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Glaube - Leben - Popkultur

Ein Film zur Fastenzeit

Copyright: Jens Kühnemund / pixelio.de

Steve McQueen ist überwältigt. Gerade hat er für sein Drama „12 years a slave“ den Oscar für den besten Film erhalten. Er ist damit der erste farbige Regisseur, der die begehrte Trophäe in Händen hält. Sein prämiertes Werk beruht auf einer wahren Begebenheit: Der Afroamerikaner Solomon Northup, ein freier Bürger im New York des 19.Jahrhunderts, wird wegen seiner Hautfarbe gekidnappt und verschleppt. Der Film setzt die ganze Kraft des Kinos ein, um zu zeigen, wie brutal und menschenverachtend die Sklaverei ist. Als McQueen am vergangenen Sonntagabend den Preis entgegennimmt, zittert seine Stimme. Immer wieder muss er auf seinen Notizzettel schauen. Was er sagt, als er zur Dankesrede im Dolby Theatre in Los Angeles ansetzt, ist tiefe Überzeugung: „Ich widme diesen Preis allen Menschen, die jemals unter Sklaverei gelitten haben, und den 20 Millionen Menschen, die noch heute darunter leiden (…) Jeder verdient es, nicht nur zu überleben, sondern auch zu leben.“

Das klingt nach einer Vision – auch für die morgen beginnende Fastenzeit. Der Sinn des Fastens ist so alt wie das Alte Testament. Schon beim  Propheten Jesaja heißt es: „Ist das ein Fasten, wie ich es liebe, ein Tag, an dem man sich der Buße unterzieht: wenn man den Kopf hängen lässt, so wie eine Binse sich neigt, wenn man sich mit Sack und Asche bedeckt? Nennst du das ein Fasten und einen Tag, der dem Herrn gefällt? Nein, das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen (…)“ (Jes 58, 5-6).

Hier wird klar: Es geht beim Fasten nicht um Äußerlichkeiten. Es geht um das Innerste. Um die Beziehung der Menschen untereinander und mit ihrem Schöpfer. Um die von Gott geschenkte Würde eines jeden Menschen. Filme wie „12 years a slave“ und die Fastentexte aus dem Buch Jesaja können dafür unser Bewusstsein schärfen. Können diese unantastbare Würde des Menschen in den Fokus rücken. Auch wenn das manchmal weh tut, wie die schonungslosen Bilder, die Steve McQueen auf der Kinoleinwand zeigt.

Ein solcher Film und eine so verstandene Fastenzeit sind keine Schonkur. Doch dem Anspruch folgt schon bei Jesaja der Zuspruch. Wir müssen die Welt nicht aus eigener Kraft verändern. Gott ist dabei, bei jenem Fasten, wie er es liebt: „Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest, dem Hungrigen dein Brot reichst und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.“ (Jes 58, 9-10).

Christopher Hoffmann

Christopher Hoffmann ist Pastoralreferent im Rheinland. In seiner Freizeit macht er gerne Musik in einer Band und im Bonner Jazzchor. Neben musikalischen Manna-Momenten sucht er besonders auch in der Begegnung mit Menschen nach Gottes Spuren in unserer Welt.

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