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Glaube - Leben - Popkultur

Das Tor zum Himmel

Keoni_Cabral

Bildnachweis: Keoni Cabral / flickr.com (CC BY 2.0)

Videos aus Subkulturen taugen offenbar nicht als Skandal. Ich kann es mir sonst nicht erklären, warum Marterias Video zu „OMG!“ kein lautes Rauschen im Blätterwald produziert hat. Immerhin sieht man im Video zwei knutschende Nonnen. Wenn das nicht mal ein Grund für eine Empörungswelle ist, weiß ich es nicht. Womöglich war aber auch die Sequenz zu kurz, oder küssende Nonnen provozieren schon lange nicht mehr genug. Es könnte aber auch an der sonst beinahe katholisch anmutenden Bildwelt des Videos liegen, dass die Gemüter sich nicht erhitzten. Marteria fährt das volle Programm der wunderbaren Erscheinungen mit einer Blut weinenden Madonna, Stigmata und sogar dem Phänomen der Levitation, dem dauerhaften Sicherheben des Körpers vom Boden. Vielleicht hat das die katholischen Publizisten beruhigt.

Ob Marteria wohl weiß, dass er mit der Levitation in seinem Video etwas zeigt, von dem auch die Heilige Teresa von Ávila berichtete? Kennt er die bezeugten Wundmale Christi bei Franz von Assisi? War er auf Wallfahrt zu einer Blut weinenden Marienstatue? Bei näherer Betrachtung ist das eher unwahrscheinlich. Marteria kommt aus Rostock, was nicht gerade als katholischer Hotspot bekannt ist. Und er sagt im Lied selbst: „Kann die Zeichen nicht seh’n, kenn kein einziges Gebet.“

Besonders religiös scheint er also nicht zu sein. Aber doch kommt im Refrain diese Frage, die ihn nachts wach hält und die er sich immer wieder stellt: Was ist das eigentlich, der Himmel? Wie kommt man rein ins Paradies? Vielleicht kommt man ja durch gute Werke hinein?

Marteria überlegt: „Will da oben rein, mal sehen wie ich’s mach/Ich will ja gut sein, auch wenn’s nicht immer klappt/Lauf durch die Straßen im Winter, verteil’ Schuhe und Brot“. Ob es also die guten Werke sind, die einen in den Himmel bringen? Eine Antwort darauf findet man in seinem Lied nicht. Das Ende bleibt kryptisch: „Egal, ich lieg in ihren Armen, ich lieg in ihren Armen, sie macht mich einfach nur high“. Ist für Marteria die Liebe zu einer Frau der Himmel auf Erden? Oder beruhigt ihn die Frau, wenn er sich existenzielle Fragen stellt und er zu keiner Antwort findet?

Ehrlich gesagt, bin ich aus Marterias Lied und seinem Video nicht richtig schlau geworden. Einerseits scheint ihn die Frage nach dem Himmel in irgendeiner Form umzutreiben, sonst hätte er keinen Song darüber geschrieben. Andererseits sind der Text und das Video ironisch gebrochen. Ist es ihm also doch nicht so ganz ernst mit der Frage? Auf jeden Fall spielt Marteria den Ball damit ist Feld seiner Hörer. Was sie aus seinem Text machen, ist ihnen überlassen.

 

Tobias WeyandTobias Weyand hat gerade sein Referendariat begonnen. Er ist Musikfan ohne Genre-Grenzen. Auf seinem MP3-Player bringt er deswegen gerne auch mal Metallica, Blumentopf und die Wise Guys in derselben Liste unter. Er ist immer auf der Suche nach inspirierenden Texten und Melodien, sowie nach Filmen und Büchern.

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