt sich dazu verpflichtet. Berufen.  Ihr Dasein als Nonne liefere den notwendigen Freiraum für derartige Protestaktionen: “Wir sind frei wie die Lerchen. Wir haben keine Verantwortung – keine Kinder, keine Enkelkinder, keine Jobs.”

Frei von macht frei für.

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